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Abbath: Abbath

Gut gemacht, aber natürlich wenig originell
Wertung: 7/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 40:55
Release: 22.01.2016
Label: Season Of Mist

Es ist doch traurig, wenn man stets aufs Neue feststellt, dass es irgendwie in allen Bereichen des Lebens letztendlich immer nur ums Geld und das eigene Ego geht. Leider natürlich längst ebenfalls in der Metalszene, auch wenn wir gerne die rosarote Brille aufsetzen und das lieber ausblenden würden, sind wir doch stolz darauf, dass es „bei uns“ im Vergleich zum Mainstream oder anderen Musikrichtungen immer noch vornehmlich um musikalische Inhalte und Substanz geht. Doch es ist nun einmal, wie es ist; Ende 2014 krachte es aus oben genannten Gründen auch bei Immortal, als Frontmann Olve Eikemo, besser bekannt unter dem Pseudonym Abbath, wie aus heiterem Himmel die Namensrechte und das Logo der Band einzig für sich beanspruchte, was die anderen Bandmitglieder nicht wirklich prickelnd fanden.

Vorwürfe und Gegenvorwürfe in bester Schlammschlachtmanier waren die Folge, und aufgrund dessen, dass Abbath vor Gericht verlor, erklärte er Immortal für auf Eis gelegt und verkündete, nun unter seinem Namen weiterzumachen. Fast überflüssig zu erwähnen, dass Texter Demonaz, Bassist Apollyon und Schlagzeuger Horgh das ganz anders sahen, ihrerseits weiterhin unter dem Immortal-Banner ihr Unwesen treiben und 2016 ein neues Studioalbum herausbringen wollen.

Mit letzterem war ihr früherer Mitstreiter allerdings ein wenig schneller – bereits seit Ende Januar liegt das Debüt, ganz schlicht auf den Namen des Gründers und seiner jetzigen Band getauft, vor. Dass lediglich die typische Pandabären-Fratze des Protagonisten das schlichte Cover ziert, lässt darauf schließen, dass wir es hier mit einem reinen Soloprojekt zu tun haben, obwohl am Bass mit King ov Hell (u.a. Ex-Gorgoroth, Ex-Audrey Horne, I) eine bekannte Persönlichkeit des Schwarzwurzelmilieus mitmischt. Aber die inzestuösen Verhältnisse in der skandinavischen Szene sind ja bekannt und sorgen dafür, dass immer wieder alte Bekannte auftauchen.

Musikalisch verwundert es dann auch wenig, dass der Sänger und Multiinstrumentalist mit seiner neuen Combo ziemlich exakt den Weg seiner früheren Band beschreitet. Das eröffnende „To War!“ macht seinem Titel alle Ehre: Nach einem kurzen Intro, bei dem zunächst die Geräusche marschierender Soldaten zu hören sind und anschließend Gitarre und Schlagzeug den Song langsam anschwellen lassen, bricht über den Hörer ein Inferno aus Blastbeat-Salven herein, unterlegt von Abbaths charakteristischem, heiserem Krächzen. Das Immortal-Feeling ist durchaus greifbar, das klirrende Riffing beschwört automatisch Bilder von eisigen Schneelandschaften herauf. Außerdem wird Wert auf Breaks gelegt und nicht nur in Hochgeschwindigkeitsgefilden geholzt – auch ein Gitarrensolo ist gegen Ende zu hören.

„Winterbane“ wiederum ist der unumstößliche Beweis, dass es auch bei Abbath solo lyrisch anscheinend hauptsächlich um die kalte Jahreszeit geht, und auch in musikalischer Hinsicht ist das Stück – trotz der Länge von knapp sieben Minuten, was es zum längsten Track der Platte macht – recht simpel gehalten: Ein straighter Uffta-Beat bildet die Basis und dieser wird auch relativ gnadenlos über die gesamte Distanz der Komposition durchgeballert. Trotzdem nicht schlecht und live bestimmt ein guter Moment für Powerfäuste; abgesehen davon sorgt die Truppe mittels einer kleinen, effektiv platzierten Akustikpassage für einen willkommenen Farbtupfer.

Auch „Ocean Of Wounds“ ist ein auf den ersten Blick ziemlich primitiver Stampfer geworden, erst später offenbaren sich kleine Details insbesondere im Gitarrenbereich, die das Ganze nicht zu eintönig erscheinen lassen (Flanger-Effekt, Melodien im Hintergrund), des Weiteren wohnt dem Song ein erkennbar hymnischer Charakter inne.

Stampfend, hymnisch und sehr episch ist auch „Root Of The Mountain“ geworden, das verhältnismäßig langsam beginnt und endet, während in der Mitte in Form eines Breaks das Tempo leicht angezogen wird – klassischer Aufbau einer Midtempo-Nummer. Beim Rest der Platte – „Ashes Of The Damned“, das mit sporadischen, kurzen Bläserfanfaren, die allerdings eher seltsam anmuten, aufhorchen lässt, die Single „Count The Dead“, „Fenrir Hurts“ sowie das finale „Endless“ – regiert in erster Linie Halsbrecher-Tempo.

Auch wenn es auf „Abbath“ nicht ganz so episch wie bei Immortal zugeht, sondern eher etwas rotziger und einfacher, sind die handwerklichen Fähigkeiten der Herren natürlich zu gut, als dass man befürchten müsste, es würde ernsthaft langweilig werden – dafür sorgen die schon angesprochenen kleinen Details. Originalität muss man dennoch mit der Lupe suchen und es fehlen die wirklich großen, zündenden Hits – gut gemacht und exzellent produziert ist das Gebotene jedoch zweifellos.

Anmerkung: Auf der limitierten Auflage sind noch die Tracks „Riding On The Wind“ (Judas Priest-Cover) und „Nebular Ravens Winter“ (Immortal(!)-Cover) zu finden, diese lagen in der Promoversion allerdings nicht vor.

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