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A Saving Whisper: Neverlandscapes

Alles andere als leise
Wertung: 8/10
Genre: Post-Hardcore, Experimental
Spielzeit: 42:57
Release: 08.07.2016
Label: Midsummer Records

A Saving Whisper aus der Nähe von Nürnberg gehören zu den Bands, die man augenscheinlich sehr schnell in eine Schublade stecken kann, gehört die Truppe doch zum Midsummer-Katalog, was schon mal zwei Dinge mit ziemlicher Sicherheit ausschließt: Gleichförmigkeit und Langeweile. Dafür gibt es bei der Truppe, die in der Vergangenheit bereits zwei EPs veröffentlich hat und nun mit ihrem Full-Length-Debüt „Neverlandscapes“ auftischt, eine sphärische Mischung aus experimentellem Rock und Post-Hardcore-Elementen zu hören, dazu passt irgendwie auch das beiliegende Promobild, auf dem die Fünf wie Kaninchen im Scheinwerferlicht in die Kamera starren  - leicht verstrahlt mutet auch der Sound an, der hier auf elf, teils recht lärmigen Tracks präsentiert wird.

Schon 2011 hatten die Arbeiten an „Neverlandscapes“ begonnen, letztes Jahr nistete man sich dann für einige Wochen in den renommierten Ghost City Studios ein (wo sich schon The August oder An Early Cascade austoben durfen), dem man Idole wie Underoath oder Being As An Ocean durchaus anmerkt. Fronter Hannes findet genug Spielraum, um seinem zornigen Geschrei freien Lauf zu lassen, während Gitarrist Markus mit Bury Tommoroweskem Klargesang den Gegenspieler gibt. Die warme Stimme des Gitarristen sorgt hier glücklicherweise dafür, dass man nicht in Gejammer verfällt.

Trotzdem ist es auf den ersten Blick schwer, sich Highlights herauszupicken. Klar, „Worshipyards“ mit seinen apokalyptischen Gitarren kommt sehr massiv daher, die mächtigen Shouts und breiten Soundwände tun ihr Übriges, aber auch dieser Song erhält seinen Wiedererkennungswert erst nach mehreren Durchläufen. Für Menschen, die sich sofortiges Andocken im Hirn erhoffen, ist „Neverlandscapes“ also schon mal nichts. Für Menschen, die auf einfach aufgebaute Songs stehen, übrigens auch nicht – dazu haben die Jungs viel zu viele deutlich progressive Elemente eingebaut, beispielsweise beim etwas sperrigen „Crisis“, da vor allem durch die geschickten Tempowechsel überzeugen kann.

Mit „Illusions In Decay“ haben A Saving Whisper ein zweiteiliges Konzept innerhalb des Albums geschaffen, bei dem der knapp zweiminütige erste Teil mit Akustikgitarre und verzweifeltem Gesang roh und unproduziert daherkommt, während sich das Leitmotiv im zweiten Teil – diesmal mit elektrischer Unterstützung – weiterverbreiten darf und wesentlich druckvoller und dynamischer ausgebreitet wird. Fast schon tanzbar zeigt sich der Song, so dass live sicherlich einiges an Bewegung herrschen dürfte.

Zum Abschluss scheinen sich A Saving Whisper ein bisschen ihrer Midlife-Crisis hinzugeben: „When I was young there were so many choices“, heißt es da wenig optimistisch bei „Witness“ – dabei sehen die Herren doch noch ganz frisch aus. Die Hoffnungslosigkeit scheint sich aber ohnehin wie ein roter Faden durch die Platte zu ziehen, von daher wundert einen dieser Schlussakt nicht wirklich.

„Neverlandscapes“ hat eine recht bedrückende Atmosphäre, die man erst mal aushalten muss, obwohl sie sich dem Hörer erst nach ein paar Durchläufen erschließt. Textlich und musikalisch haben die Bayern aber durchaus einiges zu bieten, da sollte man auch vor dem erst mal recht ausgelutschten Prädikat „Post-Hardcore“ keine Angst haben – A Saving Whisper sind keine dieser Kapellen, die sich aus Schubladen bedienen und alles nach Anleitung zusammensetzen. Und entgegen ihrem Namen sind die Jungs kein bisschen leise – ausrasten darf und kann man hier also auch wunderbar.

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