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A Hero A Fake: Let Oceans Lie

Wieder klar polarisierend
Wertung: 7/10
Genre: Progressive Hard- / Metalcore
Spielzeit: 60:00
Release: 19.01.2010
Label: Victory Records

Nachdem das Debüt-Album „Volatile“ der aus North Carolina stammenden Metalcore-Formation mit dem vielsagenden Namen A Hero A Fake heiß diskutiert wurde, ob es nun genial-progressiv oder solide bis chaotisch ist, folgt nun, etwas mehr als ein Jahr später, das Zweitlingswerk mit dem Titel „Let Oceans Lie“.

Leider muss man sagen, dass sich die Band nicht wirklich weiterentwickelt hat – zwar spielt sie ihre Stärken nach wie vor hervorragend aus, so sind die Riffs oftmals mit vielen technischen Feinheiten garniert, die nicht zu aufdringlich und gar protzend wirken, allerdings vermisst man dann doch die wirklich einprägsamen Riffs. Hier äußert sich wieder der etwas chaotische Faktor der Band, der die Riffs etwas wahllos aneinander gehängt erscheinen lässt, sodass kein schöner Fluss im Song entstehen kann, der ihn weiterträgt, direkt ins Ohr des Hörers hinein und ihn dort festhält. Gesangstechnisch sind die klar vorgetragenen Hooklines erneut ein Ohrenschmaus, da Sänger und Gitarrist Dan eine wirklich passende Stimme hat und die Töne gekonnt trifft. Die bei dem Debüt-Album oftmals beanstandeten Screams haben sich ein klein wenig verbessert, so sind sie zwar nicht mehr ganz so hoch und ein bisschen stärker verzerrt, allerdings klingen sie noch immer zu hohl, zu wenig voluminös und könnten auch oftmals in einer stärker klingenden, tieferen Stimmlage angebracht werden.

Anhand des Songs „Dear“ kann man gut die Vielfalt dieser Band festmachen – beginnt der Song doch so ruhig, wandelt er sich schnell in ein energetisches Monster, das mit Breakdown-lastigen Riffs aufwartet und durch verschiedenste Gitarrentechniken sowie technisches Drumming besticht, welches letztendlich sogar in Blasts mündet. Während der Bridge kann man erneut die bereits in Vergangenheit so umstrittenen gesprochenen Vocals vernehmen, allerdings vermisst man bei diesem Song eine klar gesungene Hookline. Klaren Gesang zur Genüge gibt es dafür jedoch bei dem nächsten Song, der Ballade „Image“, die sogar einige Keyboardklänge aufzuweisen hat und durch schöne Melodien zu überzeugen weiß. Etwas rätselhaft ist, dass auf dem ganzen Album immer wieder zeitweise nur eine einzige Gitarre zu vernehmen ist: Immerhin sind ganze drei Gitarristen in der Band, da hätte man schon etwas mehr an polyphonen Riffs erwarten können, denn mit dem Titeltrack „Let Oceans Lie“ zeigen die Amerikaner doch, dass sie dazu durchaus im Stande sind.

Viele Momente klangen auf dem Debüt etwas zu sperrig und waren daher eher umstritten bei Kritikern und Fans – Mut zum Experimentieren muss man der Band jedoch zugestehen, so kann man bei dem härteren Song „Eckhart“ sogar einige Ausflüge in südländische Klänge ausmachen. Weiterhin muss man der Band zugute halten, dass sie ihre Songstruktur etwas aufgelockert hat und nicht mehr nach dem vorher so berechenbaren Schema vorgeht: Die Refrains sind mal gesungen, mal geschrien, mal beides gleichzeitig. Mal überwiegt in einem Song der klare Gesang, mal kommt er gar nicht vor, mal dominieren die instrumentalen Parts, mal hält man sich minimalistisch und setzt auf gesprochene Passagen – von Technical über poppige Melodien bis hin zu Southern-Einflüssen ist alles vertreten. Zu letzt folgt nach dem vermeintlich letzten Song „A Year In Passing“ ein etwa vier-minütiges Grillenzirpen, an das ein epischer, empfehlenswerter Hidden Track anschließt, sodass das Album insgesamt auf die Spielzeit von exakt 60 Minuten kommt.

A Hero A Fake bleiben sich selbst treu und werden auch mit ihrem zweiten Album definitiv polarisieren. Wenn man sich auf diese Band einlässt, findet man sicherlich einige Parts die zu gefallen wissen, andererseits gibt es auch das ein oder andere Manko und sperrigere Riff, das den Gelegenheitshörer dann doch eher zu einer anderen Platte greifen lässt. Alles in allem ein solides, experimentelles Album mit seinen Schwächen, aber auch einigen beachtlichen Stärken.

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