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Aisleng: The Story Of Will The Sailor

Synthetischer Folk ohne Power
Wertung: 4/10
Genre: Folk (Rock)
Spielzeit: 43:36
Release: 04.04.2008
Label: Distinct Music

Ich mag abwechslungsreiche Musik. Ich finde es toll, wenn Musiker sich nicht in Schubladen zwängen lassen wollen oder sich immer und immer wieder auf ausgetretenen Pfaden bewegen. Ich bewundere es, wenn Bands einen anderen Weg gehen, als der von ihnen erwartete, wenn sie experimentieren und mit neuen Einflüssen ihre Musik interessanter gestalten. Man läuft selbstverständlich immer Gefahr, altgesottene Fans vor den Kopf zu stoßen oder aber die Ausflüge in neue musikalische Gefilde nicht ganz so unbeschadet zu überstehen, wie man es sich anfangs vorgestellt hat. Das mittlerweile siebte Album der deutschen Irish & Scottish Folk-Truppe Aisleng brachte mich auch in einen Zwiespalt über die Qualität des Albums. Einerseits bedient es sich verschiedenster Stimmungen, Spielweisen und Arrangements, andererseits sind einige Lieder komplett, andere zum Teil ordentlich misslungen. Da war wohl der Gedanke schöner, als das Endprodukt.

Seit 1990 schon existiert die Idee von Aisleng. In diesem Jahr nämlich trafen Stony Waters und Wolfgang Bauer aufeinander und wollten traditionellen Folk von den Inseln im Atlantik mit einigen modernen und im Folk gänzlich ungewöhnlichen Elementen verfeinern. Interpretationen von Traditionals und Songs anderer Musiker (u.a. Ritchie Blackmore) zählen ebenso zum Repertoire, als auch selbstgeschriebene Stücke und Medleys. Reichlich Live-Erfahrung sammelte die Gruppe über die Jahre sich neben Gitarren, Flöten und Dudelsack auch Bass, Schlagzeug, Keyboard, Mandoline und Geige bedienend.

„The Story Of Will The Sailor“ ist wie angekündigt ein zweischneidiges Schwert. Während „Praise The Champions“ und der Titelsong sehr netten und angenehmen Folk mit einigen softeren Rock-Einflüssen darstellen, hört sich „The Oak And The Ash“ nach der Leistung eines mit Allzweckmusikwunderwaffe bestückten Alleinunterhalters auf einem Kleinstadtfest an bis dann das erstklassige und sehr zackige Folk-Solo beginnt. Die nötige Portion Rock'n'Roll gibt es bei „Neill's Barn“ auf die Ohren, obwohl der auch eher kriecht als rollt. Ebenfalls weisen die Balladen ungeheure Qualitätsunterschiede auf. „The Dragen & The Phoenix“ besticht durch eine engelsgleiche, weibliche Stimme, sanft gespielte Akustikgitarre und filigrane Flötentöne, nachdem man sich bei „Be Mine Tonight“ dem puren Kitsch inklusive höchst nerviger Keyboarduntermalung hingab. Echtes und offensichtlich authentisches Dudelsackspiel hört man bei „Setting Sail“ und dem vorletzten Song, welcher ein Medley darstellt.

Das Album hat also seine guten Momente, ohne Frage. Aber nicht nur das Songwriting hält mich zeitweise vom Genießen ab, sondern auch der viel zu synthetische Sound. Irish und Scottish Folk leben von der Energie, der Atmosphäre und dem Organischen. Viel zu viel Hall, zu laut abgemischter Gesang und klangtechnisch unschädlich gemachte Folkinstrumente bestimmen leider das Klangbild. Von außen sieht man das der Scheibe allerdings nicht an, so präsentiert sich „The Story Of Will The Sailor“ als nettes, Sehnsucht hervorrufendes Scheibchen und passt somit wunderbar zur Geschichte von Will, dem Seemann.

Wer also die Gottväter der modern interpretierten, irischen Folklore, The Pogues, mag, der sollte mal ein Ohr riskieren. Allerdings auch mit dem Hintergrundwissen, dass nicht alles so aalglatt daherkommt, wie man es sich wünschen würde. Einiges Stirnrunzeln werden Aisleng mit „The Story Of Will The Sailor“ sicherlich hervorrufen. Doch bin ich der Meinung, dass solche Musik eigentlich nur live wirken kann, wie man bei dem letzten Song, der eine Livaufnahme darstellt, sehr gut hören kann. Auf Platte hat sich das Experiment Abweichen von Folk-Normen leider nicht wirklich durchsetzen können, jedenfalls nicht für mich.

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