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Blind Guardian, Astral Doors im Konzert (Düsseldorf 2006)

Schon Wochen vor dem Blind Guardian Konzert am 13.09.2006 in der Düsseldorfer Philipshalle war die Euphorie und die Vorfreude bei den Fans riesig. Es war schließlich auch eine lange Durststrecke, welche die Fans hinnehmen mussten, da die letzte Europatour ja bereits mehr als vier Jahre zurücklag. Aber der Hauptgrund für die Euphorie hinsichtlich des Blind Guardian - Heimspiels dürfte die Ausnahmeleistung der Band 2002 an genau diesem Ort sein. Die Stimmung damals war phänomenal und somit die unglaublichste, die ich konzerttechnisch jemals erleben durfte. Besonders imposant waren die 20minütigen Ovationen, welche der Band nach dem Spielen des “Bard Songs” entgegenschallten und ein Weiterspielen unmöglich machten. Hierdurch erlangte dieser Auftritt absoluten Kultstatus.

 

Doch zurück in die Gegenwart; obwohl meine Vorfreude auf dieses Konzert groß war, habe ich natürlich nicht damit gerechnet, dass die Band dem noch eins draufsetzen könnte, was auch daran lag, dass viele Besucher der vorhergehenden Konzerte berichteten, dass Hansi stimmlich nicht ganz auf der Höhe sein solle. Sie glaubten an Ursachen wie eine Erkrankung oder das zunehmende Alter der Band. Hierzu allerdings später mehr.

 

Astral Doors:

 

Den Anfang machten, pünktlich wie die Maurer, die Schweden von Astral Doors, von denen ich bislang rein gar nichts gehört hatte. Umso mehr war ich über den großen Jubel verwundert, den viele Fans in der nahezu ausverkauften Philipshalle den fünf Mannen zu Beginn ihres 40minütigen Auftritts spendeten. Dass dies allerdings nur das Resultat der allgemein guten Stimmung und vor allem der Blind Guardian - Hysterie war, zeigte sich bereits beim folgenden Song. Zwar gaben sich Astral Doors redlich Mühe, das Publikum für sich zu gewinnen, doch musikalisch konnte ihr dröger True Metal mit starkem 80’s Rockeinschlag nicht überzeugen. Gut, es gibt bei weitem schlechtere Bands und die technischen Fähigkeiten der Musiker waren auch nicht von schlechten Eltern, doch ob Astral Doors jemals für großes Aufsehen sorgen werden, wage ich arg zu bezweifeln. In einem Genre, in dem es so viele Szenepioniere und Ausnahmebands gibt bzw. gab, können sie in der präsentierten Form wohl kaum Akzente setzen. Das Publikum blieb dennoch höflich, obwohl man in der Umbaupause doch einige böse Wörter über den Support - Act zu hören bekam.

 

Blind Guardian:

 

Eine halbe Stunde später war es dann endlich soweit. Das Saallicht erlosch, die nervige Pausenmusik verstummte und das übliche Intro “War Of Wrath” erklang. Bereits zu diesem Zeitpunkt herrschte Ausnahmestimmung in der Halle und spätestens beim folgenden “Into The Storm” gab es kein Halten mehr. Es wurde lauthals mitgesungen und auch auf den Tribünen saß nun niemand mehr auf seinem Platz. Schon zu Beginn griffen die phänomenale Lichtshow und die wunderbaren Projektionen, welche ja schon im Vorfeld angekündigt waren. Waren Projektionen in der Vergangenheit oftmals nur lächerliche Fragmente von Musikvideos oder irgendwelche textlich untermalten Promobilder, haben Blind Guardian mit ihren atemberaubenden und abwechslungsreichen Bildern, Videos oder Zeichnungen neue Maßstäbe gesetzt. Auch die Setlist wurde clever ausgewählt, denn anstatt sich vornehmlich auf neue Songs zu fokussieren, standen die alten Hits der Bandgeschichte im Mittelpunkt des Geschehens, so z.B. “Bright Eyes”, “Lord Of The Rings” oder “The Script For My Requiem”. Mit “Fly”, “This Will Never End” und “Another Stranger Me” gab es lediglich drei Songs vom aktuellen Album “A Twist In The Myth” zu hören, die bei den Fans sehr unterschiedlich ankamen. “Fly” wurde abgefeiert als gäbe es kein morgen und entwickelte sich live zu einem echten Gassenhauer. “This Will Never End” hingegen markierte den Tiefpunkt der Stimmung, was auch daran lag, dass dieser Song, der mir auf dem Album wirklich sehr gut gefällt, in der Live-Präsentation nicht überzeugen konnte. “Another Stranger Me” lag irgendwo hier zwischen, wobei ich es eh mehr begrüßt hätte, wenn die Band “Otherland” gespielt hätte, da dieser Song vielleicht der beliebteste und beste des neuen Albums ist. Klasse hingegen war der Sound, der druckvoll und perfekt abgemischt war, wenngleich man so auch nicht ganz die leichten Stimmprobleme von Hansi kaschieren konnte. Er gab jedenfalls alles für die Fans und selbst wenn der ein oder andere Ton etwas daneben lag, habe ich mir diese Probleme viel stärker vorgestellt. Generell wirkte die Band spritzig und hatte sichtlich Spaß an diesem Konzert. Neudrummer Frederik Ehmke machte auch einen formidablen Job und wenn man einmal bedenkt, dass er erst seit so kurzer Zeit dabei ist, muss man Blind Guardian ausdrücklich zu dieser Verpflichtung gratulieren. Es ist ihm gelungen, den Flair zu erhalten, der Stücke, wie das wahnsinnig abgefeierte “Valhalla” oder das nicht eingeplante, aber lautstark geforderte “Majesty” ausmacht. Nach 90 Minuten und einer fantastischen Version von “And Then There Was Silence” verließen Blind Guardian die Bühne, aber natürlich war jedem klar, dass die Band wohl kaum ihre Fans ohne Spielen des “Bard Songs” nach Hause schicken würde. Auf diesen mussten sie sich allerdings noch etwas gedulden, da der erste Zugabenblock neben “Another Stranger Me”, mit den Klassikern “Imaginations From The Other Side” und “And The Story Ends” versehen war. Doch allmählich wurden die Rufe der Fans lauter und so kamen sie wenig später in den Genuss ihrer Hymne, die wie nicht anders zu erwarten war, hauptsächlich von den Fans getragen wurde. Die Gesänge dieser waren sogar so laut, dass man von den Akustikgitarren gar nichts mehr hören konnte. Gänsehaut pur und der lang anhaltende Applaus bestätigte nochmals, wie sehr die Fans diesen Song lieben. Aber es fehlte doch noch etwas, nämlich “Mirror Mirror” und wieder forderten tausende Stimmen diesen Hit, der am Ende eines tollen Konzerts stand. Völlig erschöpft, aber ausgesprochen glücklich verließen die Fans die Halle und noch lange nach dem Auftritt hörte man diese in den Gängen und auf dem Parkplatz laut “Valhalla” singen. Blind Guardian haben alles richtig gemacht und es war wieder eine wahnsinnige Freude, sie live in Aktion zu sehen. Hoffentlich hält die Band ihr angekündigtes Versprechen, bald wieder die Hallen Deutschlands zu beglücken, denn noch einmal möchte wohl niemand vier Jahre auf dieses Erlebnis warten. A night to remember...

Setlist:

1. Intro (War Of Wrath)

2. Into The Storm

3. Born In A Mourning Hall

4. Nightfall

5. The Script For My Requiem

6. Fly

7. Valhalla

8. Time Stands Still (At The Iron Hill)

9. Bright Eyes

10. Lord Of The Rings

11. This Will Never End

12. Majesty

13. Lost In The Twilight Hall

14. And Then There Was Silence

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15. And The Story Ends

16. Another Stranger Me

17. Imaginations From The Other Side

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18. The Bard's Song (In The Forest)

19. Mirror Mirror

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