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Zodiac, RavenEye, Honeymoon Disease im Konzert (Hamburg, September 2016)

Gelungener Tourauftakt im Molotow

Zodiac bringen den Laden zum Schwitzen.

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Zodiac

Bei beiden Bands zuvor war der Sound im kleinen Molotow recht gut und die Male, bei denen der Verfasser dieser Zeilen Zodiac erlebte, hatten auch diese stets einen absoluten Sahne-Klang – da kann doch gar nichts schiefgehen, oder? Nun, anfangs sind Nicks Gitarre und sein Gesang etwas zu leise, aber schnell kommt Ausgewogenheit in die Angelegenheit und nichts steht dem etwa anderthalbstündigen Genuss einer der besten deutschen Bands in der Schnittmenge von Hard- und Blues Rock im Wege.

Dass die Westfalen mit „Grain Of Soul“ ihr mit Abstand bisher härtestes Werk ablieferten, wurde ja schon mehrfach erwähnt und es scheint, als wären die Vier auch sehr stolz darauf und hätten tierisch Bock darauf, dieses ausgiebig an der Livefront zu zelebrieren. Nicht weniger als acht Songs werden von der vierten Platte vorgestellt, angefangen mit dem Doppelpack „Rebirth By Fire“/„Animal“ und mit „Down“ als Höhepunkt, und da quasi „im Gegenzug“ jegliches Material des Vorgängers „Sonic Child“ ignoriert wird, zeigt sich die Setlist in einem wirklich komplett anderen Gewand als die der vorigen Tour. Ein bisschen schade eigentlich, denn „Sonic Child“ hat zweifellos ebenfalls eine Menge Highlights zu bieten, aber lieber eine totale Umstellung als immer die gleiche Setlist mit lediglich ein paar neuen Songs.

Etwas seltsam mutet es an, dass Nick van Delft all seine Ansagen auf Englisch macht, weil er, wie er erklärt, es „hasst, auf der Bühne deutsch zu reden“ und lieber die gesamte Tour in einer Sprache Ansagen machen will. Nun gut, wenn er das vorzieht, soll es einen nicht weiter kümmern, ungleich skurriler wirkt da nur die Tatsache, dass die vorige Band, wie erwähnt aus dem Vereinigten Königreich stammend, mehr deutsche Ansagen gemacht hat als der deutsche Headliner.

Die Stimmung ist mittlerweile ausgelassen, das bunt gemischte Publikum aus Jung und Alt (Randnotiz: Ein gezeichneter Altrocker zieht in einer der Umbaupausen im Innenhof einen recht amtlich aussehenden Joint in höchstens fünf Minuten weg), Männlein und Weiblein (überhaupt ist der Frauenanteil erstaunlich hoch) tanzt, bangt, powerfistet und singt sich in Glückseligkeit und nun ist es, da auch deutlich voller und somit enger geworden, endlich ein echtes Underground-Rockkonzert. Man ist so ekstatisch und eins mit der Band, dass es einen auch nicht weiter stört, dass einen die Leute von der Straße durch die große Scheibe beglotzen können wie in einer verdammten Tierhandlung. Eher hat es sogar ein Gefühl von „Ha, wir sind hier drinnen und genießen geile Mucke, während ihr nur draußen steht, gafft und höchstens die Hälfte mitbekommt“.

Neben dem neuen Album wird er vor allem „A Bit Of Devil“ mit vier Stücken gewürdigt, „A Hiding Place“ wird nur in Gestalt des unverzichtbaren „Free“ berücksichtigt, dafür jedoch hat die Truppe mit „Upon The Stone“ und „Failure“ zwei ältere Nummern von ihrer allerersten EP auf dem Programm und das ist dann schon eine Überraschung, mit der man nicht unbedingt rechnen konnte.

Dass es sich hier um den Tourauftakt handelt, wird dadurch deutlich, dass Nick bei einigen neuen Nummern Textprobleme hat – manchmal setzt er kurz aus oder mogelt sich nuschelnd durch ein paar Zeilen, aber das fällt nicht weiter ins Gewicht und ist nur dann bemerkbar, wenn man gerade genau darauf achtet. Ansonsten ist das Zusammenspiel wie gewohnt tight wie eine Eins und in Windeseile sind plötzlich 14 Songs gespielt und man ertappt sich dabei, wie man auf einmal „Zugabe“ brüllt. Dass das – da bisher noch nicht gespielt – nur „Coming Home“ sein kann, wissen wahrscheinlich auch die, die lauthals nach „Cortez The Killer“ verlangen (was zugegeben auch nicht die schlechteste Wahl wäre). Und als Bassist Ruben Claro zum zweiten Mal nach „Free“ zur Orgel schreitet, ist dann auch jedem klar, dass selbstverständlich nun jenes Epos kredenzt wird. Noch einmal alles herausholen, feiern, brüllen – und anschließend ist ein toller Abend auch schon wieder herum. Zumindest konzerttechnisch; es ist ja Freitag und da geht auf dem Kiez bei vielen der Anwesenden sicherlich noch einiges.

Setlist (ohne Garantie dafür, dass die Reihenfolge stimmt):

Rebirth By Fire
Animal
Free
Sinner
Ain’t Coming Back
A Bit Of Devil
Down
Faithless
Follow You
Failure
Diamond Shoes
Upon The Stone
Horror Vision
Grain Of Soul
-------------------
Coming Home

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