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Wacken Open Air 2010

Top-Acts sorgten für grandiose Stimmung und auch das Wetter spielte diesmal insgesamt mit

Caliban

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Slayer

Jeder Festivalbesucher scheint sich um 23:15 Uhr vor der Black Stage zu befinden und dem Auftritt von Slayer entgegen zu fiebern. Nach ihren vielen Schlappen und Einbußen, die die Band in den letzten Monaten einstecken musste, folgt nun die Gelegenheit, vielen zehntausenden Menschen zu beweisen, dass der Lack noch nicht vollkommen ab ist. Nach dem mehrmaligen Verschieben ihrer Tour, dem Platzenlassen so mancher Gigs und dem enttäuschenden Auftritt auf dem With Full Force liegt nun geballte Spannung in der Luft. Viele stellen sich Frage, ob die kalifornischen Kult-Thrash Metaller noch das Zeug dazu haben, die Massen zu begeistern.

Als die Show beginnt, erleuchtet alles in einem intensiven Blutrot. Die ersten sachten Gitarrenriffs dringen durch die rot getränkte Luft und die Spannung steigt. Als Tom Araya beginnt seine Stimme zu erheben, scheint alles zu sein, wie man es gewohnt ist. Die Fans feiern vor Erleichterung und reißen die Arme in die Höhe. Endlich kommen die beliebten und immer wieder gerne gebrüllten „Slayeeeeer!“-Rufe bei der richtigen Band an. Der Auftritt scheint vielversprechend zu werden und die Thrash-Götter scheinen sich gewaltig ins Zeug zu legen. Der Auftritt ist insgesamt zwar eher simpel gestaltet, aber es ist ja durchaus bekannt, dass Herr Araya nicht unbedingt ein Mann der großen Worte ist. Stattdessen scheinen Araya, King, Hanneman und Lombardo ihren kleinen Siegeszug zu genießen. Das haben sie sich allerdings auch verdient, denn schließlich sind auch Thrash-Götter nur Menschen und haben mal Phasen, in denen sie schwächeln.

Die Setlist erstreckt sich überwiegend durch die letzten Jahre und enthält Klassiker wie „Angel Of Death“ und das durchaus grandiose „South Of Heaven“. Die größte Abwechslung bringen Lieder vom aktuellen Album „World Painted Blood“ ein, auch wenn viele Metalheads bevorzugt an den alten Klassikern festhalten. So darf selbstverständlich auch der Hit schlechthin, „Raining Blood“, nicht in der Setlist fehlen. Zufrieden trennen sich, nach etwas mehr als einer Stunde, Band und Fans, und alle scheinen mit dem Ergebnis, angesichts der eher schlecht verlaufenen Vormonate, zufrieden zu sein.

Setlist:

World Painted Blood
Hate Worldwide
War Ensemble
Expendable Youth
Dead Skin Mask
Seasons In The Abyss
Hell Awaits
Spirit In Black
Mandatory Suicide
Chemical Warfare
Raining Blood
South Of Heaven
Angel Of Death

Ihsahn

Die Uhr steht kurz vor Zwölf am Freitag, dem zweiten Tag des diesjährigen Wacken Open Air, und ein bizarres Völkchen von Metallern findet sich zu dieser Stunde im Zelt vor der kleinen W.E.T.-Stage ein. Es ist offensichtlich, dass es sich hier nicht um gewöhnliche Metalheads handelt, denn die Leute, die sich hier einfinden, verzichten auf die gleichzeitig spielenden, lebenden Legenden von Slayer. Der Grund für diese Versammlung ist ebenfalls alles andere als gewöhnlich und kommt aus Norwegen: Ihsahn.

Der Ex-Frontmann von Emperor, mit bürgerlichem Namen Vegard Sverre Tveitan, wandert nun schon seit einiger Zeit auf Solopfaden, wobei er leider nur sehr selten live zu sehen ist. Diese besondere Gelegenheit wollten sich einige nicht entgehen lassen; obwohl das Zelt nicht ganz gefüllt ist, machen sie doch eine beachtliche Zahl, gemessen an der Konkurrenz auf der Black Stage. Als ob es jedoch nicht Herausforderung genug wäre, gleichzeitig mit Slayer zu spielen, fällt der Start denkbar schlecht aus, es gibt technische Probleme mit den Mikros und Ihsahn schafft es nicht pünktlich anzufangen, wodurch sich einige Ungeduldige schon zum Pfeifen angehalten fühlen.

Nichtsdestotrotz verstummen alle sofort, da Ihsahn endlich bereit auf der Bühne steht und loslegt. Zunächst sei gesagt, dass die Session-Musiker ihren Job mehr als gut machen, und dass der Klang, trotz erhöhter Lautstärke zum Slayer-Übertönen, allererste Sahne ist. Das alles wird noch von der wahrlich erlesenen, musikalischen Kost übertroffen, die Ihsahn zu bieten hat. Aufgrund der durchschnittlich hohen Songlänge und der anfangs verplemperten Zeit hält sich der Mann aus Norwegen mit dem Small-Talk zurück und knüppelt sein Set durch. Die extremen Wechsel von wuchtigen, dem Black Metal entlehnten Blastbeat-Passagen, stampfenden Melodeath-Einlagen und progressiven, sanften Phasen mit klarem Gesang kommen nahtlos rüber. Die schon seit Emperor-Zeiten legendäre Reibeisenstimme Ihsahns verleit auch an diesem Abend jedem Fan Gänsehaut, und dass der Mann auch auf der Gitarre ein Ausnahmetalent darstellt, sollte jedem nach seinen virtuosen Soli, wahlweise auch auf der Achtsaitergitarre gespielt, klar sein. Die Höhepunkte des Sets sind unter anderem das orientalisch anmutende „Scarab“, das krachende „Invocation“ und der vergleichsweise eingängige Schlusspunkt vom aktuellen Album „Frozen Lakes On Mars“.

Trotz Spätstart schließen die progressiven Pforten von Ihsahn rechtzeitig in der vorgesehenen Zeit und hinterlassen einen überglücklichen Haufen Metalheads im Zelt. Wo anfangs noch wegen der Verzögerung Pfiffe zu hören waren, erklingen nun zugabefordernde Chöre. Diejenigen, die sich getraut haben, auf Slayer zu verzichten, bekamen einen besonderen Auftritt eines ganz besonderen Musikers geboten und müssen nichts bereuen.

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