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36 Crazyfists, Trivium im Konzert (Bochum 2006)

Wertung: /10
Genre:
Spielzeit:
Release:
Label:

Schon auf dem Papier klingt dieses Bandpaket ziemlich vielversprechend, denn mit Trivium und den 36 Crazyfists haben sich zwei der wohl besten modernen Metalacts angekündigt. Dementsprechend gut gefüllt war auch die Bochumer Zeche an einem sonnigen Montagabend. Dass diese Bands vor allem die jüngeren Metalgenerationen ansprechen würden, war zwar zu erwarten, aber dass der Goßteil des Publikums keine 20 Jahre alt sein sollte, überraschte dann doch etwas. Diese jungen Fans verbreiteten schon vor Konzertbeginn eine unheimliche Hysterie und über den wirklich schönen Biergarten der Zeche hörte man ständig aufgeregte Ausrufe, wie z.B. “Wow, ich hab gerade Matt Heafy die Hand geschüttelt!” oder “Haste gesehen, da lief Corey Beaulieu lang!”. Etwas amüsiert vom regen Treiben vor dem Eingang, wurde der Verfasser dieser Zeilen dann zu einem interessanten Interview mit Brock Lindow, dem Frontmann der 36 Crazyfists, ins Innere des Clubs gebeten. Dieser versprach schon dort eine energiegeladene Show seiner Band und somit stieg die Vorfreude auf das folgende Konzerterlebnis von Minute zu Minute mehr an.

 

36 Crazyfists:

 

Um 20.15 Uhr war es dann auch endlich soweit und die ersten Klänge des Über-Hits “At The End Of August” knallten brachial und unerbittlich aus den Boxen. Natürlich war ein guter Gig der vier sympathischen Jungs aus Alaska zu erwarten, aber mit solch einer perfekten Show habe ich nicht gerechnet. Es stimmte einfach alles, angefangen von der Performance der Band, über die gute Songauswahl, bis hin zum lauten, aber glasklaren Sound. Bemerkenswert war auch, mit was für einer Spielfreude die Band zu Werke ging und da war es nicht verwunderlich, dass der Funke sofort auf das Publikum übersprang. Dieses feierte grandiose Songs, wie “I’ll Go Until My Heart Stops”, “Will Pull This In By Hand”, “The Descent” (leider mit leicht verstimmter Gitarre), “Felt Through A Phone Line”, “The Heart And The Shape”, “Bloodwork” oder “Skin And Atmosphere” gnadenlos ab. Es wurde lauthals mitgegrölt, getanzt und des öfteren bildeten sich wild rotierende Mosh- / Circlepits. Auch die Antwort auf die Frage, wer denn das neuste Album der Band, “Rest Inside The Flames”, besitze, machte deutlich, dass die 36 Crazyfists viel mehr waren als nur eine typische Vorband, der man ein wenig Höflichkeitsapplaus schenkt. Im Gegenteil sie setzten die Meßlatte für Trivium sehr hoch, was auch an der überragenden Leistung von Frontmann Brock Lindow gelegen haben dürfte. Dieser gab sich als sympathischer Entertainer, der durch seine agile Performance und seine perfekten Vocals, die fröhlich feiernde Masse auf seine Seite ziehen konnte. An alle, die dies hier lesen, geht in den Plattenladen eures Vertrauens und testet das neue Album an. Bitte supportet diese geile Band, die laut Brocks Ankündigung im Herbst nach Deutschland zurückkehren wird!

 

Trivium:

 

Gebannt wartete man auf die Headliner des Abends, die mit “Like Light The The Flies” von “Ascendancy” loslegten und die, aufgrund des genialen Auftritts der 36 Crazyfists, eine schwierige Mission hatten. Ganz erfüllen konnten Trivium diese nicht, obwohl der Auftritt der Band als gut bis sehr gut zu werten ist. Dies lag vor allem an den technischen Ausnahmefähigkeiten der Band und dem starken Sound der auch bei Trivium anhielt. Leider gab es aber eine Reihe von Kritikpunkten, welche das gute Gesamtbild der Band leicht ankratzen. Besonders die viel zu kurze Spielzeit von gerade einmal 65 Minuten sei hier hervorzuheben. Gut, die Band gab mit “Rain”, “The Deceived”, “Ember To Inferno”, “Drowned And Torn Asunder” und “Suffocating Sight”, die Songs zum besten, welche alle Fans der Band erwartet haben, aber als nach einem neuen Song, vom im Oktober/November erscheinenden Album “The Crusade”, mit “Dying In Your Arms” (welches Frontmann Matt Heafy an alle hübschen Frauen vor Ort richtete) und dem wohl bekanntesten Trivium-Song “Pull Harder On The Strings Of Your Martyr”, ohne jegliche Zugaben die Lichter wieder angingen, war man doch etwas enttäuscht. Gerne hätte man weitere Songs der Band gehört und obwohl Trivium eine recht neue Band sind, darf man nicht vergessen, dass sie bereits zwei Alben mit insgesamt 24 Songs in der Hinterhand haben. Somit kann ich diese zu kurze Spielzeit nicht ganz verstehen. Punkten konnten Trivium aber vor allem durch kurz angespielte Cover-Versionen, von u.a. “Sweet Home Alabama” (Lynard Skynard), “Du Hast” (Rammstein) oder “Symphony Of Destruction” (Megadeth), und dem bis zum Solo gespielten Metallica Klassiker “Master Of Puppets”, bei welchem in der Zeche eine unglaublich gute Stimmung herrschte. Was mir persönlich allerdings gar nicht gefallen will, ist die Reduzierung der Shout-Vocals von Gitarrist Corey Beaulieu bei Live-Konzerten der Band. Es stört mich einfach, wenn Matt Heafy zum Beispiel, dem Über-Song “Rain”, durch seine streckenweise etwas aufdringlich wirkenden cleanen Vocals, die Intensität raubt. Darüber sollten Trivium einmal ernsthaft nachdenken, denn mit Corey haben sie einen sehr guten Shouter in ihren Reihen. Überraschend war auch die Art und Weise, wie Trivium ihren doch sehr modernen Metalsongs, durch allerhand Gepose und Outfits (Bassist Paolo Gregoletto erinnerte optisch stark an Jason Newsted (ex-Metallica) zu “And Justice For All...” - Zeiten) einen echten Old-School Touch verleihen. Die Fans der Band schienen sich allerdings an den Kritikpunkten nicht zu stören und feierten ihre Band nach allen Regeln der Kunst ab.

 

Insgesamt lässt sich sagen, dass sich dieser Konzertbesuch wirklich gelohnt hat, denn mit den 36 Crazyfists konnte man eine perfekte Liveband und mit Trivium eine immer noch sehr gute bestaunen. Dieser Abend hat einfach Spaß gemacht und ich freue mich schon auf den nächsten Deutschland-Besuch der beiden Bands.

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