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Donnerstag, 02. September 2010
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UFO

Mr. Big im Konzert (Köln, September 2009)

130 Minuten Action: Mr. Big

Mr. Big auf großer Reuniontour“ – fett prangt es auf dem Tourplakat für die Show in der Essigfabrik. Nachdem sich Anfang Februar wieder die Originalbesetzung um Eric Martin (voc), Paul Gilbert (git), Billy Sheehan (b) und Pat Torpey (dr) zusammenraufte, wurde eine Welttournee geplant. Die deutschen Fans hatten beziehungsweise haben zweimal die Chance, der Gelegenheit beizuwohnen.

In der Essigfabrik tummelten sich sodann auch um die 1000 Fans, durchaus auch weit aus dem Norden nach Köln gereist. Schon eine Stunde vor Werkstoröffnung stand schon eine längere Schlange vor dem Eingang und wartete geduldig. So warteten friedlich der beinharte Metaller im Nile-Shirt neben dem ergrauten Mann älteren Semesters, es gesellte sich die flippige mehrfarbige 20-Jährige neben der beschaulichen Altrockerin. Die bessere Seite der Schöpfung – sprich: Frauen – stellten einen nicht unbeträchtlichen Anteil im Publikum.

Kurz nach acht ertönte das Swing-Info, welches nach kurzer Zeit direkt in den Track „Daddy, Brother, Lover, Little Boy“ überging. Ein straighter Rocker, der perfekte Einstand, sind doch alle Trademarks von Mr. Big hier vereint: virtuoses Gitarrenspiel, faszinierende Bassläufe, songdienliche Drums und ein sehr starker Mann am Mikro, Eric Martin. Die Fans waren von Anfang an in Feierlaune, am Sound gab es nur wenig zu bekritteln, an der Lightshow allerdings schon ein wenig mehr.

In den folgenden gut 130 Minuten (!) wurde die Classics nur so rausgehauen. Neben „Green Tinted Sixties Mind“, dem ersten Track der ersten Scheibe „Addicted To That Rush“ gab es das balladeske „Just Take My Heart“ gespielt. Erst nach dem Argent-Cover „Hold Your Head“ folgte die erste richtige Ansage ans Publikum, Eric freute sich über das zahlreiche Erscheinen, schließlich wären sie ja seit 16 Jahren nicht mehr hier gewesen.

Zwischen den Tracks gab es dann – wie nicht anders zu erwarten war – genügend Gelegenheit, dem Saitenhexer und Grimassenschneider Gilbert auf die Finger zu schauen. Den obligatorischen Kopfhörer lupfte er lediglich um seine Ohren vom Applaus umschmeicheln zu lassen – und davon gab es reichlich. Es wurde aber auch reichlich gehüpft, geträumt und geschmust, nur selten sah man ein paar Haare fliegen. Aber dazu ist ja der stark bluesige Rocksound von Mr. Big auch nicht geeignet. Die leicht rauchige Stimme vom Fronter hauchte den Songs sehr viel Leben, Gefühl und Passion ein, nur die hohen  Stimmlagen saßen nicht. Vielleicht gilt es hier, dem Alter Tribut zu zahlen, vielleicht litt aber die Stimme auch schon von den anderen Shows; kein Wunder, wenn Mr. Big immer so lange auf der Bühne stehen.

Die Stimmung war durchweg auf hohem Temperaturniveau, die ganzen „whoohoo’s“ zur Einleitung bei „Temperamental“ wurden dankbar aufgenommen und der Band zurückgeschleudert. Mr. Big glänzten mit großer Spielfreude, die Musiker flirteten viel miteinander, allerdings waren die Bühnenbereiche wohl fest aufgeteilt. Nur Sänger Eric pendelte mal von der Mittelposition herüber zu Paul, irgendwann zu Billy, nicht wirklich spektakulär. Ab und zu trafen sich Bass und Gitarre und lieferten sich musikalische Duelle. Wer Zeuge dieser leichten Fingerfertigkeit wurde, dachte sicherlich darüber nach, die eigene Karriere an den Nagel zu hängen, denn dieses Niveau ist nur selten zu erreichen.

„It’s for you – Mars“ wurde klatschend eingeleitet – von den Fans dankbar kopiert, während der Song auf der Bühne mehrstimmig lediglich mit Schlagzeugunterstützung und Tieftonakzenten Fahrt aufnahm. Eric setzte sich auch mal kurz auf das Drumpodest und schaute von dieser Position auf ein weiteres Gitarren-Bass-Duell. Und damit wird auch gleich ein fetter Kritikpunkt angesprochen: Diese Gitarrensoli und Bassfrickeleien wurden bis auf das Äußerste ausgereizt. Gerade gegen Ende konnte man schon entnervte Stimmen wie „schon wieder“ in den hinteren Reichen hören – hier wäre wohl eine Beschränkung sinnig gewesen. Ein oder zwei Songs mehr hätten den Fans sicherlich besser gefallen.

Solche Konzerte leben aber auch häufig von den kleinen Gesten. Da dachten einige Besucher  doch glatt mal an den Busfahrer und Merchverkäufer und spendierten etwas zu trinken, bei keiner Ballade sah man die schmalzigen Feuerzeuge oder gar als Leuchtersatz Mobiltelefone, da wurden für kurze Zwischensoli Szenenapplaus spendiert.

Und Mr. Big kehrten sage und schreibe dreimal auf die Bühne zurück, begannen den ersten Zugabeteil mit dem Klassiker „To Be With You“ und beendeten den Konzertreigen mit „Baba O’Riley“ und „Blame It On My Youth“ – am Ende doch kurzweilige 130 Minuten.

 

Setlist:

Daddy, Brother, Lover, Little Boy
Take Cover
Green Tinted Sixties Mind
Alive And Kickin’
Next Time Around
Hold Your Head Up
Just Take My Heart
Temperamental
It’s For You – Mars
Pat Torpey drum solo
Price You Gotta Pay
Wild World
Take A Walk
Paul Gilbert guitar solo
Double Human Capo
The Whole World’s Gonna Know
Rock & Roll Over
Billy Sheehan bass solo
Addicted To That Rush
To Be with You
Colorado Bulldog
Shyboy
Baba O’Riley
Blame It On My Mouth

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