Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

'68: Give One Take One

Eine wilde, sexy Mischung von einer der spannendsten Rockbands überhaupt
Wertung: 9/10
Genre: Noise Rock, Punk, Rock‘n‘Roll, Hardcore
Spielzeit: 40:26
Release: 26.03.2021
Label: Cooking Vinyl

Knapp drei Jahre ist es her, eine gleichzeitig unfassbar lange und kurze Zeit, da wollte man sich in der beschaulichen Fächerstadt Karlsruhe entspannt die Alaska-Metalcore-Combo 36 Crazyfists zu Gemüte führen und war schon leicht nervös beim Gedanken, noch das gesamte Set einer unbekannten Vorband durchstehen zu müssen, bevor man so richtig abgehen konnte. Besagter Support nannte sich '68 und bestand aus gerade mal zwei Typen, einer davon war Josh Scogin, schon bekannt durch seine Sangesarbeiten bei Norma Jean und The Chariot. Was dann folgte, war eine Zerstörung im Großen wie im Kleinen, ein kurzes, intensives Set, bei dem man nur mit aufgeklapptem Mund herumstehen konnte und sich permanent Sorgen machen musste, dass es Scogin samt Gitarre Hals über Kopf von der Bühne riss.

Die zwei Herrschaften sind im Gedächtnis geblieben, mittlerweile ist der vollständige Backkatalog in Gestalt der beiden Alben „In Humour And Sadness“ und „Two Parts Viper“ ins heimische CD-Regal gezogen und die aktuelle Platte „Give One Take One“ darf sich direkt dazu gesellen (erschreckenderweise fällt bei der Recherche auf, dass die letztjährig veröffentlichte EP „Love Is Ain‘t Dead“ noch fehlt – da herrscht Nachholbedarf!). Nach mittlerweile immerhin drei Jahren „Bekanntschaft“ fällt es aber immer noch immens schwer, den Sound des Duos annähernd befriedigend zu beschreiben: Teils verzerrte Vocals treffen auf ebenso verzerrte Gitarren, man webt Stoner-, Sludge-, Rock-, Hardcore-, Punk- und eigentlich alle anderen geil klingenden Einflüsse zu einem groben Soundteppich und klingt dabei so sehr nach coolem, verschwitzten Rock‘n‘Roll, dass es wehtut.

Vorab wurden die beiden Singles „The Knife, The Knife, The Knife“ und „Bad Bite“ veröffentlicht, beides knallharte Rocksongs vor dem Herrn, die auf Umwegen funktionieren – ersteres mit dem klasse Refrain „So step aside and let the audience just sing along“ (und Piano), letzteres mit einem clever treibendem Klatsch-Part, dem schwitzig-schreienden „We‘re just balls and teeth“ und der sexy Lässigkeit, die Scogin in seine Vocals einfließen lässt. Denn auch das ist die Musik von ’68: verdammt sexy.

Unheilvoll-hypnotisch wälzt sich „What You Feed“ aus den Boxen, in denen vor allem Schlagwerker Nikko Yamada sich mit wahnwitzigen Fills und fast zwanghaft tightem Drumming austoben darf, während Scogin seiner Gitarre überraschend düstere Töne entlockt. Im Doppelpack mit dem ähnlich betitelten „What You Starve“ gewinnt dann trotz dessen rock‘n‘rolliger Lässigkeit aber eindeutig „What You Feed“, wobei beide Tracks schon einen recht guten Querschnitt durch die Soundlandschaften des Duos bieten.

„Life And Debt“ klingt dann wie ein Song aus den Fifites mit enorm viel Verzerrung, passt nicht so hundertprozentig in die restliche Tracklist, hat aber einen ganz eigenen, melancholischen Charme, der den Song definitiv nicht zum Lückenfüller werden lässt – aber solcherlei sucht man bei ’68 ohnehin vergebens. Unfassbar Großartiges erwartet uns dann noch gegen Ende der Platte mit dem von einem bärenstarken Refrain getragenen „Nervous Passenger“, das schwermütig dahingleitet und noch lange nachhallt.

’68 sind nicht umsonst eine absolut hochgelobte und von der Presse wie von Fans geliebte Band, die es schafft, zu zweit unfassbar viel Lärm in unfassbar gute Songs zu verpacken und diese live wie auch auf Platte authentisch zu transportieren. „Give One Take One“ bietet Launigkeit, probt den musikalischen Aufstand und hinterlässt eine Gänsehaut und schweißnasse Hände. Geil.

comments powered by Disqus

Der Erstlingsroman des Musikers kann sich sehen lassen

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin