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AC/DC: Rock Or Bust

Immer noch solide
Wertung: 7/10
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 34:56
Release: 28.11.2014
Label: Columbia Records (Sony Music)

So richtig hatten viele es nicht mehr geglaubt – und doch haben sich AC/DC noch einmal zusammengerauft, um eine neue Platte aufzunehmen. Dass die Veröffentlichung in eine Zeit fällt, in der es bei den inzwischen eigentlich doch schon relativ betagten Australiern ziemlich turbulent zugeht, kann man dabei in PR-technischer Hinsicht als glücklich bezeichnen, auch wenn sich dies angesichts von Malcolm Youngs Demenzerkrankung recht zynisch anhören mag. So oder so ist die Geschichte (oder sollte man sagen: Farce?) um Phil Rudd und seine angeblich erteilten Auftragsmorde natürlich ein gefundenes Fressen für die Medien und für die legendären Hard Rocker die Gelegenheit, noch einmal ordentlich in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

Andererseits hat eine dermaßen erfolgreiche Band so etwas eigentlich gar nicht nötig, denn wenn sie ein neues Album herausbringt (noch dazu, wo die letzte Scheibe bereits sechs Jahre zurückliegt), kann sie sich der Aufmerksamkeit der gesamten hart rockenden Welt ohnehin sicher sein. Eine Frage, die sich viele Fans sicherlich stellten, war wohl vor allem, wie sich Stevie Young, Neffe der bei AC/DC tonangebenden Brüder Angus und Malcolm Young, an der Rhythmusgitarre machen würde. Denn obwohl Angus und Malcolm wie immer zusammen fürs Songwriting verantwortlich waren, war Malcolm aufgrund seiner schlimmen Krankheit (an dieser Stelle noch einmal gute Besserung!) nicht mehr in der Lage, seine Parts selbst einzuspielen.

Dazu sei gesagt, dass Stevie (der witzigerweise gerade mal ein Jahr jünger ist als sein Onkel Angus) seine Sache offensichtlich sehr gut macht; die Gitarren drücken in rotziger und dreckiger Manier, wie es sich bei dieser Gruppe gehört, und überhaupt ist die Produktion schon mal wirklich exzellent geraten, mindestens so differenziert und transparent wie beim Vorgänger, aber dennoch stets organisch und schmutzig genug, wie es bei Blues-beeinflusstem Hard Rock sein muss.
 
Die ersten beiden Stücke „Rock Or Bust“ und „Play Ball“ waren bereits länger bekannt, weil sie auch als Singles ausgekoppelt wurden, und hinterließen einen positiven Eindruck: Hier lässt sich sofort wunderbar abrocken und der Refrain mitgrölen – mehr will der gemeine AC/DC-Supporter ja an sich auch gar nicht. Erfreulicherweise zeigt sich Brian Johnson – wenn man bedenkt, was für einen kräftezehrenden Gesangsstil der Mann pflegt – dabei immer noch recht gut bei Stimme, während die Basis mit Cliff Williams am Bass und Phil Rudd am Schlagzeug wie immer einen souveränen Rhythmusteppich hinlegt.

Auch ansonsten zeigt das Quintett wenigstens größtenteils, dass es in den über 40 Jahren seiner Karriere nicht verlernt hat, wie man eingängige Mitsing-Nummern komponiert, bei denen man sofort den Drang verspürt, sich zu bewegen. Mit dem mit unglaublichem Drive versehenen „Baptism By Fire“ hat man einen erfrischenden, etwas flotteren Song im Gepäck (gerade die etwas schnelleren Stücke hatte man bei „Black Ice“ doch vermisst), der umgehend in die Glieder fährt – überraschend geil!

Natürlich stehen auf der anderen Seite auch wieder schön bluesig groovende Tracks à la „Get Some Rock & Roll Thunder“ oder „Hard Times“. „Rock The Blues Away“ macht ebenfalls tierisch Spaß – den mitreißenden Chorus darf man nahezu als melodisch bezeichnen. Auch das finale „Emission Control“ überzeugt letztlich vor allem durch sein eher außergewöhnliches Mainriff. Dies ist aber wohl das Einzige, was man an diesem Album mit sehr viel gutem Willen als „außergewöhnlich“ bezeichnen könnte, denn natürlich gibt es wie erwartet keine großartigen Experimente. Die Tatsache beispielsweise, dass Angus auf der letzten Scheibe „Black Ice“ das erste Mal in der Karriere AC/DCs darauf gekommen ist, eine Slide-Gitarre zu verwenden, spricht Bände.

Wie angedeutet, ist auch klar, dass die Leute gar keine großartigen Abweichungen vom typischen Bandsound wollen, trotzdem wäre es nicht völlig verkehrt gewesen, wenn man wenigstens so eine klitzekleine Überraschung wie eben seinerzeit die Slide-Gitarre am Start gehabt hätte. Da dies nicht der Fall ist, geht es schlussendlich nur um die Frage, wie stark das Songmaterial geworden ist, und hier kann man glücklicherweise konstatieren, dass die positive Seite überwiegt.

Dennoch hat sich trotz lediglich 35 Minuten Spielzeit mit äußerst verzichtbaren Standardrockern wie „Miss Adventure“ oder „Rock The House“ auch Füllmaterial eingeschlichen. Beim mit 15 Songs ausgestatteten „Black Ice“ war das nicht so verwunderlich – bei einer so kurzen Spielzeit wie bei der vorliegender Scheibe darf das aber eigentlich nicht passieren. Insgesamt kann man „Rock Or Bust“ jedoch als solides Album bezeichnen, das vom Material her vielleicht nicht ganz an die unmittelbaren Vorgänger „Black Ice“ und „Stiff Upper Lip“ heranreicht, dafür aber immerhin mit einer ebenbürtigen, wenn nicht gar besseren Produktion glänzt.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann