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Wacken Open Air 2010

Top-Acts sorgten für grandiose Stimmung und auch das Wetter spielte diesmal insgesamt mit

Frei.Wild <div align="right">Foto: Fichte</div>

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Die Apokalyptischen Reiter

Kurze Zeit später, als auch die letzten versoffenen Köpfe aus den dünstenden Zelten gereckt wurden, finden sich Die Apokalyptischen Reiter auf der Black Stage ein und machen mit „Wir sind das Licht“ eine Kampfansage gegen die Trägheit und Müdigkeit und fordern explosionsartige Stimmung. Keine Frage, dass sie diese bekommen. Urplötzlich haben die Securitys wieder alle Hände voll zu tun und fischen einen Crowd Surfer nach dem anderen aus der feiernden Menge. Der Party-Modus ist angestellt und so geht es fetzig mit „Revolution“ und „Friede sei mit dir“ weiter. Allerdings entsteht der Eindruck, dass Die Apokalyptischen Reiter auf einer kleineren Bühne wesentlich besser zur Geltung kommen. Die gewaltigen Hauptbühnen verschlucken die Musiker förmlich und ohne die Leinwände würde viel ungesehen bleiben. Viele scheint das allerdings nicht zu stören. Stattdessen bangen sich die Massen um Kopf und Kragen, vorausgesetzt, es wird nicht von ihnen verlangt, Crowd Surfer Richtung Bühne zu hieven.

Die Apokalyptischen Reiter können einen großen Ansturm an Wackener Metalheads verzeichnen, die sich bis zum Eingangsbereich reihen und auch dort hinten singen und bangen. „Es wird schlimmer“ und „Adrenalin“ lassen allerdings auch nicht viel Entscheidungsfreiheit. Vor allem der Schrei bei „Adrenalin“ wird von allen beherrscht und gerne von der Seele gebrüllt. Für die Superhelden unter der Meute hat Sänger Fuchs einige Superheldenkostüme bereit, die er mit Hilfe eines Katapults in die Menge ballert. Leider bleibt die Frage offen, ob die Kostüme in einem Stück den Weg an einen Körper gefunden haben, oder ob sie zuvor erbarmungslos, wie von Piranhas, zerfetzt wurden.

Nachdem noch eine Runde kollektiv gehüpft wurde, folgen mit „Roll My Heart“ dutzende große Ballons, die zur Belustigung der Festivalbesucher von der Bühne geworfen wurden. Die Staubwolke, die aus der Mitte der Fans hervorsteigt, lässt derweil erahnen, was dort abgeht, als mit „Seemann“ das letztes Lied nach 60 Minuten Spielzeit angestimmt wird. Ein grandioser Auftritt neigt sich somit dem Ende zu und hat sicherlich so einige Gemüter erhitzt, die nun noch mehr Lust auf gute Musik und fette Partys bekommen haben.

Voivod

Pünktlich um 15.30 Uhr erklimmen die Cyberpunks von Voivod die Party Stage und lassen mit dem Titel „Voivod“ gleich den Knüppel aus dem Sack. Schätzungsweise 5000 Menschen haben sich zusammengefunden, um die Jungs um Dennis Belangen am Mikro zu feiern. Ohne lang zu fackeln legt das Quartett mit „The Unknown Knows“ vom Album „Nothingface“ und „The Prow“ nach. Spätestens jetzt ist der Funke auch bis in die hinteren Reihen  übergesprungen und die Fans feiern ihre Band mit lauten Beifallsbekundungen. Die Gruppe, die im Jahr 1998 auf der Anfahrt zum Wacken Open Air einen so schweren Busunfall hatte, zeigt sich Anno 2010 so bisswütig und spielfreudig wie selten.

„Ripping Headaches“ und  „Tribal Convictions“ bauen den Spannungsbogen weiter auf, doch nach und nach macht sich leider der schmerzliche Verlust von Gitarrist Denis „Piggy“ D’Amour bemerkbar, der 2005 an Darmkrebs verstarb und durch seine „Piggy-Chords“ in der Metalszene für viel Wirbel sorgte. Der verbliebene Mann an der Gitarre, Daniel Mongrain, macht seinen Job aber sehr solide und weiß zu überzeugen. Als nächstes werden der Meute die Songs „Global Warning“, „Overreaction“ und das vom „Dimension Hatröss“-Album stammende „Experiment“ um die Ohren geklopft. Während der insgesamt einstündigen Spielzeit kommen noch die Stücke „Nothingface“, „Brain Scan“, „Nuclear War“ und das Pink Floyd-Cover „Astronomy Domine“ zum Zuge, woraufhin eine glückliche Fanmeute die Partystage verlässt. In vielen Kommentaren spiegelt sich wider, wie froh die meisten Anwesenden sind, diesen Gig gesehen zu haben.

The Bosshoss

Mit Cowboyhut, Waschbrett, Mundharmonika und amerikanischen Slang geht es auf der True Metal Stage weiter. Die sieben Cowboys aus dem tiefsten wilden Westen Berlins laden ein, das Tanzbein zu schwingen. Kaum steht die Band mit Cowboyhut und ausgewaschener Blue Jeans auf der Bühne, hat auch schon jeder der Umstehenden erkannt, worum es geht. Dabei ist es besonders erstaunlich, wie gut die Metalheads ihre Hüften zu den Country-Klassikern schwingen können. Ganz im Twist-Stil oder einfach nur lässig mit dem Bein gewackelt, findet jeder seine Freude, der in der Nähe der Stage ist, und ein paar Töne erhaschen kann. Nach und nach merken immer mehr Festivalbesucher, dass die Musik gar nicht so schlecht ist, und lassen ihren eingeschlagenen Weg von einem Umweg zum The Bosshoss-Gig kreuzen.

Britney Spears-Cover-Versionen bleiben den anwesenden Ohren zum Glück erspart, statt dessen gibt es ein Mundharmonika-Solo und andere interessante musikalische Darbietungen. Das Cowboy-Leben und den amerikanischen Slang verkörpern sie dabei so gut, dass man ungläubige Blicke für die Aufklärung erntet, dass die Band tatsächlich aus Deutschland stammt. Dieses Wissen macht The Bosshoss nur noch sympathischer und viele Augen richten sich gebannt in die Richtung der Bühne, um besser sehen zu können, welches sonderbare Instrument gerade wieder zum Einsatz kommt. Dabei scheint der Kreativität bei deren Einsatz keine Grenzen gesetzt zu sein. The Bosshoss bieten mal vollkommen andere Musik auf dem Wacken Open Air und kommen super an. Laute Beifallsbekunden zeugen davon, dass die Band mit offenen Armen empfangen und durchaus als kleiner Aufheizer genutzt wird.

Gegen Ende holen die Cowboys noch ein paar nette Damen auf die Bühne, die sich als durchaus tapfer und alles andere als schüchtern erweisen und nun vor aller Augen die Hüften schwingen. Ein gelungener, abwechslungsreicher Auftritt, der mal etwas anderes vom Rhythmusgefühl des Körpers abverlangte, außer nur den Kopf im Kreis zu drehen.

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