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Wacken Open Air 2013

Mehr Sonne, weniger Bier

Haben Pyros und Plüschjacke im Gepäck: Rammstein

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Rammstein

Den ganzen Tag wurde die True Metal Stage nicht bespielt und nur für den Headliner freigehalten. Rammstein füllen diesen Slot und wenn man sich die massiven Bühnenaufbauten ansieht, dann wird schnell klar, warum diese nicht anderweitig genutzt werden konnte. Vom Bühnendach hängen fast zehn riesige Scheinwerferbatterien, die an ihren Ketten beweglich sind und in der Höhe sowie im Winkel verändert werden können. Dazu gibt es noch ein riesiges Podest für den Drummer und den Keyboarder. Letzterer hat unter seinen Füßen sogar ein Laufband integriert, damit er bei einigen Liedern im Takt mitlaufen kann. Von der Pyroshow, die nun auf die Zuschauer wartet, wird man auch noch lange sprechen.

Die Band beendet auf dem Wacken Open Air ihre Tour und wird sich nun erst mal eine Weile zurückziehen. Dementsprechend motiviert und enthusiastisch geben sich die Musiker bei dem Auftritt. Als der Vorhang fällt und mit „Ich tu dir weh“ das Konzert beginnt, ist das Infield ziemlich proppenvoll. Bis hinter zu den Eingängen stehen die Fans recht dicht gedrängt. Wenn man in dieser Situation austreten muss, dann kann man dafür je nach eigenem Standort schon mal 20 Minuten einrechnen, vorausgesetzt, man findet seinen alten Standplatz überhaupt wieder.

Als Till Lindemann die Bühne betritt, überrascht er viele Fans wohl im ersten Moment mit seiner pinkfarbenen Plüschjacke, die sich der Sänger trotz tropischer Temperaturen nicht erspart. Der zweitauffälligste Mann der Truppe ist Keyboarder Christian Lorenz. In einen paillettenbesetzten Anzug gekleidet, glitzert der Tastenzauberer wie eine wandelnde Diskokugel.

Die Stimmung geht von Null auf Hundert, woran auch die Pyroshow schuld sein dürfte – gleich zur Eröffnung schießen auf und hinter der Bühne Feuerkugeln wie wild durch die Gegend. Eine große Begeisterungswelle schwappt über den Acker, als der erste Song zu Ende geht. Kommentarlos geht es mit „Wollt ihr das Bett in Flammen sehen?“ weiter. Der Song, der auf der ersten Platte der Band als Opener dient, hat die Massen fest im Griff. Beinahe zwanzig Jahre hat die Nummer nun schon auf dem Buckel.

Bis jetzt hält sich die Feuershow noch verhältnismäßig in Grenzen. Selbst bei „Feuer frei!“ sieht es zu Beginn noch nicht so spektakulär aus – wohlgemerkt, zu Beginn. Als nämlich die letzte Minute des Songs anbricht, geht das Inferno auf der Bühne los. Momentweise scheint sich das Flammenmeer über die komplette Bühne zu erstrecken. Aus Flammenwerfern, aus Pyros am hinteren Bühnenrand – scheinbar überall kommen die Flammenstöße her. Diese Feuerspielchen sind zwar kennzeichnend für Rammstein, dennoch geht es natürlich auch um Musik. Und diese donnert gerade mit unglaublicher Wucht aus den natürlich in großer Menge vorhandenen Boxen. Im Bereich zwischen Bühne und dem FOH-Turm bebt der Boden. Nicht sprichwörtlich, sondern tatsächlich.

Nun wird die Show sehr grenzwertig. Die Kannibalengeschichte „Mein Teil“ zelebriert der Sänger blutverschmiert und mit Kochmütze auf dem Haupt. Wenn man sich überlegt, dass diese Geschichte vielleicht tatsächlich so abgelaufen ist, dann wird die beunruhigende Wirkung dieser martialischen Darstellung nochmals verstärkt. Für Ansagen nimmt sich der Sänger nach wie vor keine Zeit.

Fast schon gehetzt geht es weiter und mit „Ohne dich“, „Wiener Blut“ und „Du riechst so gut“ wird es für eine kurze Phase ein minimales bisschen ruhiger. Wer jetzt aber erwartet hat, dass Rammstein hier einen völlig synthetischen und emotionslosen Auftritt hinlegen, der hat sich schwer geirrt. Bisher konnte sich die Gruppe nicht äußern, weil es immer gleich im Programm weiter geht, aber es ist unschwer zu erkennen, mit welchem Eifer die Musiker ihrem Beruf auch noch nach so vielen Jahren frönen. Dabei ist es in allererster Linie offensichtlich, dass bei Rammstein nichts vom Band kommt. Die große Befürchtung, dass die Band hier nur einen Pseudo-Auftritt absolviert, bestätigt sich in keinster Weise.

Jetzt zieht der Auftritt wieder an. Mit „Benzin“ und „Links 2-3-4“ nimmt die Show wieder deutlich Fahrt auf und die Reaktion aus dem Publikum kommt auf den Fuß. Frenetisch und begeistert hüpft ein Großteil der Zuschauer im Takt mit und lauthals wird der Refrain mitgeschrien – man merkt, dass der Auftritt seinem Höhepunkt entgegen fiebert.

Richtig verstörend wird der Gig bei „Bück dich“. Keyboarder Flake wird auf die Knie gezwungen und Till simuliert eine Penetration mit einem künstlichen Penis. Im Anschluss ejakuliert er erheblich übertrieben und auf einem Podest stehend ins Publikum. Soviel zur Skandalshow, die nun tatsächlich die Grenzen des guten Geschmacks sprengt. „Ich will“ ist dann auch die letzte Nummer des Sets vor der Zugabe und als Rammstein sich verabschieden, schlägt der Band blanke Begeisterung entgegen. Selbst für das als feierwütig und applausstark bekannte Wackenpublikum ist diese Welle der Anerkennung enorm.

Lange dauert es nicht, bis die Band wieder da ist und mit ein paar Songs als Zugabe noch einmal loslegt. Um die Gemüter wieder ein bisschen abzukühlen, gibt es nun eine Pianoversion von „Mein Herz brennt“. Enorm emotional und mitreißend wirkt das Stück auf die völlig begeisterten Fans. Lautstark wird vor allem der Refrain mitgebrüllt. Und nun merkt man auch der Band an, wie begeistert sie von den Fans ist. Die Musiker scheinen ernsthaft beeindruckt von dem Enthusiasmus, der ihnen entgegenschlägt.

Ein weiteres Gimmick gibt es bei „Sonne“. Wie bereits vorab angekündigt, wird nun Heino auf die Bühne gebracht. Till und Heino singen den Song gemeinsam und vor allem im Chorus kann sich der Schlagerstar ganz souverän mit dem Rocksänger messen.

Ein Skandalstück fehlt noch und dieses gibt es nun zu hören: „Pussy“ vom Album „Liebe ist für alle da“ stellt die allerletzte Nummer des Auftritts von Rammstein beim Wacken Open Air 2013 dar und der Song wird natürlich von allen erwartet. Zum Schluss hin reitet der Sänger auf einem riesigen Penis der laufend Schaum ins Publikum ejakuliert. Nach dem Titel bedanken sich die Musiker noch ausgiebig bei den Fans und man merkt der Truppe die Überwältigung über die Reaktionen nun wirklich an. Till Lindemann bedankt sich mehrmals bei den Fans und wirkt sichtlich gerührt. Nun geht die Band wohlverdient in die Live-Pause.   

Setlist:

Ich tu dir weh
Wollt ihr das Bett in Flammen sehen?
Keine Lust
Sehnsucht
Asche zu Asche
Feuer frei!
Mein Teil
Ohne dich
Wiener Blut
Du riechst so gut
Benzin
Links 2-3-4
Du hast
Bück dich
Ich will
Mein Herz brennt
Sonne
Pussy

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