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Agrypnie: 16[485]

Für dieses Album sollte man sich Zeit nehmen
Wertung: 8.5/10
Genre: Post Black Metal
Spielzeit: 73:22
Release: 15.01.2010
Label: Supreme Chaos Records

Nicht selten ist es der Fall, dass ein Musiker einer bekannten Band ein Soloprojekt ins Leben ruft, um seine eigenen Ideen entfalten zu können, da bei seiner Hauptband andere das Sagen haben – und letztlich verläuft die Entwicklung des Soloprojektes so gut, dass es bald zu einer vollwertigen Band mutiert. So ähnlich sieht es auch bei Agrypnie aus, der Combo von Ex-Nocte Obducta-Sänger Torsten Hirsch, der zwar immer noch fest die Fäden in der Hand hält (er singt, spielt Gitarre und Keyboards und hat fast sämtliche Songs im Alleingang komponiert), aber zumindest inzwischen eine richtige Band am Start hat, nachdem man auf dem Debütalbum „F51.4“ aus finanziellen Gründen beispielsweise noch mit einem Drum-Computer anstelle eines richtigen Schlagzeugers vorlieb nehmen musste.

Nocte Obducta sind ja bekanntermaßen inzwischen Geschichte, sie lösten sich 2006 unter anderem deswegen auf, weil man keine Lust mehr darauf hatte, immer wieder wegen des angeblichen Abweichens von der „reinen Lehre“ – sprich: der Nichtbeachtung der von der Szenepolizei festgelegten musikalischen Grenzen des Black Metal – von Puristen kritisiert zu werden – obwohl man sich schon lange von der Schwarzmetall-Szene distanziert hatte. Ein letzter schöner Schlag ins Gesicht der unsäglichen Dauerquerulanten war da das letzte Album „Sequenzen einer Wanderung“, welches lediglich zwei Stücke von jeweils über zwanzig Minuten Länge enthielt.

Auch bei Agrypnie wird sich nicht an sogenannte Regeln gehalten, das neue Album „16[485]“ enthält neben den Black-Metal-Elementen, die eine typisch kalte Atmosphäre verbreiten, auch zahlreiche melodische Sequenzen, kurze Akustikparts und dezente Keyboard-Anteile, die dem Ganzen einen zusätzlichen melancholischen Touch verleihen. Torsten macht hier ein für alle mal klar, dass er trotz des Endes von Nocte Obducta – oder gerade deswegen – immer noch lieber das tut, was er will, als sich irgendetwas von wichtigtuerischen, selbsternannten Musikexperten vorschreiben zu lassen.

Das ist auch gut so, denn „16[485]“ ist ein sehr gutes Album geworden, bei dem die Labelbeschreibung „gleichzeitig aggressiv und doch mit hohem Anspruch“ absolut zutreffend ist. Hier stimmt eigentlich alles: Angefangen beim mit der Musik hervorragend harmonierenden Cover, mit dem man selbstredend sofort Einsamkeit assoziiert, über die – wie ja auch schon bei Nocte Obducta – sehr metaphorischen, poetischen deutschen Texte, bis hin zu den wohl durchdachten, abwechslungsreichen Songs, für die sich der Hörer Zeit nehmen sollte. Die meisten Tracks besitzen Überlänge, „Kadavergehorsam“, „F15.2“ (irgendwie hat die Band es mit Zahlen) oder „Morgen“ sind über acht beziehungsweise neun Minuten lang, der Titelsong „Brücke aus Glas“ sogar beinahe zwölf; insgesamt kommt die gut produzierte CD auf rund 73 Minuten Spielzeit.

Mehrere Durchläufe sind somit unumgänglich, um Arrangements und Songstrukturen zu erfassen, Kopfhörersessions seien empfohlen, um sämtliche Nuancen in sich aufnehmen zu können und die Wirkung der Gitarrenwände besser zu spüren. Bei aller Liebe zum Detail und dem komplexen Songwriting klingt das dritte Full-length-Album von Agrypnie jedoch nicht zu verkopft oder gar sperrig, im Gegenteil, es gibt durchaus Riffs und Melodien, die sich relativ schnell ins Gehirn fräsen, wie teilweise zum Beispiel in „Der tote Trakt“, „F15.2“, „Verfall“, „Zorn“ oder „Morgen“ bewiesen. Immer mal wieder wird man daher ein wenig an die Thüringer Black Metaller Farsot erinnert, die mit ihrer letzten Scheibe „IIII“ ebenfalls ein grandioses Werk zwischen Epik, Kälte, Rohheit, Melodien und großen Emotionen veröffentlichten.

„16[485]“ ist in jedem Fall ein Album, das erfreulich aus der Masse an Standard-Black-Metal-Veröffentlichungen hervorsticht – eben weil es mehr als einfach nur Black Metal ist. Es bleibt zu hoffen, dass Torsten und seine Jungs ihren Weg trotz allen Gemeckers, das es garantiert wieder aus gewissen Kreisen geben wird, unbeeindruckt weitergehen, aber ich bin mir sicher, dass sie das auch tun werden.

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