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Grapeshot: The Scene

Neu auf Spaniens Metal-Landkarte
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Wer an Thrash Metal aus Spanien denkt, dem fällt wohl ohne Schwierigkeiten das Quartett Angelus Apatrida aus dem südöstlichen Albacete ein. Mit Grapeshot drängt sich nun eine neue Truppe aus dem Reino de España ins Bewusstsein, zwar noch nicht so massiv wie oben genannte Truppe, aber auch auf dem Thrash-Pfad, wobei die Madrilenen deutlich mehr auf die Groovevariante setzen und dieses nun auf dem Debüt „The Scene“ in Langspielform vorstellen.

Schnell erst noch ein paar Eckdaten über die den meisten noch völlig unbekannten Spanier: Grapeshot gründeten sich im Jahre 2009, hatten erst wie üblich mit ein paar Line-Up-Schwierigkeiten zu kämpfen und veröffentlichen mit „Blinding Moon“ 2011 eine erste Single. Zwei Jahre später legten sie dann mit „Sons Of Betrayal“ eine 4-Track-EP nach. Für das Full-Length-Debüt schraubte das Quintett schließlich bis auf die 2011er Single komplett neue Songs zusammen, die über alles eine Spielzeit von fast 36 Minuten einnimmt.

Genauso wenig wie an neuen Songs haben sie auch an der Produktion gespart, denn die CD ballert mit angenehm druckvollem Sound aus den Boxen, ohne die gewisse klirrende Kälte moderner Produktionen. Zwar darf der Grapeshot-Neueinsteiger hier nicht die ultimative Thrashrevolution und Neuerfindung erwarten, die Spanier aber haben mit „The Scene“ ein schönes, grooviges, häufig auch sehr aggressives Debüt abgeliefert. Der Opener und Titeltrack „The Scene“ gilt dann auch schon gleich als Thrash-Groove-Synonym für die komplette Scheibe, in die sie ohne Intro direkt mit einem fetten Riff starten, in den Powerfaust-Part übergehen und Frontmann Esteban mit harschen, aber auch klaren Vocals vollauf überzeugen kann. Zwischendurch nehmen sie sogar ein wenig den Riffsprengstoff heraus und legen einen an Metallica zu schwarzen Albumzeiten angelehnten Rockabschnitt hin.

Einen Gegensatz liefern die Spanier dagegen mit dem per Bass eingeleiteten „You Wouldn't Let Me Go“ ab, wo sich der rockige Rhythmus ganz locker vom Rest des Albums abhebt und eine schöne Abwechslung mit groovigem Tiefgang anbietet, zumal Sänger Esteban mit einer schönen, mit reichlich Sehnsucht gefüllten Gesangsmelodie entführt und das tolle Gitarrensolo einmal mehr einen hervorragenden Akzent setzt, bevor der Bass dann auch wieder die letzte Takte dominiert. Bei „Fornicage“ dagegen thrashen sie wie ein Überfallkommando los, packen aber zügig auch wieder die Groovekeule aus, um schlagartig wieder schon fast mit neuem Bandgeschwindigkeitsrekord loszuballern – abwechslungs- und doublebassreiche Nummer.

Die Songs leben häufig vom Gesang Estebans, wie z.B. auch in „Zombies“, wo allerdings die Einleitung, die auch noch eine gute Minute anhält, nervt. Die an sich witzige Sprecheinlage ist einfach zu lang und nimmt erst einmal den gerade aufgebauten Schwung des Openers wieder heraus. Der Titel „Zombies“ lässt zwar oberflächlich vermuten, dass hier kurzerhand im Goregenre gewildert wird, vielmehr aber klagen Grapeshot hier das alltägliche Wegsehen, das sich kritiklos Belabern-lassen, an. Die Spanier bieten hier eine Up-Tempo-Nummer mit groovigen Gitarren und massivem Double-Bass-Einsatz, die im Wesentlichen von dem aggressiven Gesang und dem famosen Gitarrensolo lebt. Und wenn schon überall im Netz Pantera-Vergleiche herhalten müssen, dann sind diese locker hier in den ersten Abschnitten durch das abgehackte Gitarrenspiel zu erkennen. Im Refrain bauen Grapeshot dann auf mehr Eingängigkeit, Esteban singt hier auch wieder sauber und geordnet und haut eine schöne melodische Gesangslinie heraus und das sehr gefühlvolle Solo wird vom massiven Double-Bass-Einsatz kontrastiert, bis sich alles im heftigem Thrashfinale ergießt.

Mehr ein „hossa“ als ein „olé“, denn Grapeshot zeigen sich gut und innovativ genug, um dem Thrash-Groove-Metal-Genre auch heute noch ein starkes Album beizufügen. Um den Bekanntheitsgrad zu steigern, müssen sie zwar noch an ihrer Selbstvermarktungsstrategie arbeiten, da sie aktuell immer noch ohne Label sind, doch das dürfte sich spätestens zum nächsten Release erledigt haben. Thrashheads sollten sich aber den DIY-Spirit nicht verbauen und den Madrilenen eine „The Scene“-Chance geben.

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