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Abysmal Grief: Strange Rites Of Evil

Hypnotisierend und gleichzeitig pulsierend
Wertung: 9/10
Genre: Doom Death
Spielzeit: 47:18
Release: 02.11.2015
Label: Horror Records

Aaah, schon wieder neues Material aus dem Hause Abysmal Grief, die so aktiven Doom Deather aus dem italienischen Genua, der Hafenstadt am Ligurischen Meer. Die letzte Langrille „Feretri“ erschien 2013, im April 2015 legten sie mit der Split-12“ mit Runes Order auf der Flipside nach und jetzt ist die mittlerweile vierte Full-Length am Start und die ist, wie erwartet, keine leichte Kost und steckt per se mitten in einem Hort an Widersprüchen.

Der erste Widerspruch ist schon in der Wahl der musikalischen Stilmittel zu finden, denn weder Doom noch Death sind die passenden Genres, um den Sound der Italiener zu beschreiben, und trotzdem stimmen die beiden Schubladen dann doch wieder. Zumindest eine deutliche Spur Gothic, gar ein wenig Wave, was den Gesang betrifft, ist ebenfalls zu finden. Wesentlich und prägend für den Abysmal Grief-Sound ist neben den Gitarren das Keyboard, welches aber nicht eklig kleisterhaft alle Vorurteile bedient, sondern eher, wie auch bei Live-Messen, sehr sakral aus den Boxen dröhnt und so sicherlich für jeden Messdiener im katholischen Irrglauben ein Dorn im Auge ist.

Besonders imponierend aber ist, dass das Quartett einen Soundtrack entwirft, auf den Klaus Kinski damals mit Sicherheit abgefahren wäre, als wäre man gerade Zeuge in den Teufelskathedralen.  Frontmann Labes C. Necrothytus gehört eher zu den Geschichtenerzählern, der sehr variabel dort eher gurrt und krächzt, beim nächsten Mal derbe growlt oder aber lieber in dramatischer Art und Weise spricht – eben so, wie es der Storyverlauf benötigt. Und es ist schon ganz große Kunst, immer wieder mit monotonen Riffs in endlosen Wiederholungen trotzdem eine Stimmung aufzubauen, die nicht vor Langeweile in sich zusammenfällt.

Beim Titeltrack beispielsweise unterstreichen Abysmal Grief ihre Vorliebe für krude Intros, denn  man könnte glatt meinen, hier singen die Nachbarn in gedämpftem Ton ein Weihnachtsliedlein, nur um dann wieder von den monoton hypnotisierenden Gitarren abgewatscht zu werden. Die Keyboards sorgen einmal mehr für ein sakral dämonisierendes Klangbild und Labes C. Necrothytus schafft es, mit derben oder auch klaren, immer aber intensiven Vocals des Unterwelt-Feeling zu verstärken. Genau diese Vorgehensweise ist auch beim Opener „Nomen Omen“ zu finden: Tatort letzte Reihe in der Kirche, die Lyrics senden wenig positive Botschaften, die Gitarren erschaffen in aller Monotoie zusammen mit den atmosphärisch bedrohlichen Tastensounds das Schicksal auf dem Weg ins Verderben und man könnte meinen, Satan höchstselbst stehe gleich neben einem oder schicke zumindest einen seiner fiesen Abgesandten wie Graf Dracula. Frontmann Labes C. Necrothytus kreiert dabei mit diabolischer Urkraft, teilweise beschwörend, dann wieder abstoßend, in mehr als zehn Minuten ein Spiegelbild der verderbten Seele.

Ganz gleich, ob man sich die „Kurznummer“ „Cemetery“ herauspickt – hier noch mit den wenigsten Growls auf der Platte – oder lieber das eine Minute länger elektrisierende „Radix Malorum“ favorisiert, immer wieder sind es die simplen, in Trance versetzenden Klampfen in Kombination mit den Keyboards, die eine bedrohliche Attitüde erschaffen, wie es King Diamond nicht geschafft hat. Dankbar darf man dann auch für das Bedemon-Cover „Child Of Darkness“ in den Staub fallen, denn das ist Doom in Reinkultur – unangepasst und voller schwarzer Magie. Und wem das alles nicht reicht, der braucht sich nur in das mehr als 13 Minuten lange „Dressed In Black Cloaks“ fallen lassen, wo nochmals alle Trademarks auf teuflische Weise voll ausgekostet werden: Simple Riffs, bedrohliche Keyboards, dramatischer Gesang.

Versprochen, je mehr man sich „Strange Rites Of Evil“ anhört, desto mehr wird man der Platte verfallen – so oder so, Abysmal Grief gehören auch mit dieser Full Length zur absoluten Speerspitze des italienischen Metals mit all seinen Untergliederungen. So muss Doom Death klingen – bedrohlich, unangepasst, hypnotisierend und gleichzeitig pulsierend. Im April kommen sie auf Tour, dabei sein ist auch dort Pflicht.

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