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A Forest Of Stars: Opportunistic Thieves Of Spring

Trotz mäßigen Gesangs eine hervorragende Platte
Wertung: 9/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 72:15
Release: 20.05.2011
Label: Lupus Lounge

Das mit dem illustren Titel „Opportunistic Thieves Of Spring“ versehene vorliegende Album von A Forest Of Stars markiert die zweite Platte der Engländer, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, ihre ganz eigene Form des Black Metal zu zelebrieren: Epische Songlängen zwischen acht und 16 Minuten lassen sogleich an Bands wie Wolves In The Throne Room denken und tatsächlich ist die Musik des Septetts (!) stilistisch nicht allzu weit von den Amerikanern entfernt, letztlich aber doch vollkommen eigenständig.

Klar ist, wenn man solche Mammutkompositionen vorlegt, sollte man auch in der Lage sein, mit einem spannenden und abwechslungsreichen, aber dennoch nachvollziehbaren Songaufbau aufzuwarten; diese Bedingungen erfüllen die Düsterheimer allerdings in jeder Hinsicht. Schon das erste Stück „Sorrow’s Impetus“, stolze 13 Minuten lang, ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Hypnotische Blastbeat-Raserei wechselt sich ab mit doomig angehauchten Midtempo-Sequenzen sowie getrageneren und ruhigeren Passagen, bei denen eine elegische Violine oder eine sanfte Flöte zum Einsatz kommt – beide gespielt von Katie Stone, die vor knapp zwei Jahren ein kurzes Intermezzo bei My Dying Bride hatte. Vor allem wegen der Geige ist auch deren Einfluss eindeutig herauszuhören, kein Wunder also, dass die Könige des Doom Metal sich damals entschieden, diese Frau in ihren Reihen aufzunehmen, auch wenn die Verbindung nicht lange hielt.

Harmonisch gesehen passiert innerhalb eines Songs gar nicht mal so viel bei A Forest Of Stars, doch das ist bei Bands wie Moonsorrow, Primordial oder eben Wolves In The Throne Room ja ähnlich und jene Bands kredenzten in den letzten Jahren ausnahmslos vorzügliche Scheiben, da sie bestens wissen, wie man einen Longtrack mit wenig Mitteln spannend gestaltet. Dies gilt im Falle von A Forest Of Stars für sämtliche Tracks auf dem Album; ein Album, das man am Stück hören und genießen muss, ohne abgelenkt zu werden. Es ist nahezu meisterhaft, mit welcher Dynamik man beispielsweise im überragenden „Raven’s Eye View“ agiert; durch die monotone, aber unheimlich schöne, Gänsehaut erzeugende Flötenmelodie, die in den harten Part hinübergenommen wird, werden hier zudem Erinnerungen an Satyricons Debüt „Dark Medieval Times“ wach – auch wegen des räudigen Gitarrensounds, der bei den Norwegern damals allerdings noch frostiger und kratziger daherkam. Meisterhaft auch, wie dieselbe Melodie später für einen orientalischen, mit Percussions unterlegten Teil bearbeitet wird.

„Summertide’s Approach“ steht diesem Highlight jedoch in nichts nach und zeugt neuerlich von den obskuren Einfällen der Band: Eine fast beschwingliche Melodie auf der Geige leitet das wiederum 13 Minuten lange Epos ein, dazu gesellen sich ein paar Pianoklänge, bevor der Härtegrad angezogen und ein grandioser Beweis abgeliefert wird, wie unfassbar gut die Black Metaller in der Lage sind, ein Thema immer mehr und mehr aufzubauen – und dabei trotzdem unheimlich abwechslungsreich und spannend zu klingen. Auch deswegen, weil diese Truppe mit fast Opeth’scher Sicherheit weiß, wo die ruhigen Stellen eingesetzt werden müssen, um genau die richtige Dynamik zu erreichen. Völlig brillant ist auch das neoklassisch-dissonant anmutende Gefiedel in Teilen von „Thunder’s Cannonade“.

Einen Kritikpunkt gibt es aber leider doch und ärgerlicherweise keinen geringen: Der Gesang ist absolut unakzentuiert und gesichtslos und würde einem irgendwann wahrscheinlich sogar total auf den Keks gehen – wäre die Musik nicht so großartig. Ein wenig erinnert das Gekeuche an alte My Dying Bride, nur hat Aaron Stainthorpe schon zu „Turn Loose The Swans“-Zeiten verständlicher gesungen. Im von total spacigen Keyboards getragenen „Starfire’s Money“ darf zum Glück auch mal Katie ans Mikro und man sollte sich im Hause A Forest Of Stars überlegen, ob man diese Maßnahme nicht öfters heranzieht, da sie nicht nur willkommene Abwechslung zu dem ewig gleichen heiseren Gebell bildet, sondern ihre Sache sogar sehr gut macht.

Hinzu kommt außerdem ein vollkommen deplatzierter Einsatz eines Vocoders im abschließenden (und ansonsten ebenfalls fantastischen) „Delay’s Progression“ (mit 16 Minuten der längste Track der Platte), der mit seinem roboterartigen Sound überhaupt nicht zu der viktorianischen Atmosphäre passen will, was dementsprechend leider weiteren Punktabzug zur Folge hat. Viktorianisch trifft es übrigens gut, denn das Konzept der Band sieht vor, dass man sich im Jahre 1891 in einem Gentlemen-Club befindet. Mag seltsam erscheinen, passt aber irgendwie zur Musik der Band. By the way: Es gilt, unbedingt die wahnsinnig stilvolle Homepage der Engländer abzuchecken, hier gibt es fast so viel zu entdecken wie auf diesem klasse Album selbst, welchem man wegen der herausragenden Songs und der tollen Einfälle trotz allem neun Punkte geben muss.

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