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Antarctigo Vespucci: Love In The Time Of E-Mail

Hinterlässt einen recht oberflächlichen Eindruck

Um die Geschichte von Antarctigo Vespucci zu verstehen, muss man ein bisschen weiter ausholen: 2013 trennte sich die Indie-Truppe Fake Problems, Songwriter Chris Farren stand nach acht Jahren ohne Band da, suchte sich im Big Apple mit Bomb The Music Industry!-Fronter Jeff Rosenstock einen partner in crime und gemeinsam wurde aus dem Nichts die EP „Soulmate Stuff“ herausgebrochen, der bald „I‘m So So Tethered“ und das Debütalbum „Leavin‘ La Vida Loca“ folgten. Mit dem neuen Album „Love In The Time Of E-Mail“ scheinen Antarctigo Vespucci also endgültig den Status eines Nebenprojektes abgeschüttelt zu haben und bedienen sich nicht nur wieder der Verballhornung eines berühmten Entdeckers, sondern klauen auch noch bei der Literatur.

Recht poppig, aber dafür zum Teil beinah unterträglich ohrwurmig gestalten sich die 13 Stücke auf „Love In The Time Of E-Mail“, das startet schon beim zweiten Track „Kimmy“ (den Opener „Voicemail“ hätte man sich in seinem jetzigen Zustand übrigens getrost sparen können) mit seinen zuckrig-perlenden Introsamples, die Klebrigkeit pflanzt sich dann fort bis in den – wie gesagt – erbarmungslosen Ohrwurmrefrain. Kurz darauf beim Geschirr spülen ertappt man sich dann tatsächlich wie man die Melodie noch mal summt… unmöglich, dem zu entkommen.

Ähnlich geht‘s weiter, wer sich für die Poppunk-Bands der 2000er begeistern kann, bei denen man sich immer fühlte, wie auf dem Soundtrack zu einem „American Pie“-Film, der wird sich hier ganz wohl fühlen. Ein bisschen unglücklich gewählt ist der Sound aber dennoch, denn Rosenstock und Farren scheinen einiges zu sagen zu haben, verpacken ihre Lyrics aber in größtenteils recht oberflächlich wirkenden Tracks – ein schönes Beispiel dafür ist „Breathless On DVD“, das sich auch wieder wie ein Holzwurm ins poröse Hirngeflecht bohrt und sich dort festsetzt, aber wirklichen Tiefgang doch irgendwie vermissen lässt.

So breitet sich ein ganz merkwürdiges Gefühl im Schreiberling aus, während die Platte zum dritten Mal durchläuft. Tracks wie „So Vivid!“ haben nämlich durchaus das Potential, die Liste der Anspieltipps zu bereichern – allein, nachdem der Refrain zum zweiten oder dritten Mal durchgelaufen ist, fangen die Nerven an zu vibrieren und man ist auf einen Schlag richtiggehend genervt vom vorherrschenden Sound. Dennoch will man die Amis nicht ohne Tipps dastehen lassen, denn wirklich schlecht ist die Scheibe ja nun auch nicht – vielleicht eher wie eine Familienfeier: Es gibt schöne Momente, aber man ist nicht traurig, wenn das ganze Spektakel dem Ende zu geht. So landen also letztlich diejenigen Song auf der Anspieltippliste, deren Refrains oder Melodien sich besonders unbarmherzig ins Hirn fortgepflanzt haben. Obwohl: Das trotzige, fast schon wütende und definitiv lärmige „Freakin‘ U Out“ hat dann doch einen besonderen Platz auf dem Treppchen verdient. Hier zeigen die beiden Herren auch mal ihre zynisch-nölige Seite, ohne Kitsch und ohne Kopfputz, dafür schön genervt. Wenn die beiden das zumindest für die halbe Spielzeit hätten halten können, wäre deutlich mehr drin gewesen, so bewegt sich das Trüppchen irgendwo im nebligen Mittelfeld.

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