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Adrenaline Mob: Omertà

Irgendwie hätte man noch mehr erwartet, aber in jedem Fall eine gute Platte
Wertung: 8/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 49:38
Release: 16.03.2012
Label: Century Media

Wenn sich Symphony X-Frontröhre Russell Allen und Ex-Dream Theater-Felleverdrescher Mike Portnoy zusammenrotten, um eine neue Band zu gründen (der Gedanke einer gemeinsamen Combo spukte den beiden schon seit Jahren im Kopf umher), denken die meisten sicherlich gleich an die nächste Supergroup des Progressive Metal. Bei solch einer exquisiten Kombination kann einem auch tatsächlich das Wasser im Mund zusammenlaufen, doch wie Portnoy bereits im Vorfeld der Veröffentlichung erklärte und auch schon auf der vorab herausgebrachten EP zu hören ist, haben Adrenaline Mob doch eher wenig bis gar nichts mit progressivem Schwermetall zu tun.

Vielmehr bietet die Band, die erst im letzten Jahr gegründet wurde und trotzdem schon zwei Besetzungswechsel hinter sich hat (Gitarrist Rich Ward und Bassist Paul Di Leo haben aus zeitlichen Gründen schon wieder ihre Koffer gepackt, sind auf dem Debütalbum aber noch zu hören; ersetzt wurde nur der Tieftönerposten durch John Moyer von Disturbed), sehr klassischen, testosterongeschwängerten Heavy Metal mit Hard-Rock-Anleihen – Allens Vergleich mit Black Label Society und Rob Zombie ist keineswegs aus der Luft gegriffen. 

Ein Blick auf das in der Tat sehr coole Albumcover, den Bandnamen, das im Stil von „Der Pate“ gehaltene Logo und den Albumtitel „Omertà“ (das Wort bezeichnet die Schweigepflicht von Mitgliedern der Mafia gegenüber Außenstehenden) zeigt, dass sich die Band ganz clever gleich von Beginn an ein Image zugelegt hat, was – als würden die prominenten Namen nicht ohnehin schon genug Eindruck schinden – natürlich einen höheren Wiedererkennungswert garantieren soll.

Stellt sich die Frage, ob dieser auch mit Hilfe der Musik erreicht werden kann und diese Frage kann wenigstens größtenteils mit „ja“ beantwortet werden. Dass „Omertà“ eine professionell gemachte, kompetent eingespielte Platte werden würde, war bei der Erfahrung und dem Können der beteiligten Leute sowieso klar, aber Namen alleine haben noch nie mitreißende Musik und gute Songs geschrieben. Das, was Adrenaline Mob zu bieten haben, ist beileibe nichts Neues oder der ganz große Überflieger, den manche vielleicht erwartet haben, jedoch allemal solide.

„Undaunted“, Opener und gleichzeitig erste Single, wartet mit jeder Menge Energie und ordentlich bratenden Gitarren auf, wobei das Mainriff ein bisschen zu standardmäßig herüberkommt. Trotzdem ist der Song irgendwie ganz okay, was allerdings auch bei so manch anderem Stück der Scheibe das Problem darstellt. Vieles ist sehr nett anzuhören, sehr routiniert und streckenweise auch sehr energetisch (klar, wenn man ein Tier wie Russell Allen hinter dem Mikro stehen hat), will aber eben auch nicht immer so recht zünden.

Beispielsweise „Indifferent“: Dieser melancholisch angehauchte Midtempo-Song kann einen prinzipiell brauchbaren Chorus und hörenswerte Harmonien vorweisen, aber so richtig mitreißen will er dann auch nicht. Möglicherweise liegt dies aber auch darin begründet, dass der Refrain einfach zu oft wiederholt wird und einem irgendwann ein wenig auf die Nerven geht. Auch die Ballade „Angel Sky“ fällt unter die Rubrik „gut gemacht“, der Song ist auch wahrhaftig hübsch, aber schon der arg klischeebehaftete Text (Zeilen der Marke „fly so high, spread your wings and try“ sind nicht gerade von Originalität gekennzeichnet) hält die Begeisterung in Grenzen.

Dennoch soll hier nicht etwa der Eindruck einer Enttäuschung entstehen; vor allem in der Mitte ist das Material deutlich stärker geworden. „All On The Line“ mit seinen vielen Akustikgitarren haftet eine wundervolle Leichtigkeit an, in „Hit The Wall“ findet man die mit sechseinhalb Minuten nicht nur längste, sondern dank abwechslungsreichen Songwritings auch vielleicht beste Nummer, „Psychosane“ mit seinen Zakk-Wylde-Quietschsounds macht Spaß und das groovende „Feelin’ Me“ besitzt eine wirklich amtliche Hookline. Auch das Duran-Duran-Cover „Come Undone“, bei dem Lzzy Hale von Halestorm ein paar Gastvocals beisteuert, fügt sich erstaunlich gut in das Konzept ein, und es ist ja stets begrüßenswert, wenn eine Metalband nicht nur andere Metalbands covert, sondern sich auch mal Stücke aus ganz anderen Bereichen vorknöpft. In Form von „The Mob Rules“ von Black Sabbath hatte die Band außerdem erst ein Metalcover auf der EP, das man nicht auch auf die Full-Length mit raufpacken wollte, zumal schon sämtliche Eigenkompositionen darauf ebenfalls auf „Omertà“ gelandet sind. 

Mit „Believe Me“, dem treibenden, peitschenden „Down To The Floor“ und dem abschließenden, kompromisslos-knackigen, mit einer gewissen Coolness gesegneten „Freight Train“ (inklusive „Painkiller“-Gedächtnisintro) sind drei weitere starke Nummern zu finden, die dieses Debütwerk ins obere Punktedrittel hieven. Irgendwie hätte man bei einer Zusammenarbeit eines (Ex-)Dream-Theater- und eines Symphony-X-Mitgliedes zwar noch mehr erwartet, nichtsdestotrotz muss man „Omertà“ insgesamt schon Klasse attestieren. Und ich bin mir sicher, dass die Band an der Livefront gleich noch einmal viel mehr Laune machen wird, denn Russell Allen ist für derartiges Material der perfekte Sänger und wer allein ihn mal live gesehen hat, weiß, wovon die Rede ist.

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