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Accept: Blood Of The Nations

Back to the Roots oder Kommerz? Whisky oder Milch? Krawatte oder Metalshirt? ...
Wertung: 8.5/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 67:58
Release: 20.08.2010
Label: Nuclear Blast

Fragen über Fragen stellen sich bezüglich der erneuten Reunion von Deutschlands ehemals größtem Aushängeschild nach den Scorpions. Wer die Band beim viel umjubelten Rock Hard Festival-Auftritt [wir berichteten) erlebt hat, dürfte schon erahnen, in welche Richtung das neue Album geht.  Hinzu kam ein Auftritt vor 80.000 Zuschauern in Hannover im Vorprogramm von AC/DC. Ich sag nur: Accept sind wohl immer noch die einzige Band, die erfolgreich einen unveröffentlichten  AC/DC-Song gecovert haben („I`m A Rebel“ vom gleichnamigen Album).

Ich muss zugeben, dass ich damals zu „Restless And Wild“ und „Balls to The Wall“-Zeiten ein großer Fan war. Dies begann schon mit dem Nachfolgealbum „Metal Heart“ ein wenig zu bröckeln und sollte sich dann mit „Russian Roulette“ dem Ende nähern, denn nach dem ersten Split war meiner Meinung nach die Luft raus. David Reece konnte nie meine Erwartungen auch nur annähernd erfüllen und Udo Dierkschneider lief irgendwie immer nur noch dem Erfolg / Geld hinterher. War sein Soloprojekt U.D.O. gerade erfolgreich, wollte er nichts von Accept wissen und ebenso anders herum. Dann gab es den unsäglichen Reunion-Festivalauftritt 2005 in Wacken, der zwar auch unter technischen Problemen litt, aber nun ja… lassen wir das und widmen uns dem neuen Album.

„Beat The Bastards“ zeigt gleich, dass es wieder kräftig und vor allem zügig zugeht bei Accept. Die flotte Uptempo-Nummer ist ein perfekter Einsteiger. Irgendwie schweben wieder deutlichere New Wave Of British Heavy Metal-Nuancen in der sehr starken Gitarrenarbeit mit. Mark Tornillo ist der neue Mann am Mikro. Und er meistert seinen Einstieg perfekt. Rau wie es zu Accept passt, aber dennoch mit genug Energie in den Lungen. Jawohl, so kann man sich gut vorstellen, dass er auch die alten Klassiker gekonnt intoniert!

„Teutonic Terror“ ist dann die erhoffte, alles nieder stampfende Hymne, die es schon seit über zwanzig Jahren nicht mehr von der Band gab. Exzellente Bassarbeit von Peter Baltes, dazu die tiefen Accept-Männerchöre, die allerdings auch gerne ein wenig dominanter, wie in „Balls To The Wall“ Zeiten, hätten abgemischt werden können. Wolf Hoffmann und Herman Frank zocken wie vor 25 Jahren. Ganz ehrlich, das hätte ich der Band nicht zugetraut, hoffentlich können sie das Niveau halten. Der Schädel schleudert vor und zurück, das breite fette Grinsen zeigt sich von Mundwinkeln, die an den beiden Ohrläppchen enden. 

„The Abyss“ lässt erahnen, dass das Liveset der Band sich weiter mit neuem Material füllen wird. Etwas zurückhaltend im Beginn, baut der Song eine gute Spannung auf. Irgendwie schwingt da ein ganz kleines bisschen Savatage-Feeling mit, ich kann es nicht genau definieren, woran es liegt, aber stellenweise gesellt sich da so ein Unterton zu den typischen Accept-Klängen. Starke Nummer, die im Mittelteil allerdings doch ein wenig jäh ausgebremst wird. So einen Song hätte Udo nicht mal annähernd so gut singen können. Mark ist einfach vielseitiger mit seiner Stimme.

„Blood Of The Nations“ muss dann in alter Accept-Tradition ein Highlight des Albums sein. Das gelingt sehr nur zum Teil, denn der Auftaktdoppelschlag war da einfach zu gut. Wechselnd zwischen Midtempo und höherem Gang gerät man etwas in die Gefahr, ins Mittelmaß abzudriften, was aber durch den hymnischen Refrain verhindert wird, dazu dann ein wirklich tolles Gitarrensolo und man bleibt gerade noch hochklassig. Und wenn man ehrlich ist, wäre es auf einem der letzten vier Alben sicherlich als Highlight durchgegangen.

„Shades Of Death“ ist mit seinen über siebeneinhalb Minuten der mit Abstand längste Song des Albums. Starkes Riffing mit einer eher düster bedrohlichen Grundstimmung. Behäbig daher stampfend kriecht der Song vor sich hin. Mark singt etwas weniger rau und irgendwie will der Funke nicht ganz überspringen. 

„Locked And Loaded“ ist da ein ganz anderes Kaliber. Eine Uptempo-Nummer vor dem Herrn. Straight ohne jegliche Schnörkel donnert der Song ohne Erbarmen durch die Ohren. Wäre ein genialer Abschluss für ein Konzert, bevor die Band dann für die Zugaben zurück kommt. Der Song pusht das Publikum mit einem gehörigen Tritt in den Allerwertesten.

„Kill The Pain“ beginnt ein wenig verträumt, um sich dann aber als waschechte Powerballade zu beweisen. Tolle Gitarren, hervorragendes Drumming von Stefan Schwarzmann und ein Mark Tornillo, der weitere Facetten seiner Stimme präsentieren darf. Obwohl man, dem Himmel sei Dank, auf Schmalz verzichtet, trotzdem ein rührseliges Stück. Accept ist nun wirklich keine Balladenband, aber diese Kreation ist schon ein echtes Highlight.

„Rollin’ Thunder“ legt dann wieder an Tempo zu. Irgendwie hätte das auch ein alter Saxon-Song sein können, der nun von Accept metallisch aufgearbeitet wurde. Coole Nummer mit einigem Flair, wenngleich sicherlich kein Highlight des Albums.

„Pandemic“ steht dann wieder mehr in der NWOBHM-Tradition. Hört euch mal genau den Gesang von Mark an, das klingt schon verdammt nach Judas Priest zu „British Steel“-Zeiten. Natürlich nicht, was die Tonlage von Rob Halford angeht. Jau, der Song hätte auch auf dem Kultalbum stehen können. Da das „britische Stahl“-Album zu meinem absoluten Faves gehört, kann ich hier auch nicht umhin, kräftig mit abzubangen. Toller Song, der aber bei der breiten Masse wohl nur bedingt gefallen finden wird, denke ich.

„New World Comin’“ ist dann wieder eine typische Bandhymne. Schwerfällig, stampfend, melodiös und trotzdem hart gezockt, entwickelt sich der Song erst nach einigen Durchläufen. Eine geeignete Nummer, um beim schweißtreibenden Konzert mal ein wenig regenerieren zu können, insgesamt aber irgendwie absolut nicht im obersten Bereich des Albums anzusehen.

„No Shelter“ wirkt wie ein gezähmter Track, der immer wieder mal versucht, auszubrechen und richtig loszulegen, ohne es aber letztendlich zu schaffen. Die musikalische Explosion wird nie wirklich erreicht. So bleibt der Hörer ein wenig enttäuscht zurück.

Mit Traditionen sollte man nicht brechen, unter diesem Motto könnte auch der letzte Track des Albums „Bucketful Of Hate“ stehen. Der Track vereinigt wieder vieles, was die Band ausmacht. Das ist Metal, der Spaß macht, und zwar nicht nur dem Hörer, sondern auch der Band, denn die Spielfreude klingt hier aus jeder einzelnen Note. Auch wenn ich „Locked And Loaded“ als besseren und kraftvolleren Abschluss gesehen hätte, kann auch dieser Track überzeugen. Auf „Metal Heart“ wäre es ein weiteres richtiges Highlight gewesen. Hier gehört es nur zu den deutlich besseren Songs. 

Fazit: Ein erstmalig großes Comeback der Band. Mark Tornillo feiert einen bravourösen Einstand, die Band hat einen guten Schritt hin zu den eigenen Roots gemacht. Ein Großteil der Songs dürfte, nein, sollte Einzug in die Setlist halten, trotz aller Klassiker, die die Band unbestreitbar vorzuweisen hat. Erwartet hätte ich ein so traditionelles und dennoch frisch klingendes Album eigentlich nicht. Daumen hoch für den „Newcomer“ des Jahres.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“