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Wacken Open Air 2010

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Samstag, 7. August 2010

Ektomorf

Die Sonne steht bereits im Zenith, doch so richtig wach sehen einige der Metaljünger, die sich vor der Black Stage versammelt haben, noch nicht aus. Ist auch kein Wunder, stecken doch jedem schon mindestens drei Tage harte Party in den Knochen. Dennoch haben sich viele aufgemacht, um sich die Ungarn von Ektomorf nicht entgehen zu lassen. Beinahe pünktlich ist es dann soweit: Zoltan, Szabolcs, Jozsef und Tamas betreten gut gelaunt die Bühne und hauen mit „Rat War“ gleich den ersten Hammer aus dem aktuellen Album „What Doesn’t Kill Me...“ auf den Tisch. Die Reaktion folgt auf den Punkt: Vor der Bühne kann man die ersten Haare fliegen sehen und leichte Bewegung ist auch schon zu vernehmen. Zum Ende des Stücks stehen aber schon wieder alle friedlich und schauen ganz brav nach vorne.

Auffallend ist, dass alle erreichbaren Bierstände gerade regen Zulauf bekommen. Die Stimmung schlägt schlagartig um, als Zoli den Titel „Show Your Fist“ ansagt. Jetzt ist die Aufmerksamkeit allein auf die Band gerichtet. Und tatsächlich: Die Kampfansage zündet und wirklich viele Fäuste werden immer wieder gen Himmel gereckt. Dieser Weckruf hat funktioniert. Ab diesem Moment folgt das Publikum mit ungetrübter Aufmerksamkeit dem Treiben auf der Bühne. „What Doesn’t Kill Me“ verursacht noch einmal einen fast unmerklichen Durchhänger, doch bei „ We Rise“ vom Album „Outcast“ geht der Pulk bereits gut ab. Nicht verwunderlich ist deshalb, dass „Ambush In The Night“ und „I’m Against“ genauso funktionieren, sind sie doch auch vom selben Album.

„Gypsy“ vom 2004 erschienenen Longplayer „Destroy“ markiert dann den ersten Song, bei dem sich auch in den hintersten Reihen Bewegung erkennen lässt. Die Sonne brennt erbarmungslos bei 28 Grad und vielen steigen die ersten zwei oder drei Bier zu Kopf. Eine kleine Verschnaufpause verspricht „Who Can I Trust“. Mit der Akustikklampfe bewaffnet steht der Ektomorf-Kopf auf der Bühne und es ist bewundernswert, wie ehrlich Zoli wirkt, während er die Message dieses Titels in die Menge brüllt. Dementsprechend fällt auch der Applaus aus. Das erste Mal wird es so richtig laut vor der Bühne. Um gar keine Zweifel aufkommen zu lassen, schmettern die Ungarn mit „Outcast“ sodann ein absolutes Brett in Richtung Fußvolk. Während der Frontmann in die Menge brüllt, dass er verstoßen ist, bilden sich in der Menge trotz aller Verbote über die Leinwände mehrere kleine Circlepits. Die lösen sich auch bei „Envy“ nicht auf. Dynamik ist eines der großen Schlagworte dieses Stücks und somit ist es kein Wunder, dass sich immer wieder kleine Pits bilden und wieder auflösen.

Unzählige Mittelfinger erheben sich dann bei „Fuck You All“, hier gibt es jetzt auch kein Halten mehr, die Message des Songs spricht einfach zu vielen Anwesenden aus der Seele. An den Musikern kann man deutlich erkennen, dass die Response der Zuhörer sichtlich gefällt und Zoltan stachelt durch eindeutige Gesten alle Anwesenden an, ihrem Unmut Luft zu machen. Das wird auch dankend angenommen. In die gleiche Kerbe schlägt „Revenge To All“, wieder von der aktuellen Langrille „What Doesn’t Kill Me...“. Inzwischen haben sich die ersten 30 Reihen in einen Hexenkessel verwandelt. Mit den Worten „I feel so fucked up here...  I feel I cannot breathe“ geht ein Raunen durch die Meute, wissen doch alle, dass „I Choke“ gerade anläuft.

Die aggressive Mimik und Gestik des Frontmannes stachelt die Crowd noch mehr auf und es wird geschubst und gebangt, was der Körper hergibt. Den stimmungstechnischen Höhepunkt markiert der wohl bekannteste Song der Groove Metaller, nämlich „ I Know Them“. Bereits bei den ersten drei Trommelschlägen erheben unzählige Menschen ihre Pommesgabeln und zollen den Künstlern ihren Tribut. Direkt mit Einsetzen der Gitarren löst sich die ganze vordere Menge in eine verwischte, sehr haarige, fließende Masse auf. Da steht keiner mehr still. Nach knapp viereinhalb Minuten purer Aggression sehen viele erschöpft, aber sehr glücklich aus. Während sich einige schon verabschieden und sich umdrehen um zu gehen, sagen Ektomorf auch Goodbye und legen mit „Red I“ noch einen Knaller nach. Nachdem sich jetzt wirklich alle ausgetobt haben, machen die Künstler die Bühne für die nächste Band frei.

Caliban

Während die Ektomorf-Anhänger noch eine große Staubwolke produzieren, sitzen bereits viele Caliban-Fans am Wellenbrecher vor der True Stage und warten auf den Auftritt der Ruhrpottler. Und nachdem sich die Ektomorf-Fans bereits erfolgreich gegen das Circle Pit-Verbot von den Wacken-Veranstaltern gesträubt haben, geht es jetzt bei Caliban erst richtig los. Doch wie schon bei Ektomorf kommt auch in diesem Falle der allseits bekannte Harry Metal auf die Bühne und bemüht sich redlich, authentisch zu wirken und versucht das Verbot von Wall Of Death und Circle Pits deutlich zu machen.

Ebenso redet auch Andy gut auf die Fans ein und appelliert an deren Vernunft, dumm nur, dass niemand dem Caliban-Sänger die Worte abnimmt. Und so wird bereits ab dem ersten Lied „Love Song“ ordentlich gemosht. Leider stellt sich auch ziemlich schnell heraus, dass der Sound nicht sonderlich gut ist, sofern man nicht genau mittig vor der Bühne steht. Und selbst in der Mitte scheint der Wind mit dem aufgewirbelten Staub auch die Klänge mit sich fortzutragen. Trotz der gigantischen Boxen ist es viel zu leise, immerhin hört man seinen eigenen Gesang noch, was kein gutes Zeichen ist. Als nächstes scheppert „Love Song“ durch die Boxen und der heizt gewaltig ein, sodass sich bereits in zwei Pits alle Ladungen entfalten, was jedoch unschön für diejenigen ist, die eher auf die herkömmlichen Moshs stehen und gerne auf Tritte in die Fresse durch Violent Dancer verzichten.

Der pulverisierte Staub legt sich bei dem Spektakel in jede noch so kleine Pore des Körpers und benetzt die Lunge mit einem zähen Film. Doch das ist kein Grund bei „Our Burden To Bleed“ einen Gang runter zu schalten. Im Gegenteil: Bei der Ansage zu „No One Is Safe“ spaltet sich die begierige Masse bereits in zwei Hälften, die droht aufeinander zu prasseln. Andys einerseits verzweifelte und anderseits belustigte Worte „Ihr teilt euch gerade für eine Wall Of Death?! Das dürfen wir nicht, schaukelt mit den Armen und macht Crowd Surfen!“ tragen unter Garantie keine Früchte, sondern erzeugen nur Belustigung und den noch stärkeren Drang danach, den Veranstaltern zu zeigen, dass sie machtlos sind. Und so gibt es doch ein ordentliches Menschenhack, und das, ohne dass jemand zu Schaden gekommen ist. Nachdem die Fans gemerkt haben, dass es auch ohne Ansage funktioniert, nehmen die Circle Pits gar kein Ende mehr. Auch die nett animierten Grafiken an den Leinwänden mit den Hinweisen „No Circle Pits Please“, können da äußerst wenig bewirken. Den gesamten Auftritt hindurch zirkeln Fans im staubigen, stinkenden Dunst und haben ihren Spaß dabei. Da ist nichts mit Hände in die Luft und schunkeln. Welch ein Glück, denn was wäre schon ein Auftritt von so starken Core-Bands wie Caliban, wenn man sich nicht mal ein wenig Frust von der Seele rennen kann?!?

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