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Agnostic Front: Get Loud!

Auch nach 40 Jahren noch überraschend bissig
Wertung: 8,5/10
Genre: New York Hardcore
Spielzeit: 31:17
Release: 08.11.2019
Label: Nuclear Blast

Das Wichtigste zuerst: Die neue Agnostic Front-Scheibe „Get Loud!“ klingt wie – Agnostic Front. Nach vierzig Jahren keine wirkliche Überraschung, aber irgendwie eben doch: Da mag Roger Miret auf der Bühne mittlerweile schnell etwas kurzatmig werden, auf Platte killt der Mann immer noch alles, was sich ihm in den Weg stellt. Da ändern auch die 14 neuen Songs nichts, die die Truppe in gerade mal einer halben Stunde Spielzeit in die Gehörgänge knüppelt. New York Hardcore vom Feinsten, und die Altherrenmannschaft büßt zu keiner Sekunde an Biss ein. Da muss man auch gar nicht schmunzeln, wenn Gitarrist Vinnie Stigma im Booklet nicht als „guitars“ sondern als „legend“ vermerkt ist. Die Wahrheit darf man schließlich sagen.

Derartig beruhigt kann man sich dann an die detaillierte Sektion des mittlerweile zwölften offiziellen Studioalbums machen. Und anhören muss man die Scheibe tatsächlich einige Male, denn so schnell wie die Truppe einsteigt, so schnell sind die Songs auch schon am Hörer vorbeigerast. Was nichts über die Qualität aussagt, denn die bewegt sich sogar auf etwas höherem Niveau als man es zuletzt gewöhnt war – Agnostic Front halten das Tempo einfach insgesamt verdammt hoch. Da ballern Knaller wie das melodisch angehauchte „I Remember“ aus den Boxen, in dem sich die Truppe mit der eigenen Bandgeschichte auseinandersetzt und das einen schon auf Platte Gänsehaut bescherenden Gangshout-Part bereithält, Abrissbirnen wie das knapp die eine Minute Laufzeit sprengende „Anti-Social“, das mit ordentlich Thrash gewürzt wurde, oder massiv daherwalzende Tracks wie der mit beinah drei Minuten schon an Überlänge grenzende Opener „Spray-Painted Walls“ – die Herren feuern einen Knüller nach dem anderen ab.

Ja, man kennt die Strukturen schon von zig anderen Songs, aber klar ist auch: Agnostic Front sind eine Macht mit Wiedererkennungswert, allein schon durch ihren heiser bellenden Fronter Roger Miret. Und, wie bereits erwähnt, kann sich „Get Loud!“ deutlich frischer präsentieren als so einige Vorgängerscheiben.

Mit „Af Stomp“ hat sich dann sogar ein brachiales Instrumentalstück auf die Platte verirrt, dem mit „Urban Decay“ ein richtiger Ohrwurm folgt. Erst bei „Isolated“ nehmen Agnostic Front mal für einen Moment das Tempo raus, fügen eben schnell eine flirrende, genial auffällige Gitarre ein und machen Platz für ordentlichen 2-Step. Überhaupt können sich Pogo- und Tanzwütige wie üblich sicherlich nicht beklagen; wer die Band einmal live in einem kleinen Club gesehen hat, weiß, wie die Massen dort mobilisiert werden.

Unterm Strich ist hier ein typisches Agnostic-Front-Album entstanden, das aber erstaunlich viel Spaß macht. Die Herrschaften präsentieren sich frisch und weiterhin bissig auf hohem Niveau, deutlich weniger stumpf als viele Genrekollegen und durch „legend“ Vinnie Stigma immer auch mit einem Augenzwinkern. Fans der Band dürften begeistert sein, wer die Band vorher nicht mochte, hat auch auf „Get Loud!“ keine Chance.

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