Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

6:33: Deadly Scenes

Nichts für schwache Nerven oder kurze Konzentrationsspannen
Wertung: 9,5/10
Genre: Crossover/ Experimental
Spielzeit: 54:04
Release: 12.01.2015
Label: Kaotoxin

Es gibt einfach Bands, die sich partout nicht kategorisieren lassen. Die Musik, die sie produzieren, kann man hassen oder lieben, aber einfach in eine bestimmte Schublade stecken kann man sie nicht. 6:33 ist eine dieser Bands. Irgendwo zwischen Old-School-Funkelementen a la Mr. Bungle und Mathcore-Einflüssen, die bisweilen fast schon an Sikth erinnern, kreieren die Franzosen auf „Deadly Scenes“ einen Genremix, der zu Beginn vor allem eines ist: verwirrend. So konfus das mittlerweile dritte Studioalbum der Band aber auch ist, es steckt Kalkül dahinter. „Deadly Scenes“ ist nämlich ein Konzeptalbum über die sieben Todsünden. Neun Songs gibt es insgesamt, einen Prolog und einen Epilog sowie sieben Titel, die sich dann ganz konkret mit dem albumübergreifenden Thema auseinandersetzen. Das in Verbindung mit dem ungewöhnlichen Sound der Band machen den Drittling der Band zu einem Werk, das man entweder ganz oder gar nicht hört. Am besten aber ganz, denn wenn auch schwer zugänglich, so ist das Album doch extrem fesselnd und faszinierend.

Das Album in musikalischer Hinsicht zusammenzufassen oder gar zuzuordnen ist schwer bis unmöglich. Die Stücke sind allesamt ziemlich komplex aufgebaut, sehr dynamisch und wechseln stetig ihren Charakter. Die Einflüsse reichen dabei von simplen Funkrhythmen über typischen Ska und Country bis hin zu Mathcore. Es gibt allerdings auch ruhigere Elemente. 6:33 sind durchaus in der Lage, die von ihnen erzeugte Atmosphäre in ruhigen Momenten mit Keyboardmelodien und Synthesizerklängen zu bereichern.

Wie bereits erwähnt, beginnt das Album mit einem Prolog. Hier wird das Thema vorgestellt, inhaltlich die Themen Religion und Glauben behandelt und musikalisch zu Beginn mithilfe eines kleinen Chores der religiöse Aspekt verstärkt. Song Nummer zwei beruht auf dem Film "American Psycho". Nach einem wirren Intro findet sich der Hörer hier plötzlich mit einem tanzbaren Ska-Rhythmus wieder, der im Laufe des Songs immer wieder aufgegriffen wird, bevor die Nummer nach guten sechs Minuten ruhig ausklingt. „The Walking Fed“ kommt dann etwas organisierter daher. Mit einem exotischen Percussionrhythmus als Grundlage behandelt der Song inhaltlich einen Hedonisten, der isst, was er nur kann. „I Am A Nerd“ erinnert dann mit seinen Hardcore-Elementen ein wenig an die vorherigen Werke der Formation.

Obwohl immer noch übermäßig komplex, wird das Album in diesem Bereich langsam etwas geordneter und erlaubt dem Hörer einen gewissen Zugang zum Material zu finden. Inhaltlich besonders faszinierend ist dann der fünfte Track. Dieser handelt von der Besitzerin eines Bordells, die Orgien organisiert, um die Teilnehmer später als Strafe für ihre Lüsternheit im Schlaf zu ermorden. Die Stimmung des Songs fällt dann auch dementsprechend dicht und düster aus. Bei „Black Widow“ nähern sich 6:33 dann wieder der verwirrenden Komplexität des Albumbeginns an. Hier und da finden sich zwar Bass- und Gitarrenriffs, die einem ein Gefühl von Struktur vermitteln, die dadurch erzeugte Ordnung wird allerdings immer wieder recht schnell von Rhythmuswechseln oder wilden Shouts unterbrochen, was die Nummer zwar komplex, aufgrund der Gegensätze aber auch extrem faszinierend macht.

Danach kommt, man mag es kaum glauben, Country. „Last Bullet For A Gold Rattle“ bleibt größtenteils akustisch und bringt so ungefähr die einzigen Elemente, die man so nun wirklich nicht erwartet hätte. Wobei auch der vorletzte Song mit seiner Atmosphäre unterstreicht, dass die Pariser tatsächlich in der Lage sind, zumindest ansatzweise traditionell strukturierte Songs zu schreiben. Das soll keinesfalls wertend gemeint sein, ist im Hinblick auf die vorherige Komplexität aber angenehm entspannend. So bringt man dann auch die Kraft auf, sich mit voller Konzentration der letzten Nummer des Albums zu widmen. Inhaltlich behandelt der Titeltrack das Konzept des freien Willens. Dass die Geschichte, die die Band hier erzählt, in drei Akte unterteilt ist, wird dann auch an der musikalischen Ausarbeitung deutlich. Diese vereint relativ unzusammenhängend nahezu alle Trademarks, die die Franzosen auf den vorherigen acht Nummern präsentiert haben und bietet damit einen guten Überblick über das gesamte Album.

Man könnte 6:33 vorwerfen, es mit ihren vielen Einflüssen übertreiben. Da aber nicht nur die einzelnen Songs, sondern im Grunde die ganze Platte vor allem auf den ersten Blick einfach vollkommen unhomogen und verstörend wirkt, allerdings trotzdem konstant einem roten Faden folgt, wird da wohl Kalkül hinter stecken. Daher bleibt einem hier letztendlich kaum etwas anderes übrig, als das Endresultat für seine Komplexität zu bewundern.

Da hier ein inhaltlich vielschichtiges Konzept mit einem bunten und vermutlich einzigartigen Genremix verbunden wird, kommt schlussendlich ein Album heraus, das ein hohes Maß an Aufmerksamkeit verlangt. Ist man allerdings bereit, diese aufzubringen, stellt sich „Deadly Scenes“ als ein ganz besonderes, weil einzigartiges Schätzchen heraus, das einen auch nach vielen Hördurchgängen immer wieder zu überraschen vermag.

comments powered by Disqus