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1349: Revelations Of The Black Flame

Wenig Musik und viele Geräusche
Wertung: 5/10
Genre: Black Metal / Ambient
Spielzeit: 44:53
Release: 12.06.2009
Label: Candlelight Records

Dass manche Bands hin und wieder neue Wege gehen und mit etwas völlig Überraschendem, Unerwartetem aufwarten, ist im Prinzip ja nicht unbedingt etwas Ungewöhnliches. Im Underground-Black Metal allerdings stellt dies dann doch nicht gerade die Norm dar, wo doch stets Wert darauf gelegt wird, möglichst true zu sein, bestenfalls immer dasselbe Album aufzunehmen und niemals vom Gaspedal herunterzugehen.

Insofern ist es umso erstaunlicher, dass das norwegische Abrisskommando 1349, bei dem es noch auf dem letzten Output „Hellfire“ so richtig auf die Zwölf gab, mit einer Platte an den Start geht, die völlig vom bisherigen Kurs abweicht. Das vorliegende Album „Revelations Of The Black Flame“ ist nicht mehr nur noch primitiver Black Metal, vielmehr haben 1349 hier den Versuch unternommen, Black Metal-Sounds und psychedelisch angehauchte Ambient-Klangcollagen zu vermischen, was jedoch nur als mäßig gelungen bezeichnet werden kann.

Es ist natürlich ein völlig legitimes Stilmittel, solche Klangkollagen einzusetzen, um die Düsternis so noch deutlicher hervorzuheben, nur sollte man ein wenig auf das Maß und das Wie achten. Vieles, was 1349 an psychedelischen Ambientpassagen auf „Revelations Of The Black Flame“ präsentieren, haben Pink Floyd schon vor Jahren besser gemacht und häufig hat man außerdem das Gefühl, die beiden unterschiedlichen Stilrichtungen würden nicht so recht zusammenpassen. Vielleicht lässt sich da in Zukunft aber ja eine stimmigere Balance finden.

Verstörend ist die Platte insgesamt gesehen sicherlich schon, extrem düster und extrem schwarz. Schon allein beim Opener „Invocation“ wird man mit durch Mark und Bein gehenden Schreien überrumpelt, die klingen, als würde eine Massenfolterung stattfinden und schließlich in eine wabernde Geräuschkulisse übergehen, bis nach etwa drei Minuten das Schlagzeug und dann schließlich auch Gitarren, Bass und Gesang einsetzen. Dieser bedächtige Aufbau ist in diesem Fall wirklich nachvollziehbar und spannend gemacht und die Hintergrundgeräusche untermalen das Ganze sehr passend. Auch der folgende Track „Serpentine Sibilance“ bietet einige wirklich geile Killer-Riffs, genauso wie „Maggot Fetus... Teeth Like Horns“ – die beiden einzigen Songs, bei denen Frost in gewohnter Manier sein Schlagzeug verdreschen kann, ansonsten sucht man Blastbeats ziemlich vergeblich.

Fesselnd ist auch das schleppende, mit sehr dominanten, teils erstaunlich verspielten Basslines vorgetragene „Uncreation“, welches schon ziemlich stark an Frosts Hauptband Satyricon erinnert.

Leider befinden sich dazwischen Belanglosigkeiten wie „Horns“, ein Drei-Minuten-Stück, das mit seiner sich steigernden, dennoch nicht gerade spannenden Geräuschkulisse nicht mehr als einen Füller darstellt (so eine Geräuschkulisse kann ja durchaus cool sein, aber sie kann eben auch langweilig sein) und auch „Misanthropy“ (ich will langsam echt nicht mehr wissen, wie viele Bands dieses Wort – wahlweise auch in adjektivierter Form – nun schon in ihren Songtiteln verwendet haben) kann trotz der recht hübsch traurigen Klaviermelodie zu Beginn nicht wirklich überzeugen, ist letztlich belanglos.

Das Pink Floyd-Cover „Set The Controls For The Heart Of The Sun“ dagegen ist, obwohl man allein beim Lesen dieses Titels im Zusammenhang mit einer Band wie 1349 eine Vergewaltigung der allerschlimmsten Sorte befürchten musste, der Atmosphäre entsprechend wirklich gut gemacht, auch wenn letztlich im Prinzip nicht mehr viel vom Original übriggeblieben ist, so stark wurde der Song verfremdet.

Es folgen schließlich mit „Solitude“ und dem äußerst zähen „At The Gates...“ zwei weitere, eher einschläfernde Pseudo-Ambient-Stücke, bevor die CD plötzlich auch schon zu Ende ist.

Das Fazit fällt zwiespältig aus: Die schwarzmetallischen Stücke bieten wirklich gute Riffs und die Idee, die Düsternis, die Schwärze und die Hoffnungslosigkeit mit Zwischenstücken nur noch beklemmender darzustellen, ist an sich okay, nur sollte man es nicht zu sehr übertreiben. Wenn am Ende gleich zwei (oder wenn man das Cover, das zumindest auch nicht gerade leicht zugänglich ist, dazu zählt, sogar drei) solcher sich wie Kaugummi dehnenden Stücke hintereinander ertönen, führt das beim Hörer schnell zu einem frustrierten: „Wann ist denn das endlich mal vorbei?“

Ich lasse mich sehr gerne in Musik fallen, bin stets offen für Experimente und respektiere auch die Experimentierfreudigkeit von 1349, da die Norweger eben im Gegensatz zu so manch anderer Schwarzwurzelkombo bestrebt sind, sich weiterzuentwickeln, anstatt auf der Stelle zu treten; das Experiment „Revelations Of The Black Flame“ ging insgesamt aber dennoch leider in die Hose. Dass es durchaus gelingen kann, Black Metal und experimentelle, psychedelische Ambientklänge spannend und abwechslungsreich unter einen Hut zu bekommen, zeigt beispielsweise die grandiose Platte „Om“ von Negura Bunget, auch wenn die Rumänen sicherlich nicht besonders gut mit 1349 vergleichbar sind.

Hier jedenfalls gilt: Nächstes Mal bitte mehr Musik und weniger Geräusche.

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