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36 Crazyfists: Bitterness The Star

Ein roher und unverfälschter Start mit bereits erstaunlich durchdachten Songs
Wertung: 9/10
Genre: Metalcore, Nu Metal
Spielzeit: 46:35
Release: 02.04.2002
Label: Roadrunner Records

Wir schreiben das Jahr 2002. Eine kleine Metalband aus Alaska hat vor gut drei Jahren im DIY-Modus ihr erstes Album “In The Skin” veröffentlicht und damit ein großes Plattenlabel anscheinend derart beeindruckt, dass es das Labeldebüt „Bitterness The Star“ unter die Leute bringen will. Klingt erst mal nach sehr viel Glück, und das ist wahrscheinlich genau das, was 36 Crazyfists damals auch dachten – mit ihrer kruden Mischung aus teils sehr schiefem Gesang, Metalgitarren, ein bisschen Hardcore-Attitüde und ordentlich Gebrüll begeistern die Herrschaften auch noch im Jahr 2018 die (wenn auch überschaubaren) Massen.

Angefangen hat alles ganz banal: Die Single „Slit Wrist Theory“ erschien seinerzeit auf einer von Roadrunners „Roadrage“-DVDs, auf denen Musikvideos der Labelbands zusammengetragen waren – der Startschuss für eine Liebe, die zwischen der Musik des Quartetts und der Schreiberin dieser Zeilen schnell entflammt war und bis heute in gleicher Intensität anhält.

Im Vergleich gerade zum Nachfolger „A Snow Capped Romance“ fällt vor allem die Rohheit der Songs auf „Bitterness The Star“ auf. Keine glatte Produktion, zum Teil etwas dumpfer Gesang, was bei Brock Lindows leicht nasalem Tonfall noch zusätzlich dämpft; trotzdem enthält die Platte neben dem bereits erwähnten Senkrechtstarter mit seinem charakteristischen Gitarrenintro „Slit Wrist Theory“ einige Glanzstücke: Da wäre zum Beispiel der verzweifelt nach vorne preschende Opener „Turns To Ashes“, außerdem „An Agreement Called Forever“, das erst im melodischen Refrain so richtig Fahrt aufnimmt, oder das groovige und sehr düstere „Circle The Drain“, das vor allem durch seine unheilschwangere Stimmung sehr aus dem Rahmen der Platte fällt und vor allem in der zweiten Strophe mit genialen Schreiparts überzeugen kann.

Schon damals hatten die Jungs aus Alaska ein Händchen für große und vor allem überraschend in die Songs eingebaute Melodien – ein schöner Beweis ist das ein eigentlich recht räudige „Eightminutesupsidedown“ (das mit knapp über drei Minuten ohnehin eine Mogelpackung ist) mit seinem wunderbar melodiösen Refrain. Brutale, an die Endneunziger-Crossoverzeiten erinnernde Songs wie „Bury Me Where I Fall“ wechseln sich ab mit solchen zu Beginn eher ruhig anmutenden Tracks wie „Two Months From A Year“, das mit einer schönen, wenn auch traurigen Gitarre und zurückhaltendem Klargesang startet und sich zu einem wilden Wirbelwird aus Gitarren und Geschrei mausert.  

Was man bei anderen Bands als rückständig bezeichnen könnte, nämlich Anfang der 2002 noch ganz ordentlich nach den Neunzigern zu klingen (ohne es wahrscheinlich so beabsichtigt zu haben), macht bei 36 Crazyfists einen Teil des Charmes aus, der schon auf „Bitterness The Star“ ganz deutlich ist. Abgesetzt am Arsch der Welt, ist es der Truppe reichlich egal, welche Trends bei uns herumschwappen – hier wird mit Herzblut gearbeitet, das hört man sehr deutlich und daran scheint sich auch bis heute nichts geändert zu haben. Obwohl „Bitterness The Star“ noch deutlich roher klingt als der bereits zwei Jahre später erschienene Nachfolger, finden sich hier schon eine ganze Fülle an genialen Songs, die auch nach 15 langen Jahren keine Spur von ihrem Reiz eingebüßt haben.

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