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Aerosmith: Music From Another Dimension

Man übertreibt mit dem Albumtitel
Wertung: 7/10
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 67:59
Release: 02.11.2012
Label: Sony Music

Eine weltberühmte Hard-Rock-Band, die seit über einer Dekade nicht mehr mit einem Studioalbum mit eigenem Material aus dem Quark gekommen ist, die neue Langrille immer wieder ankündigt, den Releasetermin aber dann doch immer weiter nach hinten schiebt – das kommt einem doch irgendwie bekannt vor. Eine gewisse Combo namens Guns N' Roses, angeführt von einem gewissen, stets zwischen Genie und Wahnsinn pendelnden Mann namens Axl Rose, brauchte ganze 14 Jahre für „Chinese Democracy“ – ein Album, das die große Erwartungshaltung leider nicht erfüllen konnte und das letzten Endes kein Schwein gebraucht hat.

Auch die Kollegen von Aerosmith haben sich für ihre neue Platte verdammt viel Zeit gelassen. Acht Jahre sind seit „Honkin’ On Bobo“ verstrichen, das allerdings enthielt lediglich Coverstücke, bereits elf Lenze sind jedoch seit „Just Push Play“, dem letzten Werk der Luftschmiede mit eigenem Material ins Land gezogen. Und um es gleich vorwegzunehmen: Eine solche Enttäuschung wie „Chinese Democracy“ seinerzeit ist „Music From Another Dimension“ glücklicherweise nicht geworden, wenngleich sich ebenfalls offenbart, dass die ganz großen Zeiten von Steven Tyler, Joe Perry und ihren Kompagnons anscheinend doch vorbei sind. Allerdings wurde ein ähnlich großer Aufwand wie damals bei den Gunners betrieben, da man sich nicht unerheblich viele Co-Songwriter und Gastmusiker ins Boot geholt hat; sogar Schauspieler Johnny Depp darf bei „Freedom Fighter“ ein paar Töne ins Mikro schmettern, wenn auch nur als Backgroundsänger.

Die Bauernweisheit „Viele Köche verderben den Brei“ haben Aerosmith allerdings ja noch nie so wirklich beherzigt, da einige ihrer größten Hits mit externen Songschreibern zusammen verfasst wurden und wenn das Rezept früher so gut klappte, wieso dann nicht auch dieses Mal? Eröffnet wird die Scheibe allerdings mit einer Nummer des klassischen Songwriter-Gespanns Tyler/Perry und „LUV XXX“ steht irgendwie so ein bisschen für das gesamte Album: Okayer Song mit okayem Mainriff und okayem Refrain, aber wirklich mitreißen will das Ganze nicht. Wer nach der langen Wartezeit mit großer Erwartungshaltung an die Scheibe gegangen ist, wird also möglicherweise enttäuscht werden, alle anderen werden nach den ebenfalls guten, aber nicht überragenden letzten Alben „Just Push Play“ und „Nine Lives“ wohl nüchtern konstatieren, dass sich „Music From Another Dimension“ in eine ähnliche Kategorie einordnen lässt.

Auch ansonsten ist nämlich kein absolut herausragender Song zu verzeichnen. „Out Go The Lights“ und „Street Jesus“ sind ebenso als ganz nett zu bezeichnen wie das Assoziationen an Led Zeppelin erweckende „Legendary Child“, „Lover Alot“ oder die von Joe Perry eingesungenen Tracks „Freedom Fighter“ und „Something“, während „Oh Yeah“ eher den Titel „Na ja“ verdient hätte.

Ausgerechnet die Balladen gehören – alles in allem – zu den stärkeren Kompositionen auf der Platte, doch da war das Quintett ja schon immer ziemlich gut drin: „What Could Have Been Love“, das auch als Single ausgekoppelt wurde, verdeutlicht einmal mehr das Potential für herrliche Schmachtfetzen, wie sie in dieser Form wohl nur die Bostoner Rocker verfassen können, und dem zwar pathetischen und sicherlich kitschigen „We All Fall Down“ hört man an, dass es aus der Feder von Diane Warren stammen muss, die ja auch vor etlichen Jahren für den Megahit „I Don’t Wanna Miss A Thing“ verantwortlich zeichnete, welcher letztlich zur erfolgreichsten Single für die Amerikaner mutierte. Auch „Tell Me“, geschrieben von Bassist Tom Hamilton, ist ganz hübsch, und beim abschließenden „Another Last Goodbye“, das zu Anfang ein wenig an „Dream On“ denken lässt, kann Frontmann Steven Tyler – nur begleitet von Piano, Keyboards und Streichern – so richtig zeigen, was er stimmlich noch auf dem Kasten hat. Die hohen Schreie beherrscht er auch anno 2012 noch erstaunlich gut und man darf feststellen, dass Tyler auch mit über 60 eine der besten Rockröhren des Planeten ist.

Völlig belanglos und auf Mainstream gebürstet ist hingegen das mit Country-Schnuckelchen Carrie Underwood eingeträllerte Duett „Can’t Stop Lovin’ You“ (wenigsten bei diesem ausgelutschten Titel hätte man ja etwas kreativer sein können), das – wie könnte es anders sein – ebenfalls als Single veröffentlicht wurde, denn ein paar Radio-affine Musik-nebenbei-Hörer werden die Sülze schon kaufen und zu dem ach so „authentischen“ Herzschmerz- Wechselgesang ein paar Tränen der Rührung vergießen. Auch das im Chorus balladesk gehaltene „Beautiful“ zieht den Qualitätsschnitt nach unten – ein Totalausfall, der zum Skippen einlädt.

Dass mal wieder maßlos bei der Selbsteinschätzung übertrieben wurde („Das ist genau das Album, das wir seit 1984, als die Band wieder zusammenkam, machen wollten“, wie Joe Perry behauptet), ist nach solch langen Pausen und angesichts der Popularität einer Combo wie Aerosmith nicht verwunderlich und natürlich auch nichts Neues, weswegen man solche Aussagen mittlerweile nur noch mit einem gleichgültigen Achselzucken abtut. Insgesamt gilt: Grundsätzlich kann eine Band, die so viele Erfolge vorzuweisen hat wie Aerosmith, sich einen etwas großkotzig anmutenden Titel wie „Music From Another Dimension“ zwar irgendwo erlauben, doch dass es sich hier tatsächlich um Musik aus einer anderen Dimension handelt, wäre maßlos übertrieben. Jedenfalls keine Dimension der absoluten Wonne, wenn auch keine des totalen Grauens. Eben guter Durchschnitt; für eine Nachwuchskapelle wäre das akzeptabel, für so eine großartige Combo mit so einem fantastischen Backkatalog ist es etwas wenig.

PS: Wenn man eine Promo-CD schon nur als Stream zur Verfügung stellt, sollte dieser wenigstens funktionieren, einem nicht andauernd nach zwei Tracks erzählen, dass man sein Zugangslimit überschritten hätte, und eine richtige Reihenfolge der Tracklist wäre auch wünschenswert. Ein Branchenriese wie Sony sollte dazu wohl in der Lage sein…

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