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Weto, Temple of Twilight im Konzert (Essen 2007)

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Es war eine Premiere für mich. Nicht, dass Weto spielten, nein, ich war schon auf ein paar Konzerten der Jungs. Neu war einfach bei einem Tourauftakt dabei zu sein. Das habe ich in meiner ganzen Tourlaufbahn noch nie geschafft. Aber heute hieß es: Wetofrühjahrstour, erster Halt: Essen, Zeche Carl.

Obwohl diese äußerlich einen sehr beeindruckendes Bild abgab und an und für sich ein sehr nettes Ambiente bot, trog doch der Schein und die Hallengröße hatte sich im Vergleich zur Herbsttour nicht sonderlich geändert. Und es waren wieder erschreckend wenige Zuschauer beim Einlass anwesend, der fließend aus dem aus dem lockeren im-Café-Warten übergegangen war. Von der Vorband war auch kein Zeichen zu sehen, sodass man beim interessanten Hintergrundmusikmix aus Punk, Folk und Deutschrock heimlich überlegte, ob vielleicht nicht doch gleich “Der Frontmann” und Alle im Schrank die Bühne stürmten. Aber spätestens als es blau und extrem neblig wurde, begruben auch die Letzten diese Hoffnung.

Als Publikumseinheizer hatten Weto “Temple of Twilight” entdeckt, ein Quintett, das sich den Metal auf die E-Gitarre geschrieben hatte. Objektivbetrachtet sich machten die Jungs, bis auf Andy alle aus dem Ruhrpott stammend, ganz gute Musik. Eine gute Schnittmenge aus Andys talentierten, klaren Stimme am Mikro sowie einem passendem musikalischem Rahmen. Aber irgendetwas fehlte. Das Publikum stand vor der Bühne und wusste, dass es gute Musik hört - und langweilte sich dennoch. Selbiges ist mir einmal bei einem Rotoskop-Konzert passiert und vermutlich ist das der fehlende Funken, von dem immer geredet wird.

 

Der 10-Lieder-kurze Spielplan begann mit “Graveyard” und wenn man trotz schlechter Mischqualität den Keyboarder gehört hat, sieht man ihn nicht, weil er sich auf dem hintersten Fleck der Bühne tarnt; ob Ethan glaubt, dass ihm eine echte Gefahr von der langsam anwachsenden Fanmasse droht, ist niemals geklärt worden. Unweigerlich drängt sich die zweite Frage auf: Wenn man schon ein sehr Manowar-typisches Lied bastelt, warum wird der Refrain nicht wenigstens so betont, dass der Zuhörer ihn nicht mehr los wird? Das ist meines Wissens doch die einzige Stärke dieses Musikstiles und trotzdem singt Andy diesen Teil des Liedes viel zu hoch und zu dünn, als dass er im Gehör bleibt.

“On Your Knees” ist teilweise poppig gereimt (“Joy” auf “Toy“), dafür ist das Keyboard passend und lässt auch über das zu betonte Gitarrensolo hinwegblicken. Andys Stimme klingt wirklich gut, auch wenn sie im Soundteppich aus Gitarre, Bass und Drums versinken zu droht.

Wirklich überraschend ist aber “Through The Rain”, das das Keyboard dominiert und viel Raum für stimmliche Interpretationen gibt. Daumen hoch, auch wenn die synthetischen Geigen erst gar nicht zu hören sind, was dem ganzen aber keinen Abbruch tut, weil sie nur Dees Gitarrenmelodie kopieren und verstärken sollen. Meiner Meinung nach überflüssig.

 

In den durchgängig blau/roten-Nebeleffekten versinkt das Publikum trotzdem bald in eine Trance, die mich nicht einmal mehr sicher sagen lässt, ob nach den Liedern applaudiert wurde. Entertaimentmäßig hat die Band überhaupt nichts drauf, es gibt zwei Ansagen und ein willkürliches CD-Verteilen ans Publikum. Da ist es kein Wunder, dass die Zugabe “Firewalking” nicht gefordert wurde. Die Setlist sah nämlich so aus:

 

01 Graveyard

02 On your knees

03 Through the rain

04 True Faith

05 Misery

06 Redemption

07 Away

08 All the Believers

09 Godforsaken Shore

------------------------------

10 Firewalking

 

 

 

 

Da wurde der anschließende Headliner begeisterter empfangen. In Reihenfolge: Heiner, Ducky, Stefan und Matthias betraten die Bühne und zusammen mit dem Piepen eines Herzrythmusses und Herr Richters Bass beginnt “Koma”. Thomas kommt, mit Sonderapplaus, erst kurz vor Beginn der ersten Strophe und beginnt so routiniert zu singen, dass sich die Frage aufdrängt, ob der Mann in seiner Freizeit noch was anderes macht.. Leider auch gewohnt undeutlich, sodass die Neulinge wohl wirklich nur den Refrain verstanden haben. Macht nichts, dafür gibt’s ja für alle Banausen das Album am Merchandise zu kaufen. “Und wenn das weg ist, gibt’s ein Neues!”.

Neu sind auch, wie vor vier Monaten schon, “Krank”, “Wir” und “Schattenspieler” in der Setlist. Aber erst mal folgt eine typisch rockige “Flucht”, die dem Sänger bereits die ersten Schweißperlen auf die Stirn treibt und der Band ansehen lässt, dass ihnen Weto wirklich Spaß macht. Ducky brilliert an der Gitarre und auch der Rest steht dem Nichts nach. Heiner grinst, nicht wegen der Thematik, an der durch Thomas eindeutige Klopfbewegungen auf die Innenseite seines Oberarmes kein Zweifel gelassen wird, nein, “wegen der Musik”, wie er mir später verrät. Es würde einfach toll sein zu hören, wie alles klappt. Findet das Auditorium auch uns singt ordentlich mit.

In einer Liedpause erzählt der charismatische Sänger, dass man demnächst wieder mit dem Sideprojekt unterwegs sei. Mit lustigen Kostümen und guter Laune. “Darum geht’s heute Abend nicht” - dem “Tier” folgt “Ein Lächeln lang”.

 

Wirklich gespannt war ich nach dem “Schattenspieler zu Wuppertal”, der damals einige Gitarrensuch-/find-/stimmprobleme hatte. Doch heute läuft fast die komplette Setlist glatt durch.

“Wisst Ihr, was scheiße am Verlassenwerden ist? Dass man dann alleine da sitzt. Und dann? Wer schlau war, hat ein Nacktfoto gemacht... Und der Rest muss sich eben mit den Gedanken begnügen”. Natürlich: “Wir”-Thematik, das das Publikum durch häufige Rhythmuswechsel etwas verwirrt, aber trotzdem durch den einprägsamen Refrain überzeug - und damit ist nicht der Text gemeint.

Außer einem kleinen Versinger in “Phantasie” klappt alles so, dass dem Publikum keine Patzer auffallen. Dann geht es in die Verlängerung. Das “Miststück” kennen wir ja bereits, eine wirkliche Überraschung ist “das Lied, das unser Sideprojekt Weto geklaut hat. Guckt mal, ob Ihr es erkennt”. Und nach den ersten Gitarrengriffen ist klar: Es geht hier um den “Feuertanz”! Auch ohne Flöte und Geige eine unglaublich tolle Nummer, die wirklich verdammt gut ins Konzert passt.

Den Abschluss bildet wie immer ein wunderkerzenzelebriertes “In unserer Mitte”. Vorbei ist Weto natürlich erst nach dem obligatorischem Plausch, der sich dieses Mal wirklich zieht, sodass man noch um ein Uhr in gemütlicher Runde im Foyer der Zeche sitzt. Wenn so ein Konzert kein Grund ist, im Sommer mal in Holledau vorbeizuschauen.

 

Setlist:

 

 

Koma

Flucht

Krank

Wieder Allein

Irrlicht

Das Tier

Ein Lächeln lang

Schattenspieler

Wir

Das 2weite Ich

Tief

Phantasie

Wolfsherz

 

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Miststück

Feuertanz

In unserer Mitte

 

(Und weil es ja nie ganz ohne Alle im Schrank geht: In Andernach ließen sich die Herren als Zuschauer blicken.)

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