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A Forest Of Stars: A Shadowplay For Yesterdays

Wunderbar - aber über den Gesang lässt sich streiten...
Wertung: 8.5/10
Genre: Black Metal, Experimental
Spielzeit: 62:33
Release: 20.07.2012
Label: Lupus Lounge/Prophecy Productions

Man hätte es sich schon denken können: Wenn Kollege Überlange-Songs-find-ich-super“ David sich für eine Platte interessiert, kann da keine leicht verdauliche Kost bei rumkommen (was für eine böswillige Unterstellung... – DN). Dabei wollte die Schreiberin dieser Zeilen die neue A Forest Of Stars-Platte vornehmlich wegen des Bandnamens und der Aussicht, mal wieder niveauvollen Black Metal hören zu können. Beruhigend ist aber Folgendes: Im Gegensatz zur Vorgängerscheibe „Opportunistic Thieves Of Spring“, die direkt neun Punkte einsackte und mit Stücken jenseits der Zehn-Minuten-Marke glänzte, hält sich das dritte Album der Briten, „A Shadowplay For Yesterdays“ betitelt, geradezu zurück: Der Song „A Prophet For A Pound Of Flesh“ ist da mit etwas über zehn Minuten dann doch der längste, kein Vergleich zu 17-Minuten-Epen à la „Delay's Progression“ oder dem ziemlich genau so langen „God“ vom Debütalbum „The Corpse Of Rebirth“.

Sei es nun, dass man lange Songs bevorzugt oder auch nicht, aber was die Briten auf ihrer dritten Scheibe so auf die Beine stellen, ist ohne weiteres als faszinierend zu bezeichnen. Gerade das bereits erwähnte „A Prophet For A Pound Of Flesh“ weiß direkt zu Beginn mitzureißen, wartet mit einem Wahnsinnsintro drauf, das ohne jeglichen Gesang auskommt, sondern mit seinem düster-dramatischen Vibe direkt ein bisschen an die Gothic-Formation Faith And The Muse erinnert, die sich auf ihren Alben und EPs unter Einsatz von Tribaldrums einer ähnlichen Atmosphäre bedient. Der Gesang ist bei A Forest Of Stars ohnehin ein Knackpunkt: Bin ich sonst immer die erste, die nach Vocals schreit, wären die schwarzmetallischen Keifereien der beiden Sänger Mister Curse und Henry Hyde Bronsdon, der nebenbei auch noch an der Gitarre zaubert, mancherorts gar nicht nötig. Die sechs Musiker (Mister Curse müssen wir hier mal rausnehmen, der gute Mann bedient sich nämlich nur seiner Stimme) kreieren auch ohne Gesang eine derartig dichte Stimmung auf „A Shadowplay For Yesterdays“, dass einem schon ab und an die Gänsehaut die Arme rauf und runter läuft. Erst recht bei solch unverhofften Glücksmomenten wie in eben jenem Albumepos, wo plötzlich die ehemalige My Dying Bride-Geigerin Katie mit ihrer angenehm tiefen Stimme einsetzt, die ein bisschen nach Mittelalter klingt und einen wahrhaftig auf einem Teppich von Trommeln, Violinenklängen und Flöten in die damalige Zeit transportiert. Zu keiner Sekunde kommt bei „A Prophet For A Pound Of Flesh“ Langeweile auf – Wahnsinn!

Einen Abzug in der B-Note liefert dann leider direkt das nachfolgende „The Blight Of God’s Acre“ – dass die Vocals nicht hundertprozentig überzeugen können, wussten wir ja schon, zumal auch Kollege David diesen Umstand in seinem damaligen Review zum Vorgängeralbum kritisierte. Fakt ist aber auch, dass die Drums teils etwas komisch klingen. Da klöppelt Drummer Mr John "The Resurrectionist" Bishop zwar durchaus bis in die Haarspitzen motiviert drauflos, aber die Bassdrum ploppt eher, als dass sie ordentlich Radau macht. Quasi als Entschädigung überzeugen aber die ansonsten doch recht häufig verhassten Keyboards so ziemlich auf ganzer Linie und zwar durch das gesamte Album hindurch. Nirgends hat man das Gefühl, man befände sich auf einer Kirmes – aber ganz ehrlich, der Band hätte man solch plumpe Verwendung des Tasteninstruments auch irgendwie nicht zugetraut.

„Gatherer Of The Pure“ kommt dann mit einer Art Seemannsmusik im Intro daher – ein Akkordeon wird von etwas untermalt, was sich wie flüchtende, fiepende Mäuse anhört, bevor selbige von hallendem und weit, weit entfernt klingendem kratzigen Gesang abgelöst werden. Im Verlauf gesellen sich lustig flirrende, psychedelisch anmutende Keyboards und sehr schöne Gitarrenriffs dazu, wobei natürlich vor allem die Sechssaiter hier ordentlich punkten können. Schon komisch: Sobald der Song sich in ein Instrumentalstück verwandelt, möchte man ihn immer wieder hören, die Vocals können aber auch hier nicht überzeugen, was insofern schade ist, da die Scheibe sonst wahrscheinlich ein perfektes Gesamtbild abgeben würde.

Zum Albumende hin haben sich die Briten noch einen Doppelschuss erlaubt: „Corvus Corona“ ist in zwei Teile unterteilt – Part eins fällt mit etwas über drei Minuten recht knapp aus, erst recht für Bandverhältnisse, und startet mit einem gesprochenen Text, der sich aber bald in Samples und Violine verwandelt und so ein zauberhaftes Vorspiel für Teil zwei bildet. Selbiger kann erstmal nur im Intro überzeugen, obwohl die Vocals hier schon gehaltvoller ausfallen als bei den Vorgängersongs. In Richtung Depressive Suicidal Black Metal tendieren A Forest Of Stars hier zumindest stimmlich, ein bisschen ist man an die schwächeren Momente von Lifelover erinnert, dennoch fesselt der finale Track den Hörer durchaus stellenweise, weil man nicht genau bestimmen kann, in welche Richtung er führen wird. Die Dame des Hauses wertet den Song dann zur Mitte hin noch mal durch leicht resignierten Gesang auf – ein schöner Abschluss für ein überraschendes Album, das von relativ klassischem, aber modernem Black Metal über Psychedelic und Experimental bis hin zu Depressive-Passagen so ziemlich alles beinhaltet, was man sich in der schwarzmetallischen Richtung so vorstellen kann.

A Forest Of Stars sind definitiv ein extrem guter Tipp für Fans der genannten Stilrichtungen – einziges Manko sind wie erwähnt die Vocals und das teils sehr pappige Schlagzeug, das aber glücklicherweise nur in zwei oder drei Songs derartig zum Tragen kommt.

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