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Abingdon Boys School: Abingdon Road

Premium-Asphalt made in Japan
Wertung: 9/10
Genre: J-Rock/Pop, Alternative Rock
Spielzeit: 59:55
Release: 27.01.2010
Label: Gan-Shin/Epic Records Japan

Mit ihrem neuen Longplayer "Abingdon Road" sorgen die vier Jungs von Abingdon Boys School für ein glänzendes Feuerwerk an Japans Musikhimmel. Die Band gilt in ihrer Heimat schon seit ihrer Gründung als "next big thing", nicht zuletzt, da der Fronter Takanori Nishikawa bereits mit seinem Projekt T.M.Revolution für regelrechte Revolutionen in der japanischen Musikszene verantwortlich war und derorts als Topstar gefeiert wird.

Seit ihrem selbstbetitelten Debüt aus dem Jahre 2007 sind schon drei Jahre vergangen, allerdings nicht früchtelos: in der Zwischenzeit sind in japanisch-typischen Verhältnissen fünf Singles erschienen und zuletzt noch eine Single-Compilation, die die meisten wichtigen und bisher veröffentlichten A- und B-Sides enthält.

Neben den bereits bekannten fünf Singles befinden sich auf dem neuen Full-Length-Album sechs neue Kompositionen und eine Cover-Version, welche diesmal von der Band Luna Sea, einer weiteren Größe der modernen japanischen Musikgeschichte, stammt.

Von musikalischen Irrwegen und großen Kursänderungen bleibt der Fan verschont, jedoch finden sich durchaus neue Innovationen und Aspekte wieder, die die Musik von Abingdon Boys School einem noch größeren Publikum schmackhaft machen können. So befinden sich auf dem Debüt-Nachfolger zum Teil nämlich weitaus poppigere Stücke, wie der starke Opener "Strength." welcher mit einer leicht melancholischen Klaviernote getragen wird; auch finden balladeske Lieder hier mit zwei Vertretern mehr Raum.

"Strength." ist zweifelsohne eines der stärksten Lieder der Bandgeschichte und bietet dem Zuhörer eine wahrlich meisterhafte Komposition aus einem traurigen Klavierthema, stark arrangierten Gitarrenparts, theatralischem Gesang und wundervoll untermalenden Keyboards. Umso kontrastreicher wirkt der nächste Song "Pineapple Army", der durch Synthies und schnelle Trommelwirbeln eingeleitet wird und sich mit fantastischer Dynamik durch ausgeklügeltes Songwriting und Ideenvielfalt treibt: andere Tonart im Refrain, progressive Breaks mit virtuosem Solo-Einsatz, dann sind Akustik-Gitarren zu hören und zuletzt bildet eine Variante des Synthie-Intros wieder den Schluss - grandios.

Nach diesem Highlight kann die Spannung aber leider nicht gehalten werden, denn der nachfolgende Track kann keineswegs mit dem starken Beginn des Albums mithalten. Die Ballade "And I Love..." lässt einen schon zu Anfang des Albums sechs Minuten lang warten, denn obwohl dieses Lied keinesfalls schlecht komponiert ist, ist es im Vergleich zu den anderen Liedern (deren Länge im Durchschnitt bei vier Minuten liegt) sehr langatmig und langsam gehalten. Mit "JAP" legen Takanori und seine Schulkollegen jedoch anschließend wieder einen krachenden Partysong mit englischen Text-Schnipseln zum Mitsingen vor, der nach einem erneut auf hohem Niveau gespielten Solopart in mehreren aufeinander folgenden Refrains endet.

Mit "Souen" wird wieder ein starker Kontrast hergestellt und ein von Stakkato-Riffs, Rap-Sequenzen und trauriger Stimmung geleitetes Werk präsentiert. Wie immer bei ABS finden sich mit "Shiosai", "Kimi no Uta" und "Blade Chord"  wieder perfekte Anime-Soundtracks, von denen erstere deutlich positive Färbungen haben, "Blade Chord" aber mit einem starken Solo durchaus Härte zeigt. "From Dusk Till Dawn -INCH UP-" ist ein eher schwächeres Lied, jedoch keineswegs schlecht. Balladesk finden sich zu Beginn akustische Gitarren von schöner Melodie begleitet, die ein wenig an "Stairway To Heaven" erinnern und später mit Violinen und melancholischem Gesang förmlich in den Himmel steigen.

Nun aber zur härteren Seite des Albums: "Siren" kommt heftig mit tiefen Power-Chords, tragenden Leadgitarren, geshouteten Backvocals und treibenden Doublebass-Attacken daher. Sehr speziell und wirksam ist hier die Schlagzeug-Arbeit: Tempo-Variationen verändern das Hörerlebnis, während die Gitarre bei einem Riff bleibt und stattdessen den Chorus durch doppeltes Tempo glänzen lässt. Nach der durchaus gelungenen Coverversion erwartet uns noch das bisher bei Weitem experimentellste Lied der Band. Eingeleitet durch obskure Klänge und Walgeräusche, untermalt von treibenden Bass-Läufen und Beats, folgt ein sehr elektronisch angehauchtes Stück. "Valkyrie -Lioleia Mix-" beeindruckt mit seltsam anmutenden Kampfgeräuschen und gelegentlichen Stimmverzerrungen, wobei dieses Mal die Gitarren leicht im Hintergrund stehen und eher Synthies und Bass dominieren. Der Refrain wirkt beinahe schon dance- und industrial-mäßig und lädt zum Tanzen ein. Den schönen Ausklang des starken Albums bildet ein schönes Piano- und Streich-Outro.

Auf der gesamten Platte befinden sich musikalisch hochwertige Kompositionen, die durch außerordentliche Dynamik und viel Eigenständigkeit niemals langweilig werden und teilweise echten Ohrwurmcharakter aufweisen können. Die vier Japaner beweisen ihr technisches Können und ihre Einzigartigkeit somit mehr als nur einmal, denn kaum eine Band kann auf solch beeindruckende Weise futuristische Elemente wie Synthesizer und Rap mit modernem Alternative Rock/Metal und Pop verbinden und somit einen unverkennbaren Eigenstil kreieren.

"Abingdon Road" bewegt sich auf dem gleichen hohen Niveau wie das Debüt, wenngleich auch ihre Musik deutlich an Reife und verspielter Erwachsenheit gewonnen hat. Das Album ist somit ein würdevoller und nahtloser Nachfolger an die früheren Releases, auch wenn die Balladen noch nicht voll überzeugen können.

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