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Wacken Open Air 2013

Mehr Sonne, weniger Bier

Live immer noch eine Bank: Deep Purple

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Deep Purple

Zum ersten Mal sind die Altrocker aufs Wacken Open Air eingeladen worden und deren Verpflichtung war sicherlich schon überraschend, schließlich agieren die meisten hier antretenden Bands doch eine Stufe härter. Immerhin aber eine gute Gelegenheit, dem Nachwuchs mal eine der wichtigsten und einflussreichsten Hard-Rock-Formationen überhaupt nahezubringen. Obwohl das neue Studioalbum „Now What?!“ die Spitzenposition in den deutschen Albumcharts erklimmen konnte, stellte man sich im Vorfeld trotzdem die Frage, ob die meisten im Publikum tatsächlich eine Ahnung haben, welch eine Legende da auf der Black Stage steht. Doch letztlich ist es doch ziemlich voll und vor der Bühne wird gefeiert und immer wieder mitgeklatscht.

Mit Recht, denn die Band zeigt in jedem Fall in beeindruckender Manier, dass sie live immer noch absolut tight zocken kann und bietet wie man erwarten konnte eine Mischung aus alten Klassikern und ein paar Stücken von erwähnter neuer Platte. Diese wurde vom Verfasser dieser Zeilen mit fünf Punkten abgewatscht (im Nachhinein betrachtet vielleicht etwas zu hart, aber ich bleibe nach wie vor bei der Ansicht, dass die Scheibe insgesamt einfach nicht rockt), doch glücklicherweise spielt das Quintett nur die guten Nummern daraus, vor allem das Jon Lord (R.I.P.) gewidmete „Above And Beyond“, bei dem entsprechend ein Bild des Orgelmeisters auf den Leinwänden eingeblendet wird, ist wirklich ein schönes Lied und harmoniert bestens mit dem alten Zeug. Aber live ist das ja ohnehin immer eine etwas andere Geschichte.

Von altem Zeug jedenfalls bekommt das Publikum reichlich auf die Ohren: Mit dem ewig jungen „Highway Star“, das auch nach 40 Jahren noch völlig staubfrei und geil groovig rockt, dem schweren „Into The Fire“ und dem schweißtreibenden „Hard Lovin’ Man“ wird gleich zu Beginn ein fettes Dreierpack serviert, nach dem neuen „Vincent Price“ folgt dann „Strange Kind Of Woman“. Die Zeiten, als sich Ian Gillan noch mit Ritchie Blackmore legendäre Gesang-/Gitarrenduelle geliefert hat, sind natürlich längst vorbei, aber auch so macht der Song immer noch Laune. Außerdem apropos Gillan: Der Mann ist fast 68 Jahre alt und dafür liefert er gerade heute Abend eine beeindruckende Leistung ab – schiefe Töne oder Wackler sucht man vergebens.

Dafür hält er sich merklich mit Ansagen zurück, erst nach dem fünften Song kommt die erste – ein bescheidenes Bedanken beim Publikum, bevor sich Steve Morse solomäßig ein wenig austoben darf. Der Amerikaner grinst in seiner typischen Art wie ein Honigkuchenpferd, doch auch dem Rest der Rockopas merkt man an, dass sie so richtig Bock haben – hier wird trotz fortgeschrittenen Alters bei sehr gutem Sound eine Spielfreude demonstriert, von der sich manche junge Band eine Scheibe abschneiden kann. Völlig geil, wie bei „Lazy“ nach allen Regeln der Kunst soliert wird (auch Gillan glänzt mit einem kleinen Mundharmonikasolo), sodass man sich zumindest ein kleines bisschen in die Siebziger Jahre zurückversetzt fühlt, auch wenn man das Ganze nicht wie damals gleich auf eine halbe Stunde ausdehnt.

Sehr schön auch, wie der Frontmann etwaigen Bedenken, dass so „alte Säcke“ wie Deep Purple beim Wacken auftreten, selbstironisch entgegenkommt, indem er bei „No One Came“ eine Zeile etwas variiert und singt: „No one came from miles around and asked: ‚who are these guys?‘“

„Smoke On The Water“, bei dem noch Althippie Uli Jon Roth als Gaststar etwas mitzocken darf, kennt dann wohl auch der Ahnungsloseste, und auch wenn der Song eigentlich so was von überhört ist, gehört er nun einmal zum Purple-Set dazu wie „Stairway To Heaven“ einst bei Led Zeppelin oder „Nothing Else Matters“ bei Metallica, und der Refrain wird denn auch sehr lautstark mitgegrölt. Wie gehabt fungieren die Uralt-Klassiker „Hush“ (mit dem ebenfalls legendären „Green Onions“ als Einleitung) und „Black Night“ (mit kurzem Anspielen des Mainriffs von Led Zeppelins „How Many More Times“) als letzte Zugaben, bevor sich Purple nach einem anderthalbstündigen Gig verabschieden. Egal, was man vom neuen Album halten mag – live können die sympathischen Rocklegenden immer noch überzeugen.

Setlist:

Highway Star
Into The Fire
Hard Lovin’ Man
Vincent Price
Strange Kind Of Woman
Contact Lost
The Well-Dressed Guitar
Hell To Pay
Lazy
Above And Beyond
No One Came
Keyboard Solo
Perfect Strangers
Space Truckin’
Smoke On The Water (feat. Uli Jon Roth)
--------------------------
Green Onions
Hush
Black Night   

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