Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Waltari, Lord Bishop Rocks im Konzert (Hamburg, Oktober 2015)

Tourauftakt nach Maß

"Young enough to rock, but old enough to know how": Lord Bishop (Foto: Schadenkind).

Zum Thema

Eigentlich sollte die Tour von Waltari ja bereits im Januar stattfinden, aus immer noch nicht näher genannten Gründen jedoch wurde sie zunächst gecancelt und letztlich auf den Herbst verlegt. Vielleicht auch nicht die schlechteste Maßnahme, erschien das neue, bärenstarke Album „You Are Waltari“ doch erst Ende Februar. Wenn man bedenkt, wie viele Songs von jener Platte die Finnen heute Abend zum deutschen Tourauftakt zocken, war es doch vielleicht besser, dass sie die Rundreise erst angetreten haben, nachdem sich die Fans mit dem neuen Material schon mal vertraut machen konnten. Doch mehr dazu später, denn zunächst steht noch der Support  von

Lord Bishop Rocks

an. Da das Konzert erst um neun Uhr beginnt, reicht eine Vorband – immerhin ist es Donnerstag und nicht Freitag oder Samstag – auch vollkommen aus. Schnell stellt sich heraus, dass dieses Trio bestens zum Hauptact passt. Nicht mal unbedingt in musikalischer Hinsicht (aber wer passt da schon, wildern Waltari doch in jedem nur erdenklichen Genre), aber in puncto exzentrisches Auftreten. Zugegeben, ich habe noch nie zuvor etwas von Lord Bishop Rocks gehört, aber diesen beeindruckenden Gig wird wohl keiner der Anwesenden so schnell vergessen. Es scheint den meisten anderen genauso wie dem Autor zu gehen, denn die Reaktionen sind zunächst doch sehr verhalten, der besonders von unserem Jörg so häufig erwähnte „Sicherheitsabstand“ zwischen Zuschauern und Bühne bei eher unbekannteren Kapellen zeigt sich auch hier mal wieder.

Mit zunehmender Spieldauer jedoch tauen die Leute auf, zu überzeugend und interessant ist das Dargebotene. Chef im Ring ist ganz klar Namensgeber, Sänger und Gitarrist Lord Bishop, ein stämmiger, bestimmt zwei Meter messender schwarzer Hüne, mit Hut, Sonnenbrille und Schlaghose ausgestattet und einer Pulle Jack Daniels, die er zwischendurch auch seinen Kumpels reicht, auf seinem Verstärker stehend versorgt, der schon allein durch seine enorme Präsenz imponiert. Bassist Gab „Velá“ Velázquez aber schindet mindestens ebenso viel Eindruck. Prinzipiell agiert er wie ein Rechtshänder, dreht zwischendurch aber auch einfach mal den Tieftöner um und spielt auf links. Zudem entpuppt er sich auch in der Slap-Technik als ziemlicher Könner, hin und wieder greift er auch von oben um den Hals statt von unten oder er hält den Bass vor sich und bespielt das Teil mit dessen Rückseite zum Publikum gewendet. Auch dass er das Instrument bei einer Soloeinlage auf den Boden legt und wie ein Keyboard bearbeitet, ist in seinem Repertoire beinhaltet. Übermäßiges Posing steht bei dem Verfasser dieser Zeilen nicht gerade hoch im Kurs, aber verdammt noch mal – der Kerl hat’s halt einfach tierisch drauf.

Hinzu kommt ein Drummer, der präzise wie ein Uhrwerk trommelt und dabei sowohl Durchschlagskraft und großes technisches Können an den Tag legt. Wie sehr die drei Herren Bock haben, sieht man in ihren Gesichtern, teilweise steigern sie sich regelrecht in die Musik hinein. Sie selbst bezeichnen ihren Stil übrigens als „Hendrixian Motör Funk“ (und ja, die Tüddelchen gehören genau wie bei Motörhead dazu), was zunächst mal ziemlich bizarr klingt, aber irgendwie auch gar nicht so falsch ist. Funk und Rock’n’Roll haben dabei ebenso einen Einfluss wie eine leichte Grunge-Schlagseite (so beim Song „Generation Gone To Hell“ zu hören) und ein recht flächiger Sound. Überhaupt der Sound: Im Logo wird man häufig nicht gerade verwöhnt, doch heute passt das hervorragend; zunächst ist der Gesang des Frontmannes zwar noch etwas zu leise, aber spätestens nach dem zweiten Track ist auch hier die richtige Balance gefunden.

Und das Schöne am Logo wiederum ist, dass man eben sehr nah dran ist. Der Lord pest genau wie seine beiden Kollegen vor und nach dem Auftritt durch den Club und lässt es sich nicht nehmen, bei einem seiner Soli von der Bühne zu steigen und direkt unter der Nase eines Zuschauerpärchens zu zocken – sehr cool. Für diesen Typen ist dies überhaupt genau das richtige Attribut. Man darf es als arrogant sehen, wenn er über sich selbst sagt, er sei der „King of Sex Rock“ oder „young enough to rock, but old enough to know how“, auf der anderen Seite sollte man diese Aussagen des Paradiesvogels wohl auch mit einem Augenzwinkern betrachten.

Äußerst passend abgerundet wird das Konzert schließlich mit einer Coverversion des Hendrix-Hits „Hey Joe“, die zudem ein kleines Schlagzeugsolo (das allerdings eher weniger vonnöten gewesen wäre) enthält. Mittlerweile sind die Zuschauer auch voll dabei, wollen den Abstand zur Bühne allerdings lediglich verringern und nicht ganz aufgeben. Auch wenn die Mitsingspielchen, die der Lord initiiert, eher so lala funktionieren, ist am Ende deutlich zu merken, dass das Gros der Anwesenden äußerst angetan von der Performance ist.

Seite
  • 1
  • 2
comments powered by Disqus

Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann