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Adolar: Die Kälte der neuen Biederkeit

Schwere Kost auf dem Plattenteller
Wertung: 6,5/10
Genre: Post-Punk/ Indie-Pop
Spielzeit: 51:41
Release: 06.09.2013
Label: Zeitstrafe Records

Abschreckend – so kann man das Cover zu „Die Kälte der neuen Biederkeit“, der neuen Platte der Leipziger Adolar am treffendsten mit einem Wort beschreiben. Das Foto wäre ja noch erträglich, aber die komischen Lichteffekte sind so billig, dass sie nicht wieder gut sind, sondern dreimal amateurhaft wirken. Vielleicht soll das ja schon die neue Biederkeit symbolisieren.

Hat man sich überwunden und das Teil trotzdem in den Medienschacht gesteckt, dann erreichen einen Adolar mit ungewöhnlich poppigen Tönen. Die ersten beiden Nummern (vor allem der Opener „Rauchen“) klingen schwer radiotauglich. Der Unterschied zwischen den beiden Liedern ist in erster Linie in der Stimmung zu suchen. Während das einleitende Stück eher depressiv und negativ ist. kommt das folgende Lied eher positiv und lebensbejahend rüber. Die Texte sind schwer zu deuten, im Vergleich zu früheren Werken von Adolar sind sie aber schon fast eingängig.

Das dritte Album der Band sollte offensichtlich sogar eine Distanzierung zum eigenen Backkatalog darstellen. So wirklich krass ist der Abstand aber nur während der ersten Stücke. Nach und nach wird die Scheibe wieder rockiger und punkiger. „Halleluja“ ist beispielsweise eine typische Indie-Rock-Nummer mit zugegebenermaßen verspultem Text.

Vor allem diese Texte machen das Album sperrig und schwerfällig. Natürlich versucht der Hörer den Hintergrund der Zeilen, die ja auch noch auf Deutsch angefertigt sind, der Komposition zu erfassen. Das ist eine schwierige Aufgabe, die mit Sicherheit nicht alle Zuhörer bis zum Ende ausführen werden. Gut, auch so kann man ausdrücken, dass man sich partout nicht auch nur irgendwo einordnen will. Ob das Sinn macht, ist eine andere Frage.

Musikalisch ist das Album über viele Strecken fast schon primitiv ausgelegt. „Inspektor Brötchen“ ist hier ein schönes Beispiel. Diesem Umstand ist zu verdanken, dass der Zuhörer nicht ständig den Faden verliert. Zum Schluss trumpfen Adolar aber noch mal richtig auf. „Kanüle“ ist ein genau fünfminütiges Epos voller Gefühl und Emotionen. Mit choralen Frauenstimmen und viel Hall erzeugt der Song eine fast schon surreale Stimmung, die sich wie Nebel im Kopf des Hörers ausbreitet. Ein Highlight auf der Scheibe.

Die Frage, wem dieses Album gefallen könnte, ist nicht so einfach zu beantworten. Alle, die auf ungewöhnliche Musik und ausgefallene Kompositionen stehen, sind hier schon mal richtig, Freunde punkiger Popmusik ebenfalls. Wer sich die Scheibe reinzieht, der sollte der Musik ein bisschen Zeit geben, um sich zu entfalten, dann kann man bei „Die Kälte der neuen Biederkeit“ einige interessante Kleinode entdecken.

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