Unleashed, Krisiun, One Man Army And The Undead Quartet, Commander, Mourning Caress im Konzert (November 2008)
Bereits im Juni diesen Jahres wurde das aktuelle Album der schwedischen Death Metal-Urgesteine veröffentlicht. Eine lange Zeit also, bis nun Mitte November die Hammer Battalion-Tour anläuft. Doch ob sich das fast halbjährliche Warten auch gelohnt hat? Die Antwort darauf bekommt ihr im folgenden Live-Bericht.
Pünktlich um 19 Uhr, also genau mit den Glockenschlägen der dem Turock gegenüberliegen Kirche öffnete sich die Tür der Location zum Einlass.
Es stellte sich heraus, dass Mourning Caress als lokaler Opener fungieren sollten. Über diese Tatsche herrschte zunächst ein wenig Verwunderung und außerdem war man aufgrund dessen schon fast in der Annahme, dass Commander eventuell nicht spielen würden, was ich sehr schade gefunden hätte, denn gerade auf deren Auftritt war ich sehr gespannt. Doch ein Blick auf die am seitlichen Bühnenrand aushängende Running Order sorgte für Aufklärung und freudig konnte man feststellen, dass an diesem Abend nach zuvor vier angenommen Bands nun gleich fünf spielen würden.
Mourning Caress

- Mourning Caress eröffneten in Essen für Unleashed und Co.
Die fünf Musiker von Mourning Caress aus Münster starteten mit ihrem melodischen Mix aus Death und Thrash Metal. Was gleich vom ersten Song an zu sehen war, schlug sich sofort auch auf das Publikum nieder: Die Jungs hatten richtig Bock, an diesem Abend den Opener für Unleashed, Krisiun und die anderen Bands zu geben. Den Bassisten Daniel konnte man immer wieder dabei beobachten, wie er übers ganze Gesicht strahlte, als er die Bühnenseite wechselte und Gitarrist Florian mal kurz Gesellschaft leistete.
An den Zuschauern zeigte sich, dass die Band mit ihrer Musik gut ankam, denn die Reaktionen, die der Band entgegen gebracht wurden, waren nicht zu verachten. Sänger Gerrit, der sich auf der platzmäßig eingeschränkten Bühne doch ziemlich bewegungsfreudig zeigte, fragte die Fans, wer ihm denn ein Bier bringen könnte. Derjenige würde dann nach dem Gig auch sein Geld wieder bekommen. Und siehe da, ein paar Minütchen später bekam Gerrit dann seinen Becher Bier gereicht. Das nenne ich mal Service.
Unterm Strich boten Mourning Caress einen sehr ordentlichen Openerjob mit ihrer erfrischenden Mucke und ihrem sympathischen Auftreten und hinterließen sicherlich nicht nur bei mir einen sehr guten Eindruck.
Setlist Mourning Caress:
Creating A Hell
... Of Fortune And Failure
Towards The Decline Of Existence
As Long As We Are One
Enter Today
Sorrows
Corroded By Fear
Commander

- Die Bayern von Commander kamen, sahen uns siegten
Danach gehörten die Bretter Commander. Hatten sie es doch zuvor schon mit ihrem aktuellen Werk „The Enemies We Create“ so richtig krachen lassen, so enterten sie hier ebenso energisch die Bühne und hauten einen Hammersong nach dem anderen in das Publikum. Der Titelsong ihres Albums und „Salvation For A Dead World” zeigten gleich an, in welche Richtung die Band wollte. Irgendwie erinnerte mich der Auftritt an den Headliner Unleashed, den ich schon auf dem Rock Hard-Festival sehen durfte. Man stellte sich auf die Bühne und es gab keinerlei Spielereien oder Firlefanz. Sie zogen ihr Ding durch und scherten sich einen Dreck darum, was denn das Publikum denken könnte.
Einfach geradeaus in die Fresse, das war das Motto und so zogen die Süddeutschen immer mehr Publikum in ihren Bann. Songs wie „Vengeful Angel“, „Dead But Alive“ oder auch das tolle schnelle „My Worst Enemy“ sorgen für kräftigen Schub. Keine Frage, dieser Band steht noch eine große Zukunft bevor, wenn sie sich weiter so konsequent an die eigenen Tugenden halten. Leider waren dann nach „Ira“ und einem der Höhepunkte des aktuellen Albums, nämlich „Valley Of Fallen Stars“ leider schon Zeit für den letzten Song. „Modern Slavery“ wurde dann mit der gleichen Inbrunst ins Volk gefeuert, wie man es erwarten durfte und die Band war sichtlich zufrieden mit den Beifallskundgebungen aus dem Publikum, das im übrigen auch gern noch mehr gehört und gesehen hätte.
Setlist Commander:
The Enemy We Create
Salvation For A Dead World
Vengeful Angel
Dead But Alive
My Worst Enemy
Ira
Valley Of Fallen Stars
Modern Slavery
One Man Army And The Undead Quartet

- Leider ohne "Bulldozer Frenzy" im Gepäck: One Man Army And The Undead Quartet
Etwas zwiespältig wurde es im Anschluss nach dem Auftritt der Süddeutschen. Die One Man Army And The Undead Quartett enterten die Bühne. Eigentlich eine grandiose Band, welche aber ein wenig in einem Schlingerkurs verfallen ist. Nach der superben Debut-Dampfwalze entwickelten sich die Schweden musikalisch nicht so weiter, wie es die Fans gerne gehabt hätten. Das aktuelle Werk ist noch sehr frisch und zieht wieder stellenweise die Zügel an, beherbergt aber trotzdem noch einige, nennen wir es mal, ruhigere Passagen. Und genau das war am heutigen Abend fehl am Platze. Man schwor auf das aktuelle Album, zockte die größtenteils unbekannten Songs und verlor in den Augen des Publikums, da dieses an diesem Abend härtere Kost wünschte.
Die Musiker boten einen wirklich guten Gig, aber das Publikum war auf härtere Gangart eingestellt. Erst als zum Ende hin mit dem Gassenhauer „So Grim So True So Real“ ein Song des Debuts angestimmt wurde, wurde auch die Stimmung besser. Warum man bei diesem Billing Songs vom Kaliber „Bulldozer Frenzy“ rausgelassen hat, ist mir unbegreiflich. Da wäre Stimmung aufgekommen, so hat man sich selbst mit der Songauswahl ein Bein gestellt und ist untergegangen und das, obwohl man eigentlich einen richtig guten Gig gezockt hat. Klar hat es Besetzungswechsel gegeben und man wollte das Material der bestehenden Band zocken, aber hier ging das doch ein wenig daneben.
Egal, man darf abwarten, wie sich die Band weiterentwickelt. Daumen hoch für die One Man Army, aber Daumen runter für die Setlist in diesem Billing.
Setlist One Man Army And The Dead Quartet:
Misfit With A Machinegun
Saint Lucifer
Sick Boy
Cursed By The Knife
A Date With Suicide
Devil
So Grim So True So Real
Bastards Of Monstrosity
Krisiun

- Alex Camargo und seine Jungs boten eine überzeugende Show
Als das Banner der Brasilianer hinter dem Drumkit hochgezogen wurde, beantworteten die Fans dies mit den obligatorischen „Krisiun“ und „Yeah“-Rufen, kurz gesagt: Das Publikum wurde richtig laut. Oder um es mit anderen Worten auszudrücken: Mit dem Beginn des Gigs der drei Jungs war auch für die allermeisten Anwesenden das erste Highlight des Abends gekommen. Zwischen den Songs, die einer wie der andere wie eine Wand in Richtung Publikum geschmettert wurden, bedankte sich Sänger / Bassist Alex Camargo bei den Anwesenden nach jedem einzelnen Song. Spätestens nach „Bloodcraft“ war dann mehr als klar, dass die Jungs die Meute vollends im Griff hatten.
Weitere Songs wie z.B. „Sentenced Morning“ oder „Vicious Wrath“ wurden einer nach dem anderen abgefeiert; allerorten sah man kreisende Matten. Diese Tatsache stellte aber auch kein Wunder dar, denn von dem Trio ging ein gewaltiges Powerpotenzial aus. So manch andere Band mit mehr als drei Mitgliedern vermag es nicht, eine solch immense Bühnenpräsenz an den Tag zu legen. Das technisch versierte Material ließ zusammen mit der Power der Jungs aber auch niemanden stillstehen. Die Menge im Zuschauerraum lief während des Gigs zur Hochform auf und erreichte einen Begeisterungslevel, der an diesem Abend bislang unerreicht war.
Unleashed
Als dann die Lichter nach der letzten Umbaupause des Abends gelöscht wurden, stieg der Lautstärkepegel im Zuschauerraum gewaltig an. „Johnny“ – und „Unleashed“- Rufe waren unüberhörbar und die Spannung sowie die Vorfreude auf das vor den Anwesenden Liegende stieg und stieg. Der Moment, auf den die Fans der schwedischen Death Metal-Urgesteine viele Monate lang hatten warten müssen, war plötzlich zum Greifen nah. Johnny und seine Jungs enterten endlich die Bretter.
Die Musiker nahmen die Anwesenden im Sturm ein, indem sie den Hammersong „The Greatest Of All Lies“ als erstes in die Menge feuerten. Die Fans ihrerseits antworteten darauf mit bedingungslosem Abfeiern der Band. In den ersten Reihen sah man nichts anderes mehr als bangende Köpfe und fliegende Haare, während der Moshpit nahezu manisch tobte. Nach dem Opener des aktuellen Albums begrüßte Johnny seine Fans mit „Hey Warriors!“. Natürlich bekam er darauf stets lauthals aus zig Kehlen eine prompte Antwort.
Die Stimmung war unglaublich. Man hätte vermuten können, dass eine Band, die schon so lange im Geschäft ist, gewissermaßen mit der Routine des Tourens und dem Erfolg, den sie in ihrer Laufbahn einheimsen konnte, sozusagen „satt“ geworden ist und daher beispielsweise auf Tour nur noch ihr Standardprogramm abliefert. Doch im Falle von Unleashed kann diese Vermutung glücklicherweise voll und ganz verneint werden.
Ausnahmslos alle vier Musiker zeigten sich über alle Maßen spielfreudig und man konnte ohne großes Dazutun spüren, dass sie richtig Bock darauf hatten, endlich wieder ihre Songs für ihre Fans zu zocken.
Nach „Warriors Of Midgard“ bekam Johnny sein imposantes Methorn gereicht. Nachdem er sich dann erstmal einen gehörigen Schluck genehmigt hatte, gab es aus dem Methorn eine Bierdusche für die Fans, die grob in Richtung zentraler Moshpit ging. Lediglich die Singspielchen, die Johnny stets gern mit seinem Publikum zu betreiben versucht, wollte an diesem Abend aus mir nicht einleuchtendem Grund nicht einen so durchschlagenden Erfolg haben. Und trotz der recht eindrucksvollen Setlist fehlte mir mein Lieblingssong „To Asgard We Fly“. Aber hey, das ist nur Meckern auf extrem hohem Niveau, denn auch ohne diesen Song war die Setlist wirklich erste Sahne.
Den Song „Hammer Battalion“ pimpte Johnny dann mal eben und machte daraus „Hammer Battalion Deutschland“ und würdigte große deutsche Bands wie Destruction, Sodom oder auch Kreator. Sehr feiner Zug, wie ich finde.
Nach diesem Hammerstück verließen die vier Warrior dann zum ersten Mal die Bühne. Doch das sollte noch nicht alles gewesen sein, denn mit den beiden Krachern „Victims Of War“ und dem mächtigen „Black Horizon“ kehrten die Schweden für eine Zugabe zurück auf die Bretter. Doch damit nicht genug, denn selbst nach dieser laut der Setlist letzten Zugabe wollten die Musiker noch einen draufsetzen und spielten dann auch noch „Death Metal Victory“, denn nichts anderes als ein Sieg auf ganzer Linie war auch dieser Gig und als allerletzten Song feuerten Johnny und seine Mitstreiter „Before The Creation Of Time“ in die restlos begeisterte Menge.
Setlist Unleashed:
The Greatest Of All Lies
Legal Repes
This Is Our World Now
Your Children Will Burn
In Victory And Defeat
Mrs Minister
Don´t Want To Be Born
The Final Silence
Warriors Of Midgard
Midvinterblot
Into Glory Ride
Hammer Battalion
Victims Of War
Black Horizon
Death Metal Victory
Before The Creation Of Time
Wie erwartet sehr gut präsentierten sich Unleashed, denen man auch nach all den Jahren, in denen sie schon im Business sind, in keinem Punkt anmerkt, dass sie schon so lange dabei sind. Krisiun haben sich als Macht bewiesen, die fortan von nichts und niemandem unterschätzt werden sollte. Die lokalen Opener Mourning Caress sowie die Newcomer von Commander haben ebenfalls sehr positiv überrascht.
Unterm Strich bleibt ein sehr positives Resümee zu diesem Abend der Hammer Battalion Tour.





