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Adam: Adam

Handfestes Clubfutter mit entsprechendem Wiedererkennungswert
Wertung: 7.5/10
Genre: EBM
Spielzeit: 55:11
Release: 23.02.2007
Label: Fear Section

Derber, aggressiver und endzeitlicher Elektrosound ist nahezu immer eine sichere Bank in den dunklen Tanzpalästen dieser Welt. Insbesondere in südlichen Ländereien wie beispielsweise Mexiko begeistern Kult-Acts wie Hocico und Amduscia schon lange über die Landesgrenzen hinweg ihre treuen Anhängerschaften.

Doch warum lange suchen, wenn das Gute liegt so nah? Diese alte Binsenweisheit musste sich in diesem Falle auch Mastermind Chris Pohl (Blutengel, Terminal Choice) zu Eigen gemacht haben, als er die Jungs von Adam bei seinem Label “Fear Section“ unter Vertrag nahm.

Der offizielle Gründungszeitpunkt der aus dem sonnigen Italien stammenden EBM-Combo lässt sich hierbei exakt auf den 01.12.04 datieren. Zuständig für die konzeptionelle Gesamtgestaltung (also inkl. Texte und Gesang) ist Frontmann Jezz. Unterstützt wird dieser von seinen Mannen Lucyan (Synthesizer), Buddah (Sound Engineer), vDiva (Keyboard, Sampels, Gesang) und Fog (Sampels).

Auf was kann man sich beim selbstbetitelten Debütalbum von Adam einstellen? Sicherlich nicht auf eine Revolution in der harschen und druckvollen Elektroszene. So viel sei an dieser Stelle bereits verraten. Ebenso ist - bezüglich der musikalischen Wurzeln - eine unbestreitbare Nähe zu den eben erwähnten Cousins Rasco Agrogan und Erk Aicrag von Hocico deutlich hervorzuheben.

Echauffieren müssen sich Jezz und Co. dafür aber nicht. Schliesslich gibt es weitaus „schlechtere“ Szene-Acts, die insbesondere mit ihren aktuellen Releases wieder mal deutlich beweisen mussten, dass sie ihr kreatives Gespür für innovative Sounds und stimmige Szenarien schon längst eingebüsst haben (die entsprechenden Beispiele verkneife ich mir an dieser Stelle aber jetzt einfach mal).

Adam setzen - wie auch Hocico - auf einen spannungsgeladen Spagat zwischen klassisch-dunklen EBM Strickmustern, melodiösen Trance- und Technorhythmen, sowie aggressiven und rauchigen Shoutervocals aus der Kehle von Jezz. Um ehrlich zu sein haben sich Adam bei der praktischen Umsetzung ihrer „Vorbilder“ deutlich Mühe gegeben. Und genau dies merkt man insbesondere der ersten Hälfte auf “Adam“ an: Songs wie “Voodoo Nation“, “Dead Walking Machine“ und “Don´t erase my Name“ bestechen durch fette Beats und rotzige Gesangslinien mit Knalleffekt. Die unheilschwangere Atmosphäre besitzt etwas Neo-apokalyptisches, dass einen schnell in seinen bedrohlichen Bann zieht.

Insgesamt betrachtet ist “Adam“ sehr auf Club-taugliche Szenarien ausgerichtet, die auch nahezu komplett ausgespielt werden. Beispielsweise sind “Between Life and Hell“ und “We always hurt the ones we love“ grossartige Vertreter jener Gattung geworden, die einen sowohl verzückt auf die Tanzfläche locken, als aber auch mit ihrer bedrohlichen Grundstimmung zum stillen (in sich gekehrten) Lauschen auffordern.

Dass Adam es aber auch ruhig angehen lassen können, beweisen sie uns indes mit den beiden Stücken “Send me an Angel“ und “Falling down again“. Letztgenannter bildet nicht nur den Abschluss auf diesem überzeugenden Debüt, sondern ist zugleich auch der einzige Song mit durchgehender Pianountermalung auf diesem Silberling. Eine aussergewöhnlich gute und stilvolle Ballade mit sehr gefühlvollen und sauberen Gesangslinien.

Etwas flotter fällt hingegen die eindrucksvolle Coverversion des alten 80er Jahre Wave-Klassikers “Send me an Angel“ von Real Life aus: Jene Komposition besticht vor allem durch ihre ausgefeilten Arrangements aus klangvoller Härte und melodischem Hymnencharakter. Ich bin wirklich schlichtweg begeistert von dieser zeitgenössischen Umsetzung im EBM-Gewand, die sich auch absolut problemlos mit dem dargebotenen Albumkonzept arrangiert. Gratulation!

Was mich allerdings etwas stutzig gemacht hat, ist die Tatsache, dass sich laut entsprechenden Informationen auch die Damen und Herren von Blutengel auf “Send me an Angel“ ein Stelldichein geben sollten. Allerdings kann ich dies auch nach mehrmaligen Hören des Titels nicht bestätigen. Vielleicht liegt dies aber auch einzig und allein an meiner vorliegenden Presse-CD? Soll heissen, dass sich die entsprechende „Adam meets Blutengel“ - Kooperation erst auf der verkaufsfertigen Albumversion befindet. Na ja, mal abwarten... Zumindest ist “Send me an Angel“ auch schon in der vorliegenden Fassung ein potenzielles Highlight auf “Adam“.

Allerdings gibt es mit “Nothing“ und "God´s beautiful mistake“ leider auch zwei sprichwörtliche Durchhänger zu vermelden... Hier kommt das bisher standfeste EBM-Grundgerüst dann doch recht deutlich ins Wanken, was insbesondere an den belanglosen und peinlichen Klangstrukturen liegt, die sich mehr nach herzloser „Massenabfertigung für Love Parade - Geschädigte“ anhört. Schade drum.

Trotz dieser kleinen Schönheitsfehler überwiegt der positive Eindruck auf “Adam“ dennoch deutlich. Man merkt einfach, dass die Jungs mit viel Enthusiasmus, Spass und Verstand bei der Arbeit waren. Die Produktion klingt durchweg frisch und dynamisch (lediglich der Sound hätte etwas lauter abgemischt werden können, was aber natürlich auch hier wieder auf meine Promo-CD zurückzuführen sein könnte).

Mein Fazit: Adam servieren uns auf ihrem Erstlingswerk handfestes Clubfutter mit entsprechendem Wiedererkennungswert. Die Italiener dürfen wirklich stolz auf sich sein. Bleibt also nur abzuwarten, wie sich das musikalische Schaffen des Quintetts in Zukunft entwickeln wird? Letztendlich dürfte diese aber durchaus positiv betrachtet werden.

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