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After The Death Of Man: Live Demo

Der Underground-Status sollte sich bald erledigt haben
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Metal, Black Metal
Spielzeit: 23:33
Release: 01.10.2010
Label: Eigenproduktion

So schnell kann’s gehen: Da pflegt man ganz unverfänglichen E-Mail-Kontakt mit einer noch unbekannten Band, die einem musikalisch sowie sympathietechnisch zusagt, und schon hat man deren neue Scheibe an der Backe, mit der Bitte, ein Review zu schreiben. Kein Problem, solange man nicht den absoluten Ausfall des Jahres vor sich hat – dann wird’s nämlich peinlich.

Bei After The Death Of Man besteht da zum Glück keine Gefahr, obwohl der Progressive Black Metal der Jungs durchaus gewöhnungsbedürftig ist. Cannibal Corpse-mäßige Vocals herrschen die meiste Zeit vor, eine Spur tiefer geht’s in den Growls ab und an zu, und auch kreischende Gitarren und verprügelte Drums kommen nicht zu kurz – all das gebannt auf eine Live-Scheibe mit dem wenig enthusiastischen Namen „Live Demo“. Eine klare Ansage ist das wenigstens, dementsprechend schnodderig ist die Soundqualität zeitweise, aber man kann immerhin hören, dass Publikum und Band Spaß haben.

Besonders lange wirbeln die Amis noch nicht im Underground herum, erst seit Anfang des Jahres geben sich Bassist Flynn Hargreaves, Drummer Joe Dashee, die beiden Gitarristen Paul Benson und Derek Ryan, sowie der völlige manische Sänger Brandon Shobe die Ehre auf Bühne und Platte – und das auf technisch hohem Niveau, schließlich kommt das Prädikat „Progressive“ ja nicht von ungefähr. Übrigens nennen die Jungs ihre Musik stilsicher „Progressive Blackened Post“ – ist das Ganze also nur schwarz angefärbt? Beileibe nicht, denn trotz melodischer Einschübe und verfrickelter Gitarrenspuren suppt hier das Schwarzmetall aus allen Löchern.

Die kurze Begrüßung namens „Hi Everybody“ hätte man sich vom pädogisch wertvollen Standpunkt aus durchaus sparen können, aber man ist ja höflich und begrüßt das anwesende Publikum angemessen. Gleich im Anschluss geht’s mit „Eats It Shit“ aber schon steil nach vorne, auch wenn nach dem Old Schoolig anmutenden Gitarrenintro erstmal schön tief gegrunzt wird. In den rasanteren Gefilden des Songs wildernd, lässt sich Sänger Brandon durchaus auch mal zu heiserem Gebell hinreißen – wie der Mann das durchsteht, ist und bleibt mir ein Rätsel, aber es klingt verdammt geil! Man merkt: Es geht dem Quintett nicht nur darum, zusammen Musik zu machen, stattdessen soll dem Hörer technisch anspruchsvoller Metal serviert werden. Dafür verausgaben sich natürlich vor allem Paul und Derek an den Saiten völlig, liefern während der kompletten Show ein wahnwitziges Solo nach dem anderen in allen denkbaren Oktaven und schliddern mit jeder Minute haarscharf am völligen Kollaps vorbei.

Sympathischerweise scheut Sänger Brandon sich nicht, auch mal kommunikativ an das Publikum heranzutreten, statt die sechs Songs stur hintereinander herunter zu reißen. „Seeded“ kann mit dem teils sehr tiefen Gesang fast ein wenig am Grindcore-Sektor kratzen, groovt aber ungemein und dürfte sicherlich einige Haarmatten zum Kreisen gebracht haben. Wirklich großartig wird die Scheibe aber erst mit den beiden progressiveren Stücken „Anthropocene“ und „Locus Of Control“ – ersteres startet mit einer improvisiert anmutenden, Lounge-mäßigen Gitarrenspur, bevor Brandon losbrüllt. Im Laufe des eigentlich recht heftigen Songs bahnt sich immer wieder die fragile Gitarre einen Weg nach vorne, mal untermalt von tiefen Growls, mal ganz für sich alleine. Besonders der Black Metal-Anteil hat hier seine Daseinsberechtigung, was vor allem im Zusammenspiel zwischen Gitarre und Vocals herauskommt. Genial!

„Locus Of Control“ bietet dann als zweiter Sechs-Minuten-Song einen absolut brillianten Abschluss. Ebenso wie „Anthropocene“ war der Track schon auf einem vor einigen Monaten erschienenen Zwei-Track-Demo zu hören, aber erst live kommt das Hammerstück so richtig rüber. Brandons tiefe Growls zusammen mit dem großartig einprägsamen Gitarrenlick lassen nicht nur eine Ganzkörpergänsehaut entstehen, man wird das Gefühl auch so schnell nicht wieder los.

Fazit: ATDOM sollten ihren Bekanntheitsgrad recht schnell steigern, denn was die Fünf hier aufs Parkett legen, ist kein Tanz mit der Rasierklinge, sondern ein progressiv-schwarzes Fest. Schon ohne die beiden genialen letzten Tracks wäre die Live-Scheibe, trotz der nicht unbedingt optimalen Qualität, ein Hören wert gewesen – mit „Anthropocene“ und „Locus Of Control“ ist das Demo bärenstark und sollte so manche Label-Tür aufsprengen.

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