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36 Crazyfists: The Tide and Its Takers

Unfassbar starke Scheibe
Wertung: 10/10
Genre: Modern Metal, Metalcore
Spielzeit: 42:56
Release: 30.05.2008
Label: Ferret Music

Knapp zwei Jahre nach ihrem Sensationsalbum „Rest Inside The Flames“ melden sich die 36 Crazyfists mit ihrem neuen Album „The Tide And Its Takers“ zurück. Und schon beim ersten Hören der Scheibe ist klar, dass das Quartett aus Alaska richtig heiß auf dieses Album war, denn im Vergleich zum Vorgänger hinterlässt die Band auf „The Tide And Its Takers“ einen noch bissigeren Eindruck. Dies liegt vor allem an zwei Faktoren. Erstens klingt das Album wesentlich metallischer und zweitens ist der Sound eben dieser viel rauer, als man es bisher gewohnt war. Mit dieser Entwicklung schlagen die 36 Crazyfists gleich drei Fliegen auf einmal.

Für die alteingesessenen Fans präsentiert man neue Nuancen und neue Entwicklungen, vielen Kritikern, die die Band leider und absolut zu unrecht als Mädchenmetalband abgeschrieben haben, zeigt man den imaginären Mittelfinger und zu guter Letzt dürfte man mit eben diesem Sound neue Zielgruppen für sich gewinnen.

Mit einem imposanten Riffing und einem durch Mark und Bein dringenden Schrei von Frontmann Brock Lindow startet der Opener „The All Night Lights“, den man getrost als einen der besten Metalsongs des laufenden Jahres bezeichnen kann und der in meinen Augen der Gassenhauer des Albums ist. Gerade der charismatische Gesang von Brock gibt hier einiges her, denn nur wenige Sänger dieses Genres schaffen es, so ausdrucksstark zwischen unterschiedlichen Schreien und tollen cleanen Passagen zu pendeln. Vor allem der überragende Refrain des Songs lässt den Hörer vor Genialität in die Knie gehen. Eine absolute Granate!

„We Gave It Hell“ kann zwar nicht ganz an dieses Machtwerk anknüpfen, doch dürfte dieser Song angesichts des treibenden Rhythmus ein echter Moshpit – Garant sein und dank des eingängigen Refrains auch in einschlägigen Diskotheken Anklang finden.

Bei „The Back Harlow Road“ fühlt man sich zum ersten Mal wirklich deutlich an das Vorgängeralbum „Rest Inside The Flames“ erinnert, denn der zwischen Down-, Mid- und Up-Tempo wechselnde Song hätte auf diesem sicherlich einen verdienten Platz gefunden. Im Vordergrund stehen aber die sehr emotional wirkenden Vocals, die mich jedenfalls sofort gepackt haben und die für lange Zeit im Gedächtnis des Hörers verweilen dürfen.

Nach dieser wundervoll eingängigen Nummer wartet mit „Clear The Coast“ nicht nur ein unheimlich aggressiver, sondern auch recht sperriger Song, der seine Zeit braucht, dann schlussendlich aber zündet. „Clear The Coast“ zeigt jedenfalls, wie die Band neue außerordentlich interessante Einflüsse in ihren Sound integriert; hier in Form krachender Hardcore – und Noisecore – Passagen.

Die ersten Sekunden von „Waiting On A War“ lassen vermuten, dass es sich hier um eine reinrassige Ballade handeln wird; doch weit gefehlt! Der Song baut sich sukzessive auf, gewinnt an Fahrt und begeistert mit einem erneut herausragenden Refrain. Gerade letztere waren schon immer eine große Stärke dieser Band, doch in diesem Bereich setzt „The Tide And Its Takers“ nahezu neue Maßstäbe, wie die nachfolgenden Songs noch zeigen werden.

Mit trauriger musikalischer Untermalung und einem ebenfalls sehr traurigen Sprachsample beginnt „Only A Year Or So...“, welches sofort nach Ende dieses Samples richtig Gas gibt. Und gerade dieser Moment ist ein magischer, denn diese musikalische Explosion ist dermaßen intensiv, dass man es kaum fassen kann. Der Rest des Songs zeigt die Band weiter von einer sehr traurigen und düsteren Seite, die wirklich gelungen ist.

Ganz im Gegensatz zu „Absent Are The Saints“, das wesentlich 36 Crazyfists – typischer ausgefallen ist. Heißt im Klartext, krachende Mosh – Parts , geile Gitarren und ein himmlisch eingängiger Refrain. Ähnliches gilt für die sensationellen „Vast And Vague“ (mit starken weiblichen Vocals) und „When Distance Is The Closest Reminder“, die mit ihren brillanten Gesangsmelodien zwei echt Hits darstellen, die man als Fan moderner Metalklänge einmal gehört haben sollte und die Fans der Band vor Entzücken im Kreis springen lassen werden.

Ruhiger und düsterer ist das Finale von „The Tide And Its Takers“ in Form von „Northern November“ und dem Titelsong geraten, die musikalisch eben diese Stimmung perfekt ins heimische Wohnzimmer transportieren und aus einem seltsamen Grund auch bei Temperaturen um 30° C eine eisige Kälte erzeugen.

Fazit: „The Tide And Its Takers“ ist das Album geworden, auf das ich so sehr gehofft habe. Die 36 Crazyfists haben sich in eine metallischere, düstere Richtung entwickelt, ohne dabei aber ihre Trademarks der Vergangenheit zu vernachlässigen. Die elf fett produzierten Songs (für die Produktion war übrigens der bandeigene Gitarrist Steve Holt zuständig) strotzen nur so vor Genialität, Aggressivität und Eingängigkeit, so dass man einem jeden Freund moderner Metalklänge ohne Zweifel den Kauf dieses Albums empfehlen kann. Man darf gespannt sein, ob überhaupt eine Band des modernen Metals in diesem Jahr noch qualitativ an diese unfassbar starke Scheibe kratzen kann. Ich kann es mir fast nicht vorstellen.

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