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Adrenaline 101: Twelve Step Program

Der Adrenalinschub bleibt leider aus
Wertung: 7/10
Genre: Alternative Rock/Hard Rock
Spielzeit: 43:07
Release: 08.02.2010
Label: STF Records

Musik als Therapie? Gerne doch! Die Schweizer Adrenaline 101 liefern mit ihrem Debüt-Album „Twelve Step Program“ ihren persönlichen Beitrag zur musikalischen Hausapotheke. Zwölf Songs, zwölf Schritte zu Gesundheit und Lebensfreude – das scheint der Gedanke dahinter zu sein. Vor Risiken und Nebenwirkungen wird allerdings nicht gewarnt; somit kommt es wohl auf den Versuch an. Schauen wir mal, was die Hausmittelchen des Quartetts so zu bieten haben.

Moderne Rocksounds, leicht nasaler Gesang, poppige Melodien und eine zeitgemäße, druckvolle Hochglanzproduktion begrüßen den Testprobanden im Opener „Seek The Lane“. Abgehackte Rhythmen in den Strophen treffen auf Zerrballadenfeeling im Refrain – so weit, so konventionell. Radiotauglich ist der Song alle Male, wirklich umwerfend indes nicht.

„Flushed Nights“ lockert die Handbremse im Anschluss ein wenig, was für ein leichtes Plus in Sachen Aggressivität und Power sorgt. Trotzdem bleibt der Eindruck der Gewöhnlichkeit; da kann Sänger Delon Cyclon noch so oft „motherfucker“ sagen, und „Brand New Day“ schlägt vollends den Weg Richtung Radiorock ein. Nicht schlecht gemacht zwar und gut produziert ohnehin, aber die finsteren Schatten unsäglicher Kollegen wie Nickelback oder Blink 182 lauern stets im Hintergrund.

„In The Mix“ erinnert dagegen eher an Buckcherry und speziell deren Über-Hit „Crazy Bitch“: Statt „I like the way you fuck me“ gibts hier eben „I'm takin' you pants off“ - irgendwie wahnsinnig plump und pubertär, aber auf musikalischer Seite trotzdem gelungen und von nicht zu verhehlendem Unterhaltungswert. Eine Zeitlang dürfte es jetzt gerne so weitergehen, doch im Gegenteil, denn leider haben Adrenaline 101 scheinbar das Bedürfnis, sich für diesen ungeheuerlichen Abstecher in Rockstar-Klischeegefilde im Anschluss mit zwei extraharmonischen und überschmalzigen Powerballaden beim Radiopublikum entschuldigen zu müssen. In wabernden Gitarrenakkorden und Melodiebombast versumpft somit mal wieder jede Kernigkeit, die man sich mit „Push Comes To Shove“ zurückzuerobern versucht. Sogar mit neumetallischen Raps traut man sich jetzt zu experimentieren und obwohl auch dieser Song nicht wirklich vom Hocker reißt, so kann er doch zumindest den Hörer vor der gefährlichsten Nebenwirkung der 12-Schritt-Therapie bewahren: akute Langeweile infolge von Unterforderung und Überzuckerung.

Das liest sich natürlich alles schlimmer als es ist, denn Adrenaline 101 schreiben wie gesagt durchaus gelungene, melodische Hard-Rock-Nummern, die sicherlich ihre Anhängerschaft finden werden. Nur schaut die Band dabei eher selten über den Tellerrand hinaus und vergräbt sich somit etwas in Traditionen und Konventionen. Ob sie sich damit im Business lang- oder auch nur kurzfristig etablieren kann bleibt abzuwarten, zumal eine leicht quäkige Sängerstimme noch nicht unbedingt ein unverwechselbares Merkmal darstellt (es sei denn man heißt Billy Corgan). Zum Autofahren und nebenbei Hören ist „Twelve Step Program“ sicherlich eine gute Platte, der Durchbruch auf dem Arzneimittel- oder Musikmarkt ist sie hingegen definitiv nicht.

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