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Agalloch: Marrow Of The Spirit

Alle Stärken vereint
Wertung: 9/10
Genre: Black Metal/Post-Rock
Spielzeit: 65:32
Release: 19.11.2010
Label: Viva Hate Records

Die atmosphärische Mischung aus Black Metal und Post-Rock erfuhr gerade in letzter Zeit durch Bands wie Alcest und Lantlôs einen starken Popularitätsschub und sorgte bei nicht wenigen Hörern dafür, diesen Sound als etwas völlig Neues anzuerkennen – dass Agalloch schon lange eine Institution sind, was das Experimentieren mit diesen Genres angeht, wird dabei häufig vergessen. Erschloss die Band bei „The Mantle“ und „Pale Folklore“ noch relativ neue Wege, so bewegt sich das Quartett aus Portland ähnlich wie zuletzt auf „Ashes Against The Grain“ wieder mehr auf den Kern seines Sounds zu und fügt alle Einzelteile zu einem stimmigen Ganzen zusammen, das die Stärken Agallochs mehr denn je betont.

Besonders wird auf diesem Release deutlich, dass die Wurzeln der Truppe noch immer im Black Metal liegen, was vor allem an der Produktion ersichtlich ist, die deutlich roher und ungeschliffener ausfällt als beim letzten Album und der Musik eine winterlich-düstere Stimmung beschert. Auch der Härtegrad ist dieses Mal höher angesiedelt als zuletzt, sogar Blastbeats gehören nun zum Reportoire des Vierers – trotz des rauen Sounds haben jedoch die altbekannten neoklassischen Einflüsse und die Post-Rock-Passagen noch immer ihren Platz und auch die der Band eigene Melodieführung, die nicht selten ein wenig folkig ausfällt, ist nicht aus dem Klangbild gewichen. Insbesondere was den Abwechslungsreichtum angeht, haben Agalloch sich dieses Mal selbst übertroffen und decken Elemente aus all ihren Schaffensphasen ab, ohne dabei den roten Faden zu verlieren, denn trotz ihrer Vielseitigkeit wirken alle Stücke wie aus einem Guss.

Ein Blick auf die Trackliste und die Spielzeit der einzelnen Songs macht deutlich, dass hier jedes Stück ein eigenes Epos darstellt, denen die Band in den überlangen Laufzeiten genug Zeit gibt, sich dank der perfekt durchdachten Songstrukturen vollkommen zu entfalten und den Hörer in das winterliche Reich von „Marrow Of The Spirit“ eintauchen zu lassen. „They Escaped The Weight Of Darkness“ stellt dabei lediglich eine Art Intro dar, ist aber so stimmungsvoll geraten, dass es gleichberechtigt neben den eigentlichen Stücken steht. Das Plätschern eines Flusses und sanftes Vogelgezwitscher empfangen den Hörer, bevor eine wehmütige, wunderschöne Cello-Melodie einsetzt, die vom Gastmusiker Jackie Perez Gratz stammt. Mit Blastbeat, durchdringendem Riffing und John Haughms charakteristischen Screams stellt „Into The Painted Grey“ anschließend einen starken Kontrast zu den Streicher-Klängen her und betont von allen Stücken die schwarzmetallischen Wurzeln des Quartetts am meisten – um einen gewöhnlichen Black Metal-Track handelt es sich hierbei aber keineswegs, denn die immer wiederkehrenden flirrenden Lead-Melodien und die dezent eingesetzten Piano-Klänge sorgen stets dafür, dass der ureigene Sound der Band erhalten bleibt.

Dass Agalloch auch oftmals die im Black Metal nicht seltene Folk-Komponente verarbeiten, ist kein Geheimnis und ändert sich auch auf dem neuen Werk nicht - „The Watcher's Monolith“ lebt von ruhigen Versatzstücken samt Akustik-Gitarre und der majestätischen Melodieführung, die stellenweise auch von klarem Gesang begleitet wird, der sich gut in das melancholische Gesamtbild einfügt. Unbedingt erwähnen sollte man dabei auch die wunderschöne Klavier-Passage am Ende des Stücks, die nach den härteren Klängen eine unglaubliche Intensität besitzt. Auch „Ghosts Of Midwinter Fires“ besitzt folkige Anklänge, kommt jedoch für Agalloch-Verhältnisse deutlich eingängiger daher als der Rest des Albums, ohne dabei aber die geschickt arrangierten Gitarren-Leads und die progressive Songstruktur, die das Stück auf immerhin fast zehn Minuten bringt, aus den Augen zu verlieren.

Das Herzstück von „Marrow Of The Spirit“ stellt jedoch zweifellos „Black Lake Niðstång“ dar, das zu den epischsten und spektakulärsten Stücken gehört, die die Band jemals geschrieben hat: In über siebzehn Minuten fahren Agalloch alles auf, was ihnen zur Verfügung steht – der Post-Rock-Einfluss ist hier ebenso stark zu spüren wie Elemente aus dem Doom, die sich hauptsächlich in den schleppenden, von verzweifelten Schreien begleiteten Riffs äußern. Trotz der Überlänge kommt zu keiner Sekunde auch nur der Gedanke an Langeweile auf, denn die rabenschwarze Atmosphäre ist greifbar dicht und wird stellenweise sogar überraschend, aber gekonnt von einem Moog-Syntheziser unterstützt. Abgeschlossen wird das Album mit „To Drown“: Hier lebt die Band noch einmal ihre Post-Rock-Seite aus und lässt erneut sanfte Streicher-Klänge einfließen, die zusammen mit unheimlichem Flüstern und den flirrenden Gitarren langsam zu einem letzten Klimax führen, der die CD würdevoll ausklingen lässt.

Dem Quartett ist es auch dieses Mal gelungen, ein Album aufzunehmen, das in kein wirkliches Schema passt und doch vertraut klingt, denn man hört zu jedem Zeitpunkt, dass hier Agalloch am Werk sind. „Marrow Of The Spirit“ ist düsterer und härter als zuletzt, aber genauso stimmungsvoll wie man es von der Band gewöhnt ist und bietet unglaublich viel zu entdecken, denn in jedem Song finden sich unzählige kleine Details, die für eine beeindruckende Langzeitwirkung sorgen. Agallochs neues Album gehört ohne Frage zum Besten, was dieses Jahr im Bereich des atmosphärischen und experimentellen Metal veröffentlicht wurde und dürfte keinen Fan dieser Art von Musik kalt lassen, doch auch offene Post-Rocker können hier ruhig einmal ein Probehören riskieren.

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