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Abandoned: Thrash You!

Wertung: 7.5/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 48:11
Release: 01.06.2007
Label: Dockyard1

Oldschool zu sein ist purer Stress... man wird von den Einen als uninnovativer und regressiver Dinosaurier bezeichnet und das alles nur, um sich am Ende von den Anderen vorwerfen lassen zu müssen, man sei doch letztlich gar nicht 100%ig Oldschool.

Wenn Slayer heutzutage versuchen würden, als junge Band mit ihrem altbewährten Riffing durchzustarten, würden sie keinen Blumentopf gewinnen, da sind sich die Einen und die Anderen einig.

Abandoned tun sich den Stress an, vielleicht weil ihnen die Ansichten der Einen und Anderen egal sind, vielleicht weil sie gar nicht anders können.

Was mir wohl gänzlich entgangen sein muss, ist, dass diese südhessische Band gar kein so unbeschriebenes Blatt ist, denn sie haben schon auf so ziemlich jedem angesagten Hartwurstfestival gespielt (u.a. Wacken, Rock Hard Festival, Bang Your Head, Earthshaker).

Nach ihrem Debütalbum "Thrash Notes" (schon wieder was mit Thrash im Namen; mein Gott, was sind das nur für Engstirne?) steht nun ihr Zweitling "Thrash You" in den Startlöchern und im Fokus meines aktuellen Reviews.

Wie gesagt, Abandoned kommen aus Darmstadt, Hessen, klingen aber eher nach Bay Area; deutlich nach den allseits bekannten 80er Heroen wie Testament oder Megadeth, vor allem aber auch nach den deutschen Rage; insbesondere Sänger Eric "Kalli" Kaldschmidts Stimme weist doch eine allzu frappierende Ähnlichkeit mit dem Organ von "Peavey" Wagner auf.

Mit "Incantation" öffnet die Platte bereits sehr verheißungsvoll mit einem sphärischen Volumenbalance-Effekt, bei dem der Hörer besser beide Beine fest am Boden bewahren sollte, um nicht die Orientierung zu verlieren; im Übergang klingt das Ganze dann etwas wie die ersten verzerrten Takte von 'tallicas "Battery" und geht nahtlos in den ersten Full-Lenght Song "Visions Of Death" über, der durchaus als Aushängeschild für alles Folgende geltend gemacht werden könnte, das schnell, melodisch, aber gleichzeitig auch schön heavy ausfällt.

Übertrieben virtuos gehen die vier Mannen dabei nicht zu Werke - das wäre ja auch der proklamierten Street- und Hartwurst-Attitüde gegenüber untreu - sondern durchgehend erdig und riffbetont.

Auch auf dem sozial- und religionskritischen "We Are In Hell" wird ordentlich auf das Gaspedal getreten, insbesondere der Unisono-Bridgepart nach dem Solo bleibt vorzüglich im Gehörnerv haften, der angepisst klingende, zweistimmige Gesang klingt bisweilen fast - natürlich Oldschool - hardcorig.

So geht das ganze Spiel dann auch munter weiter, erst ab "Sands Of Time" kommt wieder etwas Abwechslung ins Spiel, das unkonventionell mit einem mystischen, fast schwebenden Gitarrenriff öffnet, nur um dann innerhalb einer Minute fließend in den klassischen Thrash Metal umzuschlagen; und ja, hier sind auch einige "Hanneman-Soli" im Preis mit inbegriffen.

"Feel The Fire" liefert wieder Attitude-getriebenem 80er Jahre Uptempo Pathos, klasse zum Mitsingen und - bangen bei den durchgehenden Doublebassattacken und zweistimmigen Leadgitarrensätzen; für mich die zweitbeste Nostalgiehymmne wo geht, überholt nur noch von Megadeths "Back In The Days".

Ist schwierig, einem Unwissenden die Musik zu erklären und überflüssig, einem Wissenden mehr als den Gesamteindruck mitzuteilen, da so ziemlich jeder diese Art bauchlastiger Musik schonmal in irgendeiner Form gehört hat; kann man sich in etwa so verstellen, wie das übliche Samstagsabendprogramm in einer traditionsbewussten Metalbar, nicht viel mehr.

Hand aus Herz, wenn man "Thrash You" mit den Eminenzwerken des 80er Thrash in Relation setzten würde, wäre die Platte nicht einmal hinteres Mittelfeld und ganz sicher gibt es hier weder ein neues "Raining Blood" noch ein zweites "Peace Sells" und schon gar kein Werk vom Schlage "Master Of Puppets" zu finden.

Wenn man nun wieder von seinem hohen Ross heruntersteigt, kann man doch feststellen, dass das Gesamtkonzept durchaus stimmig ausfallen kann; besondere Innovationen sucht man dann natürlich vergebens, aber das ist ja eine notwendige Konsequenz aus dem Konzept der Band.

Fazit: Die Unkenrufe üben den ach so toten Oldschool stimmen also letztendlich nur bedingt, denn eine kleine Anzahl von Bands können das, was damals noch galt, auch heute noch glaubwürdig vertreten und umsetzen, Abandoned ist eine davon (die anderen sind Kreator oder Destruction, wäre nice, wenn da mal was zusammen ginge...).

Wer A sagt, muss nicht B sagen; er kann auch einfach bei A bleiben und damit glücklich werden, wissend, dass B der zweite Schritt wäre, davon der erste Falsche.

Letztendlich könnte sich Abandoned als durchaus brauchbare Band sowohl für die Einen als auch die Anderen erweisen: wird im Auge behalten.

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