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Ahab: The Boats Of The Glen Carrig

Führt den Stil des Vorgängers fort
Wertung: 8.5/10
Genre: (Nautik) Funeral Doom Metal
Spielzeit: 56:28
Release: 28.08.2015
Label: Napalm Records

Die vier Herren von Ahab wussten schon ganz genau, warum sie mit „Nautik Doom Metal“ eine eigene Genrebezeichnung für ihre Musik kreierten – so kann man das ewige Gemecker der Szenepolizei auf jeden Fall leichter an sich abprallen lassen, wenn diese sich darüber echauffiert, die Band würde bereits seit ihrem zweiten Album „The Divinity Of Oceans“ gar keinen „echten“ Funeral Doom mehr spielen (was immer das auch eigentlich sein soll). Mit einer selbst geschaffenen Stilrichtung räumt man sich selbst mehr Spielraum für experimentelle Schlenker ein, was sich in einer konstanten, klar erkennbaren Weiterentwicklung von Platte zu Platte zeigte.

Die Atmosphäre des Debüts „The Call Of The Wretched Sea“ mag unerreicht sein, musikalisch und produktionstechnisch gingen erwähnter Zweitling „The Divinity…“ und das 2012 veröffentlichte „The Giant“ allerdings einen guten Schritt weiter; das vorliegende „The Boats Of The Glen Carrig“, eine Adaption des gleichnamigen Horrorromans des englischen Schriftstellers William Hope Hodgson (1877 – 1918), bietet nun ein paar weitere Neuerungen, die Funeral-Doom-Puristen garantiert nicht gefallen werden.

Dies gilt insbesondere für das zuvor als Appetithäppchen vorgestellte „Like Red Foam (The Great Storm)“, den bis dato schnellsten Song der Bandgeschichte. Mit einer sludgy Schlagseite ausgestattet und im Midtempo gehalten, hinterließ der Track bei so manchem ein dickes Fragezeichen auf der Stirn. Denn auch wenn die Handschrift der Süddeutschen immer noch klar zu erkennen ist, erscheint der Track erst mal doch sehr untypisch und gewöhnungsbedürftig. Das zugehörige Video, in dem eine Waterboarding-Folterszene gezeigt wird, was ebenfalls wenig zum Spirit dieser Band passen will (auch wenn dies laut Ahab metaphorisch zu sehen ist), trägt seinen übrigen Teil dazu bei.

Ansonsten sind es aber eher kleine Experimente, mit denen das Quartett spielt – nach einem recht klassischen Start der Scheibe durch „The Isle“, vergleichbar mit „Further South“ vom Vorgänger, arbeitet man in „The Thing That Made Search“ dann das erste Mal mit einem E-Bow, der glänzend eingebaut wurde und das mächtige Riffgewitter in der Mitte des Stückes effektiv veredelt. Außer besagtem „Like Red Foam“ sind auch alle Stücke mindestens zehn Minuten lang – es braucht also niemand zu befürchten, dass Ahab plötzlich auf die Idee gekommen wären, nur noch verhältnismäßig kurze Nummern zu komponieren, in denen sie das Gaspedal penetrieren. Im Gegenteil: Mit dem viertelstündigen „The Weedmen“ liegt die längste Komposition der Truppe bisher vor, gleichzeitig auch die wohl insgesamt langsamste – ironischerweise (und wohl kaum zufällig) folgt diese direkt auf das relativ flotte „Like Red Foam“. 

Die Einschätzung von Frontmann Daniel Droste, dessen stimmliche Bandbreite von Grabes-Growling über verzweifelte Laute zwischen Schreien und Grölen bis zu elegischem Klargesang erneut sehr beeindruckt, im Vorfeld bei einer Track-by-Track-Besprechung, bei „The Weedmen“ habe man es mit einer Mischung aus „The Call Of The Wretched Sea“ und „The Giant“ zu tun, darf gut und gerne unterschrieben werden: Besonders der schleppende Beginn lässt an das Debüt der Hobby-Nautiker denken, während die kraftvollen Riffs in der Mitte, die zusätzlich auch noch ziemlich eingängig sind, eher die Sprache des letzten Outputs sprechen. Hier und da angereichert mit melodischen Gitarrenlicks und -soli, die selbstredend stets wohldosiert und geschmackvoll eingesetzt wurden, was die musikalische und kompositorische Klasse des Vierers nur zusätzlich unterstreicht.

Überragend beschlossen wird „The Boats Of The Glen Carrig“ anschließend in Form des fast ebenso langen „To Mourn Job“ (der Bonustrack „The Light In The Weed (Mary Madison)“ lag der Redaktion leider nicht vor), das mit seinem verträumten, psychedelisch angehauchten Beginn die wohl schönste ruhigste Passage der CD enthält, um sich behutsam zu steigern und schließlich in ein unheimlich gewaltiges, nahezu apokalyptisch anmutendes Riffmonster zu münden, das auf den nächsten Konzerten sicherlich für exzessives Slow-Mo-Headbanging sorgen wird. Death-Doom at its best, der für meterdicke Gänsehaut sorgt – wer hier immer noch meckert, dem ist wohl nicht mehr zu helfen.

Jene, die mit der ungewöhnlichen Vorab-Nummer nicht viel anfangen konnten, sollten sich davon nicht irreführen lassen: Ahab haben erneut eine tolle Platte zusammengezimmert, die den Stil des (für mich trotz allem einen Tick stärkeren) Vorgängers fortführt, dennoch wieder ein paar kleine Neuerungen enthält. Außerdem muss man den Song ohnehin im Zusammenhang begreifen, handelt es sich schließlich um ein Konzeptwerk. Dass man sich mittels mehrerer Durchläufe reinhören muss, ist bei der Länge der Stücke natürlich eh selbsterklärend. Und produktionstechnisch kann man das nicht besser machen: Transparent, durchschlagskräftig, gewaltig und dabei trotzdem Emotionen, Lebendigkeit und Atmosphäre transportierend – wenn man diesen Spagat gerade heutzutage hinbekommt, darf man sich getrost auf die Schulter klopfen.

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