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Zodiac, Jay Smith im Konzert (Hamburg, Oktober 2014)

Hervorragende Zwei-Stunden-Performance für nur 15 Euro

Zodiac

Bei den Westfalen wird es dann natürlich noch etwas kuschliger – wer einen Platz in der ersten Reihe ergattert hat, darf sich glücklich schätzen, denn in so einem kleinen Club ist man quasi beinahe auf Augenhöhe mit den Protagonisten auf der Bühne; mehr Underground geht wohl kaum noch. Es gibt außerdem keine direkte Verbindung zwischen Bühne und Backstageraum, weswegen die Musiker sich einen Weg durch das Publikum bahnen müssen, um den Ort des Geschehens zu betreten.

Der Vorteil, wenn die Leute so dicht an dicht stehen: Die Atmosphäre ist eben noch intensiver und so ist die Stimmung von Anfang prächtig, sodass auch Sänger und Leadgitarrist Nick van Delft, nachdem die Band nach etwa viertelstündiger Umbauphase zum Intro „Who I Am“ auf den Brettern erscheint, gleich feststellt: „Ich glaube, das wird ’ne Party heute Abend“. Mit „Swinging On The Run“ fällt der Start erwartungsgemäß aus, die Fans können zum ersten Teil ordentlich abrocken, während man sich im zweiten in diesem wundervollen Gitarrensolo fallen lassen kann. Soundtechnisch gibt es auch diesmal von Anfang an eigentlich nichts zu meckern, wer etwas weiter mittig steht, kriegt den Gesang sicherlich etwas kräftiger mit, als wenn man sich ganz vorne befindet, aber Soundbrei, Unausgeglichenheit oder übertriebene Lautstärke scheint es bei diesen Jungs erfreulicherweise wohl überhaupt nie zu geben.

In Form von „Out Of The City“ gibt es gleich noch eine der flotteren Nummern von „Sonic Child“ auf die Zwölf, um die Zuschauer auf Betriebstemperatur zu halten, die auch brav und völlig zu Recht am Feiern sind. Man sieht Zodiac an, dass sie von der Geräuschkulisse und Begeisterung sehr angetan sind, obwohl es sich hier ja wie erwähnt nicht um den ersten Auftritt der Tour handelt. Das Lächeln auf den Gesichtern der Künstler sagt alles, und das arschtighte Zusammenspiel zeugt von Souveränität, ohne dass dies wie kalte Perfektion herüberkommen würde. Allein das Drumming und das Verschmelzen von Rhythmus- und Leadgitarre sind ein einziger Genuss; das Publikum reißt die Band mit und die Band wiederum befeuert mit ihrer Spielfreude das Publikum zu Höchstleistungen.

„Free“, die erste nicht brandneue Nummer, hat sich auch schon fest im Set etabliert, und hier dreht sich Bassist Ruben Claro erstmals zur bereitstehenden Orgel, um das Stück mit einigen entsprechenden wabernden Teppichen zu bereichern. Wenig später klettert dann ein von Nick als Florian Steppke angekündigter junger Mann auf die Bühne und unterstützt die Jungs bei „Leave Me Blind“, wo das Klavier ja eine tragende Rolle spielt. Schön, dass sie diese wunderhübsche Ballade in der extended Version mit fetzigem Mittelpart spielen – übrigens ein sehr gutes Beispiel für eine wirklich bewegende Ballade, die berührt und mit oberflächlichem Kitsch nichts zu tun hat.

Die Mischung, die Zodiac am Start haben, ist wahrlich perfekt: Auf dieses melancholische Kleinod folgt mit „Diamond Shoes“ wieder eine regelrecht peitschende Komposition, die die Leute die Fäuste in die Luft stemmen und die Köpfe auf- und abnicken lässt, bevor das Ganze mit der exzellenten Neil Young-Coverversion von „Cortez The Killer“ nahezu epische Züge annimmt. Die Zuschauer indes werden besonders beim Southern-Rock-Feeling versprühenden „A Penny And A Dead Horse“ gefordert, als Nick verlangt, dass alle lauthals die markante Zeile „so long, so long“ mitsingen.

Über die Songauswahl kann sich keiner beschweren, die Truppe hat sich von der neuen Platte die absoluten Rosinen herausgepickt und die beiden Vorgängeralben werden ebenfalls würdig repräsentiert. Als regulärer Abschluss des Gigs fungiert „Just Music“, bei dem sich noch einmal Florian Steppke hinter die Tastatur klemmt; der Teilzeitkeyboarder hilft übrigens auch bei Soundproblemen aus, denn bei Rhythmusgitarrist Stephan Gall fällt zweimal der Monitor aus, glücklicherweise trübt das die Performance oder gar den Gesamteindruck nicht im Geringsten.

Klar, dass Zodiac schnell auf die Bühne zurückgebrüllt werden, allerdings hätte sowieso niemand das Quartett ohne „Coming Home“ gehen lassen, das – auch schon fast „Tradition“ – bereits zwischendurch vehement gefordert wird, was Stephan dazu veranlasst, mit einem Grinsen im Gesicht einmal in den Zuschauerraum „Kommt noch, kommt noch!“ zu rufen. Um eine kleine Jameinlage erweitert, ist dies aber dann tatsächlich der endgültige Abschluss und so aufgeheizt lässt es sich nun bestens ins Kiez-Nachtleben stürzen. Eine knapp zweistündige hervorragende Performance mit großartiger Setlist hat die Erwartungen schon beinahe übertroffen – und das für einen Eintrittspreis von 15 Euro im Vorverkauf. Zodiac sind derzeit erfolgreicher, als sie je gedacht hätten, und es gibt wohl niemanden heute Abend, der ihnen das nicht von Herzen gönnen würde.

Setlist:

Intro: Who I Am
Swinging On The Run
Out Of The City
Free
Holding On
Leave Me Blind
Diamond Shoes
Cortez The Killer (Neil Young-Cover)
Sonic Child
A Penny And A Dead Horse
Moonshine
Rock Bottom Blues
A Bit Of Devil
Just Music
------------------------
Coming Home

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