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Wacken Open Air 2010

Top-Acts sorgten für grandiose Stimmung und auch das Wetter spielte diesmal insgesamt mit
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The Devil's Blood

Als letzte Band des Festivals überhaupt müssen The Devil’s Blood ran. Die Holländer erklärten ja mehrmals, sie wären niemals dazu bereit, bei Tageslicht aufzutreten und angesichts der Atmosphäre dieser Band wäre das auch völlig unangebracht. Dementsprechend findet der Gig um zwei Uhr nachts statt, was wohl – neben der Tatsache, dass es der letzte Tag ist und viele wahrscheinlich einfach völlig im Eimer sind – auch der Grund dafür sein dürfte, dass es nicht besonders voll im Zelt ist. Ansonsten nämlich hätte man schon mit mehr Zuspruch rechnen können, da die Band inzwischen ja einen nicht unerheblichen Bekanntheitsgrad erreicht hat, nicht zuletzt, da man in diesem Jahr auf fast jedem größeren Festival spielt.

Die Kerzen auf den Amps sind wie immer alle angezündet, als das Sextett die Bühne betritt, um mit „Come, Reap“ ihren Set zu eröffnen. Es folgen „River Of Gold“, „House Of 10000 Voices“, „The Heavens Cry Out For The Devil’s Blood“, „Voodoo Dust“ und zum Schluss „Christ Or Cocaine“. Überflüssig zu erwähnen, dass keine Ansagen stattfinden und alle Songs wie ein einziges Ganzes wirken. Ähnlich wie schon Solstafir sind The Devil’s Blood eine Band, auf die man sich einlassen muss, um sie zu begreifen. Hier spielt Atmosphäre eine ganz große Rolle, eins werden mit der Musik, Verschmelzen mit diesen scheinbar aus einer anderen Welt stammenden Klängen. Wer das verstanden hat, wird diese unglaublich intensive Dreiviertelstunde so gut wie durchgängig mit geschlossenen Augen genießen und sich selig darin wiegen. Der Verfasser jedenfalls ist derart gebannt (trotz der Tatsache, dass er die Combo mittlerweile zum vierten Mal live erleben darf), dass er sich denkt, die niederländischen Teufelsanbeter könnten gerne noch drei oder vier Stunden weiter spielen.

Einfach beeindruckend, diese minutenlangen Jams, gerade im extrem ausgedehnten „The Heavens Cry Out For The Devil’s Blood“, dieses unfassbar filigrane Gitarrenspiel und vor allem, wie souverän man danach wieder in den eigentlichen Song zurückkehrt. Ein geradezu galaktisch guter Auftritt, der einen mehr als würdigen Abschluss für dieses Festival bildet!

Natürlich war auch das 21. Wacken Open Air wieder ein voller Erfolg. Mit dem Sound konnte man insgesamt sicherlich zufrieden sein, das Wetter spielte mit und Katastrophen wie bei der Love Parade blieben zum Glück aus. Allerdings ist das größte Metalfestival der Welt ja bekanntermaßen auch bei weitem nicht so stümperhaft organisiert wie der Event in Duisburg. Was die Organisation betrifft, so kann man eigentlich nur die Art und Weise kritisieren, wie die Leute am Sonntag zu den Bussen beziehungsweise Taxen geschleust wurden. Warum nur ein einziger, winziger Durchgang zu den Shuttle-Bussen vorhanden war und es daher dementsprechend schleppend voranging (einige Leute drängelten bereits unnötigerweise) bleibt das Geheimnis der Veranstalter. Hier sollte man eigentlich – auch wenn natürlich so oder so niemals etwas so Schlimmes wie in Duisburg passiert wäre – aus dem Love Parade-Desaster gelernt haben. Auch musste eine Mitarbeiterin immer wieder ansagen, wer zu welchem Gate zu gehen hatte, um zu seinem jeweiligen Bus zu kommen. Das hätte man ihr ersparen können, indem man das Ganze übersichtlicher gestaltet hätte. So jedoch kamen immer wieder Leute nach, die dieselben Fragen stellten, weil sie nicht wussten, wo sie hin sollten.

Was nun das Verbot von Wall Of Death und Circle Pit angeht, hat dies eher wenig Früchte getragen und erscheint auch nicht sehr sinnvoll. Sicherlich ist das gerade nach Duisburg gut gemeint, aber dass dieses Verbot nicht wirklich durchsetzbar ist, hat sich gezeigt. Egal, wie man dazu steht, irgendwie gehören Wall Of Death und Circle Pit bei einigen Bands nun mal dazu und wer’s nicht mag, soll sich halt einen anderen Platz suchen. Konsequenterweise müsste man dann außerdem auch Crowdsurfing verbieten, denn das ist mindestens genauso nervig und gefährlich.

Als nichts anderes als eine absolute Frechheit muss man wohl die Tatsache bezeichnen, dass Leute, die bereits am Dienstag anrückten, zehn Euro abdrücken mussten, weil sie „zu früh“ angereist sind, wer schon am Montag vor Ort war, wurde sogar um zwanzig Steine erleichtert. Klar, bei dem ganzen Müll, den manche Deppen hinterlassen, ist es klar, dass man das Geld, um selbigen zu beseitigen, irgendwo wieder reinholen muss, aber die Fans derart zur Kasse zu bitten, ist einfach nur unsägliche Abzocke. Eine Vorwarnung auf der Homepage des Veranstalters wäre zumindest angemessen gewesen. Die Worte „Du bist zu früh!“, die auf dem Papierbändchen, das einem ums Handgelenk gewickelt wurde, standen, wirkten da fast wie ein Hohn. Mein Vorschläg fürs nächste Jahr wäre „Du bist nicht willkommen!“ aufs Bändchen zu schreiben.

Ein weiterer Kritikpunkt – und der betrifft nicht den Veranstalter – sind die vielen Kinder auf dem Festivalgelände. Dass dort Knirpse herumlaufen, die nicht mal sechs Jahre alt sind und teilweise keinen (!) Gehörschutz tragen, ist unverantwortlich, genauso wie hochschwangere Frauen, die sich Lärm und Menschenmassen aussetzen. Den betroffenen Eltern gehört das Sorgerecht entzogen – ihr seid doch nicht ganz dicht!

Das Personal wiederum lässt sich schlecht beurteilen, da bei einem Festival dieser Größenordnung einfach zu viele Leute involviert sind und die Reaktionen bei den Fans dementsprechend unterschiedlich ausfallen. Der eine gerät beispielsweise bei einem Security an einen Wichtigtuer, der andere trifft einen, der total nett ist. Insgesamt kann man aber sicherlich auch hier nicht großartig meckern, zumal gerade die Securitys was Crowdsurfer etc. angeht, natürlich gut beschäftigt waren. Zusammengefasst war es trotz oben erwähnter Kritikpunkte wieder eine tolle Party und man kann sich auf jeden Fall aufs nächste Jahr freuen.

Unser Dank geht an das Wacken-Fototeam für die Verwendung der Livefotos.

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