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36 Crazyfists: Time And Trauma

Traurig und wunderschön
Wertung: 10/10
Genre: Metalcore
Spielzeit: 49:13
Release: 17.02.2015
Label: Spinefarm Records/Universal Music Group

Unglaublich, wie die Zeit rennt: Schon bald fünf Jahre ist das letzte Album „Collisions And Castaways“ alt, das 36 Crazyfists auf den Markt geworfen haben. Die Truppe aus Alaska ist mittlerweile 20 Jahre im Geschäft, zumindest die Hälfte der Zeit ist die Schreiberin dieser Zeilen bereits Fan, durfte sich bereits zweimal von den Livequalitäten der Combo überzeugen – der Liebe wegen haben die Metalcoreler ein ganz besonderes Verhältnis zu Deutschland und suchen uns daher glücklicherweise in sehr regelmäßigen Abständen heim.

Verdächtig still war es um den Vierer schon eine ganze Weile, man munkelte und bangte, letzten Endes hieß es dann recht plötzlich, dass ein neues Album in trockenen Tüchern sei und nur auf den Releasetermin warte. Mit „Time And Trauma“ hat man dann die Alliterationen der letzten Scheibe weitergeführt – düster ist die Platte geworden, was vielleicht auch daran liegen kann, dass Sänger Brock Lindow mit dem Tod seiner Mutter einen schweren Verlust zu verarbeiten hat. Auch Line-Up-technische Veränderungen tragen sicherlich zum Sound bei – klar, Brock und Gitarrist/Backgroundsänger Steve Holt sind noch dabei, mit Drummer Kyle Baltus scheint zumindest technisch ein würdiger Ersatz für Gründungsmitglied Thomas Noonan gefunden worden zu sein und weil manche Beziehungen manchmal einfach nur eine Verschnaufpause brauchen, meldet sich nach vierjähriger Abstinenz auch wieder Bassist Mick Whitney zurück.

Der Witz bei dieser Band ist ja, dass das Rezept an sich seit 20 Jahren das gleiche ist, es aber einfach nicht langweilig wird. Das mag vielleicht daran liegen, dass die Fists ihre Fans immer verhältnismäßig lange auf neuen Stoff warten lassen, ein anderer Faktor ist sicherlich die ohnehin von Grund auf etwas außergewöhnlichere Musik, die hier fabriziert wird. Jeder neue Song braucht seine Zeit, um richtig verarbeitet werden zu können, die meisten Tracks bleiben dann aber wie gute Freunde eine lange Zeit. Beispielsweise überkommt mich noch heute eine dicke Gänsehaut, wenn „Circle The Drain“ vom 2002er Scheibchen „Bitterness The Star“ läuft.

Zurück in die Gegenwart: „Time And Trauma“ markiert nun also Album Nummer sieben – bereits im Voraus wurde der Track „Also Am I“ als Single vorgestellt, der ziemlich typisch mit dem näselnden Gesang und druckvollen Drums daherkam und natürlich von Steve Holts Geschrei veredelt wurde. Ein klarer Refrain durfte nicht fehlen – ein gutes Stück, aber erste Befürchtungen machten sich breit, dass das Album, sollte es gänzlich in diesem Stil gehalten sein, doch eher unter Durchschnitt fallen könnte. Mittlerweile hat sich die Skepsis zerstreut, „Also Am I“ ist eigentlich so ziemlich der einzige Track auf „Time And Trauma“, der einer derart klaren Struktur folgt und bereichert damit die Tracklist.

Ebenfalls obligatorisch sind bei 36CF mittlerweile weibliche Gegenstimmen zu Brocks und Stevens derbem Auftreten – so geschehen bereits bei Tracks wie „Vast And Vague“ vom „The Tide And Its Takers“-Album. Hier sammelt sich die Damenriege am Ende der Platte, sowohl „Gathering Bones“ als auch der wunderbare Abschluss „Marrow“ beinhalten weiblichen Gesang, der einen ausnehmend guten Kontrast zu den anderen Songs bildet.

Ein Song, der ganz besonders heraussticht, ist das recht melodische „Swing The Noose“, bei dem spätestens zur Bridge hin Tränchen und Gänsehaut Einzug halten. Überhaupt halten hier einige melodische Momente Einzug, die das Album auflockern und auch eine sehr melancholische Grundstimmung erzeugen – das bereits erwähnte „Marrow“ liefert hier ein Paradebeispiel.

Fazit: 36 Crazyfists sind nach wie vor eine Größe. Die Band schafft es, dem Metalcore-Genre zugeordnet zu werden, ohne sich an gängige Strukturen halten zu müssen. Ein Faktor ist hier natürlich immer wieder Sänger Brock, der eine absolut einzigartige Stimmfärbung aufweist, auch die Gitarrenarbeit ist leicht aus vielen anderen herauszuhören. „Time And Trauma“ ist ein wahnsinnig trauriges und tolles Album geworden, in das man für Stunden eintauchen kann.

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