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Abigail Williams: Becoming

Auch ohne Keyboard ihr Geld wert
Wertung: 7.5/10
Genre: Symphonic Black Metal
Spielzeit: 55:06
Release: 23.01.2012
Label: Candlelight Records

Abigail Williams sind mittlerweile bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund, traten sie doch bereits vor einigen Jahren mit einem eleganten Schritt in die Symphonic-Black-Metal-Szene, die zu der Zeit eigentlich nur durch die, seien wir ehrlich, eher durchschnittlichen Dimmu Borgir regiert wurde. Die Amis zeigten zu allererst, dass orchestraler Black Metal nicht aus den skandinavischen Ländern kommen muss, um gut zu sein, und landeten auch in der The-Pit.de-Redaktion mit ihren beiden Scheiben "In The Abscence Of Light" und "In The Shadow Of A 1000 Suns" glatt im oberen Durchschnitt. 

Mittlerweile sind die Amis wieder aus ihrem Loch gekrochen und läuten das neue Jahr mit einer neuen Scheibe ein: "Becoming" bietet sechs Songs auf ganzen 55 Minuten Spielzeit; man kann sich ungefähr das Spektakel ausmalen - monumentale Gitarren, dahingleitende Samples und die durchaus ansprechenden Vocals von Gitarrist Ken Soreceron; alles in allem gute Gründe, in die CD reinzuhören. Auch hier kann man sich ein bisschen an den Vocals stören, die die meiste Zeit irgendwo im Hintergrund herumgeistern und von den Gitarren und den Drums fast völlig verdeckt werden; ein gutes Beispiel dafür ist direkt der Opener "Ascension Sickness", mit über elf Minuten schon ein echter Wälzer (aber beileibe nicht der längste Titel auf "Becoming"), in dem zwar ein instrumentaler Höllenritt heraufbeschworen wird, man aber teilweise schon wirklich gut hinhören muss, um speziell die keifenden Vocals zu entdecken. 

Glücklicherweise kommt die ganze Platte wie schon ihr Vorgänger ohne Keyboards aus, trotzdem werden ab und an Glockenspiel-Samples oder kleine atmosphärische Spielereien und Gesänge eingebaut, ohne jedoch zu sehr in den Vordergrund zu geraten."Radiance" pendelt sich dann bei einem sehr angenehmen, schleppenden Tempo ein und markiert mit seinem hypnotischen Rhythmus direkt mal den ersten Anspieltipp. Dass die Jungs bei solche kurzen Tracks von gerade mal fünfeinhalb Minuten nicht glücklich werden, stellt direkt "Infinite Fields Of Mind" unter Beweis: Hier haben Abigail Williams bei knapp über zehn Minuten Spielzeit wieder alle Zeit der Welt, um sich auszutoben und starten den Track einfach mal ganz unkonventionell mit Meeresrauschen, das schon bald mit einer wunderschönen, fast sehnsüchtig anmutenden Gitarrenmelodie ergänzt wird. Dass der Track so ruhig nicht bleibt, ist klar - nach nicht mal drei Minuten hat die Band genug von der vorübergehenden Idylle und brezelt wieder schön düster nach vorne, untermalt von Kens martialischem Geschrei. Im Verlauf des Tracks wird immer wieder gekonnt im Tempo variiert, der drohende Unterton bleibt aber erhalten; feine Sache, obwohl bei solch langen Stücken ja immer die Gefahr besteht, sich zu wiederholen oder den Hörer einfach ins Koma zu langweilen.

Das abschließende "Beyond The Veil" bildet dann mit über 17 Minuten das Epos der Scheibe; im Intro könnte das Stück auch auf einem von Hans Zimmer komponierten Soundtrack erscheinen, eine Violine fiedelt sich 
sehnsuchtsvoll in die Gehörgänge und die folgenden Gitarren verbreiten eine nicht minder melancholische Stimmung. Bereits in den ersten fünf Minuten steigern sich die Geigen ins Unermessliche, entladen sich dann in einem Gitarren-Schredderanfall und öffnen Kens teuflichen Vocals (Höllen-)Tür und Tor. Immer, wenn man das Gefühl hat, der Song müsste vorbei sein, setzen Abigail Williams noch einen drauf - ein ausfadendes Instrumental ist somit nicht das Ende vom Lied, sondern bietet lediglich einen neuen Einstieg für die Black-Metal-Gitarren. 

Fazit: Abigail Williams geben sich auch ohne nervige Keyboards orchestraler als viele Tastendrücker und schaffen dabei doch den Spagat zwischen Atmosphäre und Geballer. Im Vergleich zum Vorgängeralbum scheinen die Vier noch eine Spur überlegter an die Sache herangegangen zu sein, trotzdem wirken die Songs auf "Becoming" nicht allzu kalkuliert. Wer auf Black Metal mit ein wenig Melodie steht, sollte sich hier definitiv mal reinhören.

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