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Kreator, Celtic Frost, Legion Of The Damned, Watain im Konzert (Berlin 2007)

Da muss ich meinen kleinen Konzertrückblick mit einer schlechten Nachricht beginnen. Leider gibt es keine Bilder vom Liveevent zu bestaunen, weil die Promotionagentur zwar zwei Gästelistenplätze klar gemacht hat (vielen Dank noch mal dafür), jedoch bei dem einen vergessen hat, den Fotopass mit anzumelden. So mussten wir die extra eingeschleuste Kamera bei der Security abgeben. Daher könnt ihr euch heuer nur an Worten erfreuen und müsst auf visuelle Gaumenfreuden verzichten.

 

Kreator sind ja nicht erst seit gestern mit dem „Enemy Of God“-Album unterwegs. Und was macht eine Band, wenn sie doch mehr als ein Mal mit dem gleichen Album durch die Gegend schippert? Richtig, sie peppt den Support auf und kommt mit Bands auf erneute Gastspielreise, die nicht minder angesagt sind wie der Headliner. Sicherlich in anderen Größenordnungen, aber immerhin. So kann sich der Co-Headliner Celtic Frost sicherlich nicht über zu wenig Aufmerksamkeit in den letzten Monaten beschweren. Oder aber die Senkrechtstarter von Legion Of The Damned. Die gewaltige Werbemaschinerie des Labels hat den Namen der Band extrem schnell populär gemacht und jeder noch so junge/alte Metalfreak hat den Namen schon einmal gehört oder die Band auf einem der beackerten Festivals im Jahr 2006 gesehen. Aus der Reihe fallen bei dem Package eigentlich nur die Blackies von Watain. Doch manchmal ist ja so ein Stilbruch in einem Tourpackage ganz sinnvoll und abwechslungsreich.

 

Was mich bis heute zum Fluchen bringt ist die Tatsache, dass Watain 15 min. vor dem eigentlichen offiziellen Beginn (Homepage des Columbia-Club, Flyer) auf die Bühne müssen. Vielen Dank für die Running Order, die dann an der Kassenscheibe befestigt wurde. Leider liest derjenige das Teil nicht, der noch ein wenig abseits steht und sich mit einem kleinen Bier auf den Abend einstimmt. Es ist jedes Mal dasselbe in dieser Location. Zum kotzen.

 

So verpasste ich dann zwei Songs von Watain, die zwar ihre umgedrehten Kreuze auf die Bühne geschafft haben, jedoch heute auf Geruchsbelästigungen durch altes Schweineblut dankend verzichteten. Wer soll das auch aushalten im Tourbus? Im Gegenzug ist speziell das neue Album „Sworn To The Dark“ mehr als nur sehr gut auszuhalten. Wie auch schon auf Platte tönt es fett und klar aus den Hallenboxen. Dabei fällt sofort der Qualitätsunterschied zwischen neuen und alten Songs auf. „Sworn…“ ist ein Hammeralbum und eignet sich besonders live für so manchen steifen Nacken am nächsten Morgen. Hut ab auch für die Liveperformance, die es besonders an hand der Tatsache zu loben gilt, dass nicht gerade viele Anwesende mit Watain etwas anfangen können. Die-Hard-Fans sind natürlich in den ersten zwei Reihen auszumachen, welche mit gestreckten Pommesgabeln nicht geizen. Doch muss ich ehrlich gestehen, dass ich mit ein paar mehr Fans gerechnet hätte, die Watain ihren Respekt zollen. Überzeugt haben mich die Schweden definitiv. Ob sie durch die Tour neue Fanscharen erobern konnten wage ich zu bezweifeln. Ein fettes Black/Death-Package wäre wohl effektiver und sinnvoller gewesen.

 

Dass es Legion Of The Damend im Grund vollkommen egal sein kann, wo und in welchem Rahmen sie ihre Thrashgranaten abfeuern, dürfte wohl jedem klar sein. Die Band weiß einfach aufgrund jahrelanger Erfahrung, was sie zu leisten im Stande ist. Und das ist, den zahlenden Fans eine absolut tighte und professionelle Show zu bieten, ohne jedoch irgendwie routiniert zu wirken.

Die Steigerung der Reaktion zu Watain waren mehr als deutlich. Die erste Hälfte der Halle hatte die Legion der Verdammten einfach nur durch ihre bloße Anwesenheit auf ihrer Seite. Dass die Herren die Tour nutzen, um ausgiebig das neue Album zu promoten, dürfte wohl klar sein. Und mit dem Opener „Son Of The Jackal“ wird das auch gleich gebührend zelebriert. Dabei und danach war dann auch kollektives Ausrasten vieler Zuschauer angesagt. „Werewolf Corpse“ vom Debütalbum tat danach sein Übriges. So steigerten sich die Masse von Song zu Song und als nach knapp 30 Minuten Schluss war, wollten die „Zugabe“-Rufe nicht abebben. Leider verpufften diese ungehört, da der Zeitplan des Konzertes sehr eng gesteckt war. Trotzdem eine wirklich geile Show. Ich freu mich schon auf irgendein Sommerfestival, wo Legion Of The Damend die Bühne rocken werden. Laut Tourplan werden sie ja so manches Open Air beackern. Gut so.

 

Anscheinend zur Einstimmung auf Celtic Frost prangte deren Logo bereits während des Auftrittes von Legion Of The Damend groß und fett an der hinteren Bühnenwand. Und nach knapp 20 Minuten hatte es dann dort endlich auch seine Daseinsberechtigung. Die fett gefüllte Halle begrüßte die Schweizer verhaltener als das noch bei Legion Of The Damend der Fall war. Erstaunlich für einen Co-Headliner. Doch worauf die Vorbands weitestgehend verzichten mussten, wurde bei Celtic Frost vollends ausgereizt: die Lichtshow. Passend zu den atmosphärischen Songs ist die Bühne mal in blau, mal in grün getaucht. Dazu der sehr verhallt abgemischte Gesang und fertig ist die Gänsehaut. Jedenfalls bei vielen Anwesenden. Außer bei mir. Auch wenn ich der Band eingestehen muss, dass sie einen sehr großen Einfluss auf die Metalszene hatte, kann ich mit deren Sound jedoch nur bedingt etwas anfangen. Klar gibt es auch Songs, die mir ins Bein gehen. Klar finde ich die Atmosphäre auf Platte sowie auch live beeindruckend…doch mehr nicht. Zuerst halten sich Celtic Frost mit Ansagen angenehm zurück. Warum angenehm? Weil mir das Gebrabbel vom Bassisten danach echt auf den Zeiger ging. So gibt er uns nette Anekdoten über seine Anwesenheit am Sterbebett seiner Mutter zum Besten (in einer katholischen Kirche…dabei kam ihm die erleuchtende Erkenntnis: „Es gibt keinen Gott“) oder philosophiert über lebende Tote. Naja. Tom Warrior hält sich einfach mal aus all dem Gequassel heraus und beschränkt sich auf eine ordentliche Liveperformance. Nach 70 min wurde dann der Stecker gezogen und Platz gemacht für Kreator. Ich für meinen Teil war froh, als es dann doch endlich vorbei war. Und nicht wenige im Vorraum des Columbia-Clubs auch. Die Reaktionen nach dem Gig waren jedenfalls deutlich schwächer als bei ihrem direkten Support. So kann’s gehen. Trotz allem eine solide Leistung.

 

Nach einer relativ kurzen Umbaupause hämmerten sich dann Kreator als würdiger Headliner 80 min. durch neue Grananten und alte Klassiker. Mit „Kreator, Kreator“-Sprechchören wurde die Band empfangen und mit Spielfreude und Enthusiasmus antworteten die Thrashveteranen darauf. „Violent Revolution und „Pleasure To Kill“ bekam die Meute als erstes vor die Füße geworfen und dankbar wurde jede Note verschlungen. Obwohl Mille bei den ersten Songs eher wie ein Black Metal-Derwisch kreischt, liefert er neben seinen Mitmusikern einen perfekten und agilen Job ab. An dieser Band kann sich jede junge Combo noch eine Scheibe abschneiden. Warum sind Kreator noch immer ganz oben und das nach so vielen Jahren und so vielen Alben? Geht zu einer Liveshow von denen und ihr bekommt die Antwort. Auch wenn ich die Lichtshow als Untermalung bei Celtic Frost schon gelobt habe, muss ich das bei Kreator noch einmal tun. Wirklich fantastisch. Das alles abgestimmt mit der permanent im Hintergrund flimmernden Videoleinwand, wo die einzelnen Songs bildlich noch untermauert wurden. Mit dem Titelsong der letzten Platte „Enemy Of God“ haben Mille und Co. einen wirklich Hit am Start, den sie auch gleich als drittes abfeuern. Und zwischen den Songs immer wieder die gleichen Sprechchöre. Besonders laut wurde es, als Mille auf die derzeit grassierende „Seuche“ (O-Ton Mille) des Nazi-Metals zu sprechen kam. Den passenden Song gab’s gleich hintendran.

Fetter, druckvoller und glasklarer Sound, eine tight und agil wirkende Band, eine ausgewogene und sorgfältig ausgesuchte Setlist mit vielen alten „Krachern“…geht’s besser? Ich glaube nicht. Mein Haupt tief gebeugt verlasse ich die Halle.

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