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Warrel Dane und Tyron im Konzert (Bochum, September 2016)

Wenn Helden gehen müssen...

Warrel Dane ist gesundheitlich ganz schön angeschlagen

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Warrel Dane

Wie sehr ist eigentlich ein Fanherz belastbar? Und wie weit kann man es als Ikone so treiben, ohne irgendwann als blasse Erinnerung für gute Musik zu stehen, aber in der Gegenwart eine zunehmend geringere Rolle einzunehmen? Und darf man nun Warrel Dane, seines Zeichens auch Frontmann von Nevermore und Sanctuary, genau in jenen Reigen an einstigen Idolen einreihen, die schon längst durch und nur noch ein Schattens einer selbst sind? Und inwieweit will man sich als Schreiberling so weit aus dem Fenster lehnen und einem einstigen Vorbild – musikalisch und nicht alkoholisch – überhaupt gerecht werden?

Auf Solo-Tour muss der Gute natürlich erst einmal deutlich kleinere Brötchen backen als noch auf der Nevermore-Abschiedstour 2011, die zumindest mit der Show in Oberhausen ein „überflüssig“ von uns aufgedrückt bekam. Körperlich macht Warrel jedenfalls keinen guten Eindruck, der dürre Schlacks läuft zugedröhnt bis an die Oberkante Unterlippe über die kleine Rockpalast-Bühne und fast geht seine „wisst ihr eigentlich was 169 bedeutet? Ich hab es ja nie erklärt“-Erklärung zu „Evolution 169“ in die Hose, denn aus dem Publikum wird die Zahl mit seinem Körpergewicht von 16,9 Kilogramm gleichgestellt. Zwischendurch legt er sich auch auf der Bühne lang, reißt dabei fast seinen Bassisten  Fabio mit um und landet mit dem Kopf an einem kleinen Mauervorsprung – singt aber auch im Liegen weiter, so viel zur Ehrrettung. Allerdings darf man hinter der gesanglichen Interpretation durchaus das eine oder andere fette Fragezeichen setzen, denn souverän sieht anders aus, auch wenn man immer wieder zwischendurch geneigt ist, sich mit einem „hätte ja auch noch schlimmer kommen können“ selbst Mut zuzusprechen.

Dabei hat Warrel eine richtig geile Backingband am Start, die ja im wesentlichen aus Muckern der Brasilianer Addicted To Pain bestehen, aufgefüllt um Gitarrist Johnny von Hevilan. Souverän zocken sie durchaus das komplette Set durch, doch mehr und mehr beschleicht einem der Eindruck, dass die Vier immer weniger Bock drauf haben, sich den Eskapaden des Frontmannes hinzugeben – so mag man den einen oder anderen unwirschen Blick dann wohl richtig deuten. Spielfreude sieht irgendwie anders aus. Warrel hat sich auch Fabio als zu neckenden Bezugspunkt ausgemacht, der sich irgendwann fast schon zwischen Box und Drumset zurückzieht und häufig gute Miene zum ärgernden Spiel macht. Nebenbei hat Warrel sich aber auch eine Rothaarige rechts vor der Bühne auf den kleinen Stufen auserkoren, um ihr immer wieder ein paar Schmatzer aufzudrücken.

Zugpferd des Abends dürfte dann auch ganz klar lediglich das Album „Dead Heart In A Dead World“ sein, definitiv ein Referenzwerk, welches nun auch schon 16 Jahre sein magisches Potenzial entfaltet. Und genau das kann man dann heute auch im Publikum spüren, denn die unbestreitbar hochklassigen Songs verfehlen auch hier ihre Wirkung nicht. Mitklatschen hier, mitsingen dort, die meisten Fans outen sich als textsicher und „The Heart Collector“ entpuppt sich trotz aller oben beschriebenen Probleme als wahrer Gänsehautlieferant.

Mit dem Titeltrack „Dead Heart In A Dead World“ ist dann aber erst einmal Schluss, Warrel verabschiedet sich noch mit einem „fucking rockstars“ und hinterlässt eine verdutzte Fangemeinde, die erst gar nicht weiß, ob sie nun Zugabe rufen oder gleich abwandern soll. Und tatsächlich leert sich auch schon der Rockpalast, ein paar murmeln gar ein „man müsste glatt das Geld zurückfordern“, doch die vor der Bühne verharrenden Fans raffen sich dann doch zu einem „we want more“ auf, was dann noch mit einer ganzen Latte an Songs nach längerer Pause erfüllt wird. Mit „As Fast As The Others“ gibt es sogar einen neuen Song zu hören, was aber den summa summarum-Eindruck wenigstens noch ein bisschen aufpoliert. Ein paar letzte Bonuspünktchen kann sich Warrel Dane mit seiner „fuck racism“- Ansprache ganz zum Schluss einheimsen, doch die meisten Fans sind einfach nur traurig und werden noch lange an den zu erwartenden Kollaps eines musikalischen Heroen denken.

Setlist:

Intro Precognition
Narcosynthesys
We Dinintegrate
Inside Four Walls
Evolution 169
The River Dragon Has Come
The Heart Collector
Engines Of Hate
The Sound Of Silence (Simon & Garfunkel-Cover)
Insignificant
Believe In Nothing
Dead Heart In A Dead World
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Intro
Enemies Of Reality
The Hanging Garden (The Cure-Cover)
As Fast As The Others
Brother
When We Pray
August
Born

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