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Wacken Open Air 2007

Zum Thema

Schon Monate vor dem ominösen ersten Augustwochenende sorgte die Dokumentation „Full Metal Village“ dieses Jahr dafür, dass „Wacken“ sogar in den Medien stets präsent war. Sung Hyung Cho, Regisseurin des Films, räumte einen Preis nach dem anderen ab und die Tatsache, dass gerade eine Koreanerin das Lieblingskaff der Metalheads ins Kino bringt, steht vor allem für Internationalität.

 

Soweit zu den positiven Schlagzeilen, die die Veranstalter des Wacken Open Airs 2007 im Vorfeld verzeichnen konnten. Eine Woche vor dem Festival sah auch alles noch ganz gut aus, doch dann begann der Regen. Sieben Tage lang regnete es ohne Unterlass, 350 Liter pro Quadratmeter. Das Festival- und Campinggelände verwandelte sich in einen einzigen Sumpf. „Ein halber Meter Schlamm ist nichts!“, erzählte ein Mitarbeiter vom Deutschen Roten Kreuz nach einer Betrachtung der Situation. Tatsächlich stand das Festival einen Tag vor Beginn kurz vor der Absage, wie auch der Veranstalter später bestätigte. Tag und Nacht wurde gearbeitet, um die Flächen irgendwie trocken zu bekommen. Mit einer wahnwitzigen Hubschrauber-Aktion versuchte man, mit einem 60cm über dem Boden fliegenden Helikopter das Wasser weg zu blasen, und die Grounds trocken zu pusten.

So irrsinnig das auch klingen mag: Es hat funktioniert. Bis auf die R-Flächen war so gut wie der gesamte Campingbereich wieder soweit hergerichtet, dass das Camping möglich war. Doch genau da lag das nächste Problem: Bei Campground R handelte es sich um den Zeltplatz für angemeldete Gruppen. Der andauernde Niederschlag hatte wochenlange Organisationsarbeiten für Gruppencamps mit bis zu 800 Leuten zunichte gemacht. Zum enormen Missfallen der Betroffenen hieß es, man solle sich nun einzeln ein freies Plätzchen auf einem anderen Zeltplatz suchen. Logischerweise entstand großer Unmut darüber. Doch gegen höhere Macht sind auch die Wacken-Veranstalter nicht immun, so dass der ihnen entgegengebrachte Zorn unangebracht schien.

 

 

 

Da die Anreise auf Geheiß des Veranstalters erst ab Mittwoch möglich war, entstanden kilometerlange Staus. Baustellen und eine gesperrte Abfahrt auf der Autobahn taten ihr Übriges. Neun Stunden und länger mussten Anreisende teilweise in ihrem Auto ausharren, um am Ende des Tages doch noch ihr Zelt aufschlagen zu können. Wer rechtzeitig um 21:30 Uhr da war, konnte sogar noch Mambo Kurt bei einem Kettensäge-trifft-Orgel-Massaker begutachten. Eine riesige, auf dem Festivalvorplatz aufgebaute Leinwand gab außerdem die Möglichkeit, sich im Rahmen der „Movie Night“ den eingangs erwähnten „Full Metal Village“ – Dokufilm (leider viel zu leise) anzusehen. Statt – wie angekündigt – 22 Uhr, begann das Ganze dann erst eine Stunde später. Den meisten Besuchern machte das aber nicht viel aus. Durchgehend wurde so gut wie jede Aktion im Film – ob nun das Melken von Kühen oder Rupfen von Karotten – mit lautstarkem Beifall quittiert.

Von der etwas angespannten Stimmung am Vortag war Donnerstag nicht mehr viel zu spüren. Die Anreise war geschafft, die Zelte standen, das Bier floss und Mambo Kurt hatte eine neue Orgel. Der Zustand der Campinggrounds war relativ ordentlich; wer 2005 dabei gewesen ist, hatte Schlimmeres durchmachen müssen. So gesehen lief wieder alles perfekt.

 

Um den Schlamm auch auf dem Festivalground zu besiegen, hatte man den Boden abtragen und 5000qm Vlies verlegen müssen. Der Bereich vor der Bühne wurde mit 1500 Tonnen Häckselgut begehbar gemacht, der Rest mit 600 Rundballen Stroh ausgelegt.

Kurz nach dem offiziellen Einlass ist die Überraschung groß: Der komplette Festivalvorplatz steht voller Leute, die alle durch den Eingang wollen. Der Donnerstag-Abend scheint beliebter als angenommen. Die Festivalarea ist tatsächlich bis auf wenige Stellen (bei denen der ein oder andere dann auch leicht bis zum Knie einsinkt) begehbar.

 

 

 

Pünktlich um 17 Uhr stehen dann Blitzkrieg auf der True Metal Stage. Das Wetter, das sich mittlerweile insgesamt zum Guten gewendet hatte, wird rückfällig: Die ersten Klänge werden begleitet von einigen Regentropfen. Allerdings sollen es die einzigen bleiben, die während des ganzen Wochenendes tagsüber fallen werden. Noch relativ leise, aber mit gutem Sound, betreiben Blitzkrieg vor einer langsam wachsenden Zuschauermenge Promotion für ihr neues Album „Theatre Of The Damned“, dessen Release der 10. August sein soll. Die Band scheint in guter Verfassung zu sein und auch die Stimmung ist dafür, dass es sich hier um die erste Band des Tages auf dieser Stage handelt, recht gut. Klar, die Jungs sind ja auch schon eine ganze Weile im Geschäft. „Do you want metal?“, peitscht Brian Ross‘ Stimme in die Menge, die – wie nicht anders zu erwarten – lautstarke Zustimmung kundgibt. Höhepunkt der Show ist der mit dem Bandnamen identische Track „Blitzkrieg“.

 

 

 

Währenddessen zocken The Sorrow auf der am heutigen Tag kurzerhand in Hellfest Stage umbenannten Party Band ihre Setlist durch. Ein Amon Amarth-Cover lässt in einem sonst recht laschen Auftritt kurz aufhorchen. Aufgrund von Soundüberschneidungen und geringem Platz vor dieser Bühne in den letzten Jahren bekam sie dieses Mal einen ganz eigenen Festivalground. Nicht mehr links von den beiden Hauptbühnen stehend, war sie nun auf der rechten Seite zu finden. Wer eine Band auf dieser Stage sehen wollte, musste also durch einen ca. vier bis fünf Meter breiten Durchgang gehen, die die beiden Flächen miteinander verband. Dass dies zu Engpässen führen würde, war eigentlich schon von Anfang an abzusehen.

 

Auf der True Metal Stage werden die Besucher in der Umbaupause inzwischen darüber aufgeklärt, welche Taten der Veranstalter vollbringen musste, um das Festival nicht absagen zu müssen. Das Ganze wird unterstrichen durch einen kleinen Film, der auf der Leinwand gezeigt wird.

 

Rose Tattoo beginnen anschließend mit etwa 15 Minuten Verspätung. „Rock’n’Roll! Rock’n’Roll! Rock’n’Roll!“ schreit Gary Anderson die Fans an. Die Anzahl an Leuten ist in der letzten Stunde extrem gestiegen, so dass es schon zu früher Stunde nötig ist, sich regelrecht durch die Menschen durchzukämpfen. Die Australier spielen ein Best-Of-Programm, wobei sie alte genau wie neue Songs berücksichtigen. Trotz der vielen Fans scheint die Stimmung nicht besser zu sein als bei Blitzkrieg.

 

 

 

Nicht nur der Platz vor den Bühnen ist inzwischen voll: Als nach Gutbucket die färöische Band Týr ihren Auftritt beginnt, ist ein Betreten des W.E.T. – Stage – Zelts nicht mehr möglich. Kein Wunder, schließlich spielte sich Band in Deutschland (zuletzt auf Tour mit Amon Amarth und Wintersun) viele Sympathien ein. Dazu scheint die Temperatur im Zelt Temperaturen anzunehmen, die man in Norddeutschland sonst nicht kennt.

 

Als dann die Letzte Instanz an der Reihe ist, ist die komplette Fläche zwischen W.E.T.-Stage und den Eingängen gefüllt mit Menschen, die alle ins Zelt wollen. Etwa eine halbe Stunde lang kann sich niemand bewegen: Es geht nicht vor und nicht zurück, bevor sich die ganze Situation dann plötzlich in ein unmenschliches Gedränge verwandelt. „Ist das hier immer so voll?“, fragen Besucher, die das erste Mal dabei sind. Nein, lautet die ehrliche Antwort. Eine solche Menschenansammlung am ersten Tag hat man bisher noch nicht gesehen.

Es sollte wirklich überlegt werden, ob es weiterhin Sinn macht, an dem Konzept der Zeltbühne in diesem Maße festzuhalten. So vielen Menschen ist weder das Gelände an sich geschweige denn die W.E.T-Stage gewappnet. Das Zelt sollte entweder vergrößert werden oder durch eine weitere Open-Air-Bühne ersetzt werden. Doch die Veranstalter machen diesbezüglich wenig Hoffnung. Wacken sei mit einem solchen Zelt angefangen, daher gehöre es einfach dazu, sei Kult. Außerdem sei es bei vielen Bands gut möglich gewesen, das Zelt zu betreten. Die Erfahrungen, die wir vor Ort machten, sahen allerdings (wie beschrieben) anders aus. Die Situation bei Týr und Letzte Instanz sollte sich im Laufe des Festivals noch bei vielen weiteren Bands wiederholen. Viele Fans waren darüber natürlich alles andere als glücklich, zumal in diesem Jahr überdurchschnittlich viele Bands mit großer Fangemeinde im Zelt zu finden sein sollten.

Als die Letzte Instanz dann zu spielen beginnt, ist von außen nichts zu sehen und nichts zu hören, da die inzwischen sehr laute Black Stage alles andere übertönt. Im Biergarten ist es nicht mehr möglich, die W:O:A Firefighters zu hören, wenn die Entfernung zu ihnen größer als fünf Meter ist. Der neue Standort der Party Stage scheint dazu genutzt worden zu sein, auch noch in Sachen Lautstärke ordentlich nachzulegen.

 

Doch nun ist auf den heiligen Feldern von Wacken erstmal Thrash angesagt. Nicht irgendeine Combo gibt sich die Ehre, sondern eines der großen Urgesteine der deutschen Szene, Sodom. Tom Angelripper gehört ja nun fast schon zum Inventar von Wacken, doch der heutige soll anlässlich des 25. Jubiläums der Band ein ganz besonderer Abend werden. Geschichte hin oder her, erstmal widmet man sich dem neuen Material wie „Blood on your Libs“ und „City of God“. Die Metal-Meute mit ihren noch frischen Energien geht kräftig ab, unterstützt von einem fetten Sound und einer Band, die vor Spielfreude nur so strotzt. Nun wird es für old school-Puristen spannend, denn Wernemann und Co beginnen ihre Geschichtsstunde im Fach Ruhrpott-Schwermetall. Los geht es mit „Blasphemer“. Genau, man bleibt präzise und geht chronologisch vor. Doch das besondere Special ist, dass auch noch der Original-Klampfer Grave Violator die Saiten drescht. So geht es Klassiker für Klassiker weiter durch die Zeit. Natürlich geben sich auch noch Frank Blackfire und Michael Hoffmann die Ehre, die nochmal kräftig mit ihrer alten Band rocken. So macht Geschichte Spaß und auch der letzte Wacken-Besucher kann sich begeistern lassen. Es ist schon beeindruckend, was die alten Herren hier auf die Bühne bringen. Alle versprühen gnadenlose Energie und der Alkohol hat Toms Stimme auf Hochtouren gebracht. Bei „Ausgebommt“ geht schließlich nicht nur die Bühne in Flammen auf: Auch die Menge mosht und bangt wie verrückt. Tolles Ding, Onkel Tom, ein wirklich toller Abend.

 

 

 

Als schließlich Saxon ihren Headliner-Posten am Donnerstag wahrnehmen, scheint der Höhepunkt des Abends für viele schon in der Vergangenheit zu liegen. So ist die Stimmung nicht mehr ganz so gut wie bei Sodom. Da kann auch eine Setlist, die relativ viel neues Material, aber natürlich auch viele Klassiker umfasst, nicht mehr helfen. Höhepunkt des Auftritts der Briten ist „747 Strangers In The Night“. Der Song wird mit Tobias Sammet von Edguy performt und stößt auf begeisterte Zustimmung.

 

 

 

Der Freitag beginnt um 11 Uhr mit Suidakra und perfektem Festivalwetter. Suidakra haben den Sprung von der etwas undankbaren WET-Stage auf die große Bühne geschafft, wenn auch als erste Band, die bisher ja immer einen etwas schweren Stand hat. Diese Band hat es aber auch wirklich verdient. Seit Jahren gehören die Düsseldorfer zu den aktivsten Bands der Szene und liefern ständig eine Live-Vollbedienung. Nun haben sie auch endlich mit „Caledonian“ ein neues Hammeralbum im Gepäck, in dem sie zu ihren alten Stärken zurück gefunden haben. Tatsächlich ist das Gelände trotz der frühen Zeit schon gut gefüllt, was zeigt, dass „Caledonian“ die Band in der Metal-Liga eine Stufe höher befördert hat. Und in der Tat nutzen sie ihre Chance auf der Black Stage und liefern einen Hammer-Gig ab. Fetter Sound und Power ohne Ende. Vom Energiebündel Arkadius ist man ja nichts anderes gewöhnt, aber selbst der eher zurückhaltende Marcel geht aus sich heraus und genießt den Gig sichtlich. Das Live-Potenzial des neuen Materials wie „IX Legion“ und „Forth Clyde“ ist einfach enorm. Zusätzlich werden noch einige Songs mit einem Live-Dudelsack verziert. Auch die Klassiker dürfen natürlich nicht fehlen. Besonders erfreulich sind „Gates of Nevermore“, das Skyclad-Cover „One Peace Puzzle“ und der gelungene Abschluss der Show „Wartunes“ vom grandiosen „The Arcanum“-Album. Einfach nur geil, so werden Suidakra doch noch zu den ganz Großen der deutschen Szene.

 

Als sich die Leute dann langsam gen True Metal Stage bewegen und dem Auftritt von Amorphis entgegenfiebern, tauchen plötzlich dicke Rauchschwaden auf. Eine weggeworfene Zigarettenkippe scheint im trockenen Stroh Feuer gefangen zu haben. Erstaunlich schnell breitet sich das Feuer rechts der True Metal Stage aus und nähert sich immer weiter dem Bereich vor der Bühne. Auf Anweisung eines Sprechers auf der Bühne sollen sich die Fans in Richtung der anderen Bühne bewegen. Schade nur, dass viele Leute vor der True Metal Stage scheinbar keine Lust haben, ihren Platz aufzugeben, so dass der ganze Vorgang recht schleppend abläuft. Zudem tun die Leute in der ersten Reihe ihr Bestes, ihren Platz zu verteidigen und somit andere am Vorbeigehen und die Feuerwehr vom Arbeiten abzuhalten. Nach 20 Minuten haben diese das Feuer dann doch im Griff und gelöscht. Es erfolgen während des Festivals nun immer wieder Bewässerungen des Geländes, damit das Stroh nicht zu trocken wird. Irgendwie ironisch, schließlich tat man vorher alles, um den Boden trocken zu bekommen.

Als Konsequenz verlegt man den Auftritt von Napalm Death nach vorne und den von Amorphis nach hinten. Napalm Death spielen somit vor einer relativ überschaubaren Menge an Menschen, da während dieser ganzen Zeit (und noch immer) der Einlass gesperrt ist. Erst unmittelbar vor Amorphis kann das Gelände wieder betreten werden.

Mit 90-minütiger Verspätung beginnen die Finnen somit ihren Auftritt. Bei bescheidenem Sound lässt sich die Band keinen Ärger über die Verspätung anmerken und spielt ihre Setlist professionell durch. Die Bandmitglieder sind in guter Laune und Bewegungsfreude. Gerade Sänger Tomi Joutsen beweist, dass seine Einstellung die richtige Wahl gewesen ist und schleudert seine extrem langen Haare fröhlich von einer zur anderen Seite. „House of Sleep“ und „The Smoke“ vom Album „Eclipse“, sowie Songs vom aktuellen Album „Silent Waters“ sorgen dafür, dass die Fans zu inzwischen nicht mehr ganz so früher Stunde ebenfalls ordentlich in Bewegung kommen. Doch auch auf ältere Songs wie „Black Winter Day“ von der CD „Tales From The 1000 Lakes“ wird nicht verzichtet und das Publikum nimmt dies lautstark zur Kenntnis.

 

 

 

Mehr Old School als Possessed geht im Death Metal-Bereich einfach gar nicht mehr. Immerhin waren sie es, die auf einer frühen Demo den Begriff Death Metal erfunden haben. Rau und urwüchsig ist auch ihr Sound in Wacken. Markiger Gesang und thrashige Gitarren verwüsten das Gehör. Alle Hochachtung vor allem an Sänger Jeff, der nach einer Schießerei im Rollstuhl sitzt. Der sympathische Fronter lässt sich durch seine Behinderung nicht aufhalten und zieht eine tolle und agile Show ab. Der gute Mann kriegt sich bei den Ansagen vor Freude kaum noch ein und grinst pausenlos. So etwas würde man doch gerne häufiger sehen. Geiler Death Metal der ganz alten Schule und ein ebenso geiler Auftritt.

 

 

 

Das größte Metal-Festival der Welt blickt auch mal über den Tellerrand und so dürfen die Kult-Rocker Turbonegro sich später der Schar an Metallern stellen. Mit drei Gitarristen sorgt man für eine amtliche Soundwand und mit den punkigen Songs für gute Laune. Leider habe ich ein gutes Stück vom Gig verpasst, als ich mich durch die Menschenmassen kämpfen musste. Doch zeigt das auch, dass die Wacken-Fans auch für Sound abseits des Metal offen sind. Tatsächlich sind die eingängigen Tracks eine schöne Abwechslung. Happy Tom und Konsorten sind perfekte Unterhaltung, spielfreudig und mit jeder Menge Humor gesegnet. Leider muss man aber auch sagen, dass die Norweger nicht gerade mit Abwechslung glänzen und es schwer ist, die Songs auseinander zu halten. Macht aber nichts, denn man kann toll mitgröhlen.

 

Um 18:45 sind J.B.O. auf der True Metal Stage an der Reihe. Der gesamte Auftritt wird von „Lauter! Lauter!“ – Schreien begleitet und in der Tat: Die Verteidiger des wahren Blödsinns sind ziemlich leise. Bei Nummern wie „Ein guter Tag zum Sterben“ oder „Ein Fest“ ist die Band eher Begleitung zu lauten Chören aus dem Publikumsbereich. Mit allerlei niveaulosen Ansprachen, die erstaunlich gut ankommen, ziehen J.B.O. die Leute schnell auf ihre Seite. Bereits hier sieht man Crowdsurfer ohne Ende, ein Trend, der in diesem Jahr den zumutbaren Rahmen sprengt. Im 10-Sekunden-Takt Leute über sich zu heben, die weniger kräftig gebauten Personen vor Springerstiefeltritten schützen und gleichzeitig auch noch einem Konzert zu folgen, ist nicht möglich.

 

Man mag denken, dass man mit diesem Problem nur bei J.B.O. zu kämpfen hatte, dem war aber lange nicht so. Bei Dimmu Borgir, Lacuna Coil, In Flames, Blind Guardian, In Flames und – man mag es kaum glauben – sogar Immortal. Das ist nicht nur unpassend, sondern nervig und vor allem sehr gefährlich für andere. Nicht nur einzelne Zuschauer beschwerten sich über blaue Augen und blutende Nasen. So viel Spaß es auch bringen mag, sich von den Leuten tragen zu lassen: Ein wenig Rücksicht gehört dazu. Und wenn dann dieselben Personen das vierte und fünfte Mal meinen, die Sicherheit anderer gefährden zu müssen, kann man darüber nur noch den Kopf schütteln. Bei einigen großen Festivals ist das Crowdsurfen bereits verboten und auch das Wacken Open Air täte gut daran, ähnliche Schritte einzuleiten.

Als später die ersten Klänge von Lacuna Coil auf der Black Stage erklingen, ist der Zuschauer-Status von Children of Bodom 2006 fast erreicht. In diesem Jahr fehlte leider die Leinwand links von den beiden Hauptbühnen, so dass man sich – wenn man weiter hinten stand – auf die große Leinwand in der Mitte konzentrieren musste. In schwarz-roten Outfits geben Lacuna Coil nun ihr Bestes. Cristina Scabbia, Frontdame der italienischen Band, scheint bei bester Laune zu sein, bewegt sich mehr als sonst. Animationsversuche gen Publikum zeigen Erfolg. Der Schwerpunkt liegt insgesamt eher bei neuen Songs und vor allem beim neuesten Album „Karmacode“. „Fragile“, „To The Edge“ und „Fragments of Faith“ sind einige der gespielten Songs. „Our Truth“ widmet die Band dann den Fans, die Rock, Metal und “this beautiful festival called Wacken” unterstützen. Schließlich darf natürlich „Heaven’s A Lie“ nicht fehlen und auch das Depeche Mode - Cover „Enjoy The Silence“ wird gespielt, bevor sich die Band dann etwa zehn Minuten zu früh verabschiedet.

 

Zeitgleich mit Lacuna Coil sind auf der Party Stage Enslaved zu bestaunen: Sie gehören zu den Urgesteinen der norwegischen Szene, dennoch wurden sie nie zu den ganz Großen. Völlig zu Unrecht, denn sie waren es, die den Begriff des Viking Metal, der heute in aller Munde ist, erfunden haben. Zudem gehören sie zu den kreativsten und bahnbrechendsten Bands der Szene. Was als Viking Metal begann, hat eine Metamorphose hin zu progessiven, psychedelischen Sounds mit einem gehörigen Anteil Schwarzmetall gefunden. Und diesen Sound bringen sie perfekt auf die Party Stage. Ob die alten Balck Metal-Mosher der Anfangszeit oder die komplexen Songs der letzten Scheiben, der Gig ist ein Erlebnis für sich. „As Fire swept clean the Earth“ und „Return to Yggdrasil“ sind mit ihren mitreißenden Flow-Parts an Intensität kaum zu überbieten. Kaum eine andere Band schafft es, ihre Hörer erst in Trance zu versetzen und im nächsten Moment zum extatischen Haareschütteln zu bewegen. Neben der Urbesetzung Gruntle und Ivar weiß vor allem Keyboarder Herbrandt zu beeindrucken, der live auch für die cleanen Vocals zuständig ist. Er ist nicht nur stimmsicher, sonder nimmt auch von Zeit zu Zeit eine dritte Gitarre in die Hand und unterstützt die intensive Soundwand. Enslaved sind somit das perfekte Erlebnis abseits des Hauptprogramms des Wacken Open Airs. Intensiv und hypnotisch, wer das verpasst hat, ist selber schuld.

 

Im Jahr 2002 standen Blind Guardian das letzte Mal in Wacken auf der Bühne. Schon da soll die Band Zuschauerrekorde übertroffen und aufgestellt haben. Man kann sich denken, was das für das bisher größte Wacken Open Air 2007 bedeutet. So ist der gesamte Festivalplatz brechend gefüllt. Ein Zustand, der nur noch bei In Flames übertroffen werden soll. Von Anfang an beweist ein Spitzenpublikum, dass die Texte noch immer sitzen. Vom neuen Album „A Twist In The Myth“ wird wenig gespielt, die Single „Fly“ darf aber natürlich nicht fehlen. Ansonsten konzentriert sich die Band eher auf eine Best-Of-Setlist, die eigentlich keine Wünsche offen lässt. Der obligatorische „The Bard’s Song“ wird fast vollständig von den Fans intoniert. Das Gänsehaut-Feeling ist bei diesen Songs live noch immer da und wird wohl auch nie vergehen. Während „Lord Of The Rings“ in die gleiche Kerbe schlägt, sorgen „Into The Storm“, „Valhalla“, „Bright Eyes“ und „Welcome To Dying“ dafür, dass die Stimmung nicht abkühlt. Und das tut sie tatsächlich nicht. Hansi Kürsch und Co. wissen inzwischen, wie man das Publikum auf seine Seite zieht und eine Bildershow im Bühnenhintergrund untermauert die tolle Atmosphäre.

 

 

 

Sie sind der erfolgreichste Black Metal-Act aller Zeiten und entsprechend hoch sind die Erwartungen an Dimmu Borgir. Ob man sie noch als Black Metal bezeichnen darf, bleibt dabei natürlich in der Kontroverse. Dennoch durfte man auf eine tolle Show gespannt sein. Und die gibt es auch. Die Norweger betreten die in dunkles Licht getauchte Bühne wie die Herren der Finsternis selbst. Jeder der Protagonisten stellt sich gekonnt ins Rampenlicht. Doch ist es genau diese Show-Orientiertheit, die Plus- und Minuspunkt zugleich ist. Ja, sie unterhalten gut, aber sie können nicht mitreißen. Was fehlt, ist Herzblut. Sharagth und Rest sind professionelle Entertainer, kommen aber nicht als ehrliche Musiker rüber. Unterstützt wird dieser Eindruck noch vom künstlichen Keyboardsound. Dimmu Borgir sind auch live leider mehr Plastik als Metall. Dabei möchte ich den Musikern ihr Können gar nicht absprechen. Die Songs werden perfekt performt und gerade die mächtigen Vortex-Clean-Vocals sorgen für die eine oder andere Gänsehaut. Den meisten Charme versprühen sie mit den alten Klassikern wie „Mourning Palace“ , „A Succubus in Rapture“ oder auch „Kings of Carnival Creation“. Die neuen Songs hingegen bleiben farblos. Insgesamt kann man diesen Auftritt als leckeres Fast Food bezeichnen. Hübsch anzusehen und spaßig, aber ohne größeren Nährwert ergo Tiefgang. Für Fans der Band ist es sicherlich ein Erlebnis, für alle anderen, die auf Musik mit Tiefe stehen, eher nur ein netter Zeitvertreib.

 

 

 

Als letzte Band an diesem Abend auf der Party-Stage treten Samael auf, während sich gleichzeitig die Apokalyptischen Reiter dem Publikum der Black Stage präsentieren. Während die Schweizer von Samael vor zwei Jahren noch auf der großen Black Stage spielen durften, müssen sie sich in diesem Jahr mit der deutlichen kleineren Party Stage zufrieden geben. Das hat jedoch keinerlei negative Auswirkung auf die Atmosphäre und die Energie, die die Band hier zutage bringt.

 

Man entscheidet sich für eine deutlich albumübergreifende Setlist, so dass keines der Alben zu kurz kommt und kein essenzieller Hit ausgelassen wird. So gibt es viele aktuelle Songs wie "On Earth" und "Solar Soul", aber auch ältere Tracks wie "Rain" von „Passage“ zu hören. Einen Höhepunkt stellt sicherlich die neue ohrwurmreiche Single "Slavocracy" dar, die Samael - wie auch den Rest der Songs - sehr überzeugend und energiegeladen präsentieren. Trotz der sehr späten Uhrzeit ist bei der Band keine Müdigkeit zu erkennen und so legen die Schweizer einen sehr dynamischen und stilvollen Auftritt hin: Auf der Bühne wird gesprungen, geknüppelt und gerannt. Es ist immer wieder ein Erlebnis, eine Band dermaßen motiviert spielen zu sehen. Trotz der ganzen Akrobatik auf der Bühne geht es im Publikum allerdings eher ruhig zu. Es ist ohne Schwierigkeiten möglich, auch noch kurz vor Beginn des Konzertes einen Platz relativ weit vorne zu ergattern. Ob es nun an der Uhrzeit liegt oder an der Tatsache, dass die meisten Wacken-Besucher sich dann doch für die Apokalyptischen Reiter entschieden haben: An dem Auftritt von Samael selber kann es nicht gelegen haben, denn dieses energiereiche Konzert von Samael war auf jeden Fall eines der ganz großen Höhepunkte an diesem Festivaltag.

 

 

 

Am Sonntag hatte man eine Stunde mehr Zeit, Energie zu tanken, da Disillusion bzw. Sonic Syndicate erst um 12 Uhr auf der Bühne standen.

 

Disillusions „Back to the Times of Splendor“ konnte auf Anhieb die Metal Community begeistern. „Gloria“ hingegen, der aktuelle Release, spaltete die Szene. Umso gespannter dufte man sein, wie das neue Material auf dem Wacken Open Air angenommen wird. Tatsächlich ist die Party-Stage eher leer, was aber auch an der frühen Uhrzeit liegen kann. Los geht es mit „The Black Sea“. Der mächtige Refrain weckt auch die letzten Zuschauer auf und immer mehr Haare setzen sich in Bewegung. Live kommen die neuen Stücke doch um einiges knackiger rüber. Vor allem der Titeltrack des letzten Albums „Gloria“ ist live ein absoluter Knaller. Sowohl soundtechnisch als auch von der Performance her steigert man sich von Song zu Song. Klar, dass dabei die Spielzeit von knapp 45 Minuten viel zu kurz ist. Auch, wenn Disillusion nun einen neuen Kurs fahren, haben sie sich nicht von ihrer Vergangenheit abgewandt und so gibt es unter anderen auch den Titeltrack ihres Debuts „Back to the Times of Splendor“ zu hören. Es ist immer wieder ein Erlebnis, diesen Song live zu hören. Gänsehaut von den ersten Tönen des unverwechselbaren Geigen-Intros an. Insgesamt ein guter Auftritt, auch wenn Disillusion sicherlich eher eine Club-Band sind, die ihre Zeit benötigt, um sich zu entfalten.

 

Auch, wenn vom Mond keine Spur ist und die Sonne mit all ihrer Kraft vom Himmel brennt, sind etwas später Moonspell an der Reihe, einen Hauch von Nacht zu verbreiten. Los geht es wie üblich mit den ersten beiden Tracks der aktuellen Scheibe „Memorial“, „Finistera“ und „Memento Mori“. Der brachiale Sound des brettharten neuen Materials ist in jedem Knochen zu spüren. So perfekt wie der Sound ist auch die Performance der Band. Während Frontmann Fernando seine markanten Growls loslässt, ist vom Rest der Band meist nur schwingendes Haar zu sehen. So kann die Band auch am helligsten Tag für gute Stimmung sorgen. Neben den neuen Songs gibt es natürlich auch Klassiker wie „Alma Mater“ und „Vampiria“ von der „Wolfheart“ und „Opium“ und „Full Moon Madness“ von der „Irreligious“ zu hören. Letzterer Song beendet schließlich auch den tollen und schweißtreibenden Auftritt.

 

 

 

Fair to Midland haben schon eine krasse Außenseiterrolle inne. Zum einen haben sie mit Metal nicht allzu viel am Hut und zum anderen kennt sie in Deutschland keine Sau. Bei dem Potenzial, welches diese Band hat, ist das beinahe schon ein Verbrechen. Mit meiner Person eingeschlossen, kennen die Combo aus Texas vielleicht fünf Leute, doch das Feuer, welches ihr melodisch-proggressiver Sound verbreitet, greift schnell um sich und immer mehr Leute rücken zur Bühne vor. Kein Wunder, denn Fair to Midland sind Energie pur. Ich habe noch nie eine Band gesehen, die auf der Bühne dermaßen abgeht. Alles springt durcheinander, der Sänger schmeißt sich auf den Boden (oder hat sich auf‘s Maul gelegt, das ist bei der Performance nur schwer zu sagen). Vor allem Fronter Darroh ist unglaublich. Seine glockenhelle Stimme trifft jeden Ton, bevor er plötzlich in exstatisches Gebrüll verfällt. Die Band, die in den USA im übrigen von niemand Geringerem als Serj Takian (System of a Down) entdeckt wurde, präsentiert ausschließlich Songs vom aktuellen Album „Fables from a Mayfly: What I tell you three Times is true“. Den Höhepunkt bildet ihr bis dato erfolgreichster Track „(Free Tibet) Dance of the Manatee“ und das nicht nur, weil Darroh todesmutig die Bühne der WET-Stage erklimmt. Zu guter Letzt schallen sogar Zugabe-Rufe durch das Zelt. Großartig, man kann nur hoffen, dass die Jungs auch hierzulande bald bekannter werden.

 

Guter und ehrlicher Black Metal geht auch ohne Klischees, Schminke und Knast – Aufenthalte. Secrets of the Moon sind der beste Beweis dafür. Auch live kann ihr hypnotisch-okkulter Sound überzeugen. Daevas beschwörender Gesang thront gerade zu Beginn über den mächtigen Gitarrenläufen. Dem Bann von Songs wie „Miasma“ oder „Lucifer Speaks“ kann sich keiner entziehen. Die Songs funktionieren einfach toll zwischen Eingängigkeit und progressiver Verspieltheit. Secrets of the Moon sind ein weiteres Beispiel dafür, dass man in Wacken auch Highlights abseits der großen Bühnen finden kann.

 

Direkt im Anschluss folgt auf der WET-Stage nach Secrets of the Moon der zweite Prophecy-Act, The Vision Bleak. Eigentlich hat eine Band wie die Mannen um Schwadorf und Konstanz, die viel auf Atmosphäre setzen, nachmittags auf der WET-Stage schlechte Karten. Doch die Band zeigt sich flexibel und legt die sonst so gut ins Konzept passende Distanz zum Publikum ab und bringt eine klassische Metal-Show auf die Bühne. Hierbei wandelt sich Konstanz vom coolen Geschichtenerzähler zum energischen Frontmann. Im harten Death Metal-ähnlichen Sound spielen sie ihre zahlreichen Klassiker, wie „Cthulu“, welches wie üblich die Show eröffnet, und „Wolfmoon“. Obwohl man ein neues Album im Gepäck hat, gibt es erst ganz zum Schluss was daraus zu hören. Dafür ist dieser Song, welcher auf den Namen „By our Brotherhood with Seth“ hört, auch eine absolute Live-Granate. Die Gitarren grooven hart und der Refrain lädt zum Mitsingen ein. Schade, dass es nicht mehr neues Material zu hören gibt.

 

Großer Besuch aus Brooklyn hat dieses Jahr den Weg nach Wacken gefunden: Und zwar keine Geringeren als Type O Negative. Mit viel Stil betreten die Doom-Helden um Pete Steel die Bühne. Alles ist in schwarz und neongrün gehalten, so auch das Outfit von Mister Steele selbst. Vor allem sein neongrüner Priesterkragen ist preisverdächtig. Auch musikalisch zeigen die alten Herren Präsenz. Gut bei Stimme und mit viel Spielfreude brüllt und singt Pete die Songs und macht die Show perfekt. Gewohnt asozial kippt er sich dabei dermaßen viel Alkohol hinter die Binde, dass es verwunderlich ist, dass er überhaupt noch Töne trifft. Stehen kann der gute Mann jedenfalls am Ende nicht mehr richtig und landet schließlich unsanft auf dem Boden, nachdem er versucht, seine letzte Bass-Saite durch zu beißen. Einfach ein geiler Auftritt. Selbst die Band kann sich trotz gewohnter „Wir wollen keine Fans“-Attitüde und „You Suck“-Rufen das Grinsen nicht verkneifen.

 

 

 

An dieser Stelle hätten wir gerne über Turisas und Moonsorrow berichtet, doch genau wie an den Vortagen war ein Betreten des Zelts mit der W.E.T-Stage nicht möglich.

 

„Immortal is not mortal“. Die Norweger Botschafter von Blashyrk sind zurück und zwar als Headliner. Mit glasklarem Sound dreschen sie ihre Geschichten aus der Tundra über die Felder Wackens. Sie bieten der Menge, was sie erwartet: Zahlreiche Hits aus der Bandgeschichte wie „One by One“, „Tyrants“, „At the Heart of Winter“ und natürlich „Blashyrk Mighty Raven dark“. Natürlich wird auch gepost, was das Zeug hält, inklusive Feuerspucken. Abbath ist zwar ziemlich in die Breite gegangen, hat aber in seiner Bühnen-Abstinenz nichts verlernt. Schöner Auftritt, aber auch kein Knaller. Dafür kommt die Show viel zu routinemäßig rüber. Vielleicht liegt es aber auch an der viel zu großen Menschenmasse, die ein Vordringen über Reihe 80 hinaus unmöglich macht, so dass der frostige Hauch mich einfach nicht erfassen will.

 

 

 

In Flames haben bereits 2003 einen beinahe legendären Auftritt hingelegt, doch Sänger Anders macht von Anfang an klar, dass sie diese Leistung 2007 noch überbieten wollen. Und sie geben sich auch wirklich alle Mühe dazu. In Flames sind eine Band mit unglaublich viel Routine, leider ließen sie das in der Vergangenheit auch viel zu oft raushängen. Doch an diesem Abend war von dieser Einstellung nichts zu spüren. Die Schweden sind anscheinend eine Band, die mit der Masse der Zuschauer über sich hinaus wächst. Pure Energie breitet sich von der Bühne über das gesamte Festivalgelände aus. Mit viel Spielfreude können sie auch die letzten Reihen begeistern. Anders Friden zeigt sich hierbei als sympathischer Entertainer, der um keinen lockeren Spruch verlegen ist. Die Setlist besteht zu großen Teilen aus Songs der letzten drei Alben, was für viele Fans der ersten Stunde alles andere als erfreulich ist. Glücklicherweise funktioniert das Material on Stage hervorragend und mitreißend. Große Momente gibt es viele. Da wäre zum einen die Hüpforgie zu „Only for the weak“. Bis zum Eingang des Geländes bewegt sich die Masse auf und ab. Einfach unglaublich. Als es an der Zeit für die Ballade „Come Clarity“ ist, macht Anders spontan das Publikum zur Lightshow, um, wie er meint, ein richtiges Power-Ballade-Feeling zu erzeugen. Das ganze Gelände verwandelt sich in ein Lichtermeer aus Handys und Feuerzeugen. Bei diesem Anblick musst man einfach eine Gänsehaut bekommen. Natürlich werden auch wieder tonnenweise Pyros abgefeuert und so kann sich diese Show sprichwörtlich ins Gedächtnis einbrennen. Sie schaffen es also tatsächlich und überbieten ihren Auftritt von 2003. In Flames bieten eine perfekte Show, vielleicht sogar den besten Auftritt dieses Jahr in Wacken.

 

 

 

Bereits um 00:35 Uhr beginnen auf der Party Stage Haggard ihren Auftritt. Trotz der späten Stunde und den vorrangegangen Top Acts des nun letzten Festivaltages ist der Bereich vor der Stage sehr gut gefüllt. Genauso voll wie der Platz ist aber auch die Bühne. Um die 20 Männer und Frauen versammeln sich teils sitzend, teils stehend auf der Bühne um die Musik für die nächste Stunde zu liefern. Haggard spielen hauptsächlich Songs der "Eppur Si Muove"-LP, die mit dem Titelsong an sich, "Of A Might Divine" und "The Observer" für die Highlights des Auftrittes sorgt. Es werden als Premiere auch zwei neue Songs, des nun bald erscheinenden Albums "Tales Of Ithiria" vorgestellt. Sie bleiben allerdings nicht wirklich im Ohr hängen. Bei generell gutem Sound kommt es hin und wieder zu Soundüberschneidungen mit Cannibal Corpse von der Black Stage. Mehr als rechtzeitig beenden Haggard ihren Auftritt und spielen trotz sehr lauten Zurufen durch das Publikum natürlich keine Zugabe. Sänger Asis besucht zwar nochmals die Bühne, aber kommt nicht zu Wort, da das Mikrofon offensichtlich ausgeschaltet ist.

 

Nachdem zuletzt Subway to Sally wie auch letztes Mal die Position des Rausschmeißers übernehmen und als letzte Band spielen, geht auch das Wacken 2007 vorbei. Wer letztes Jahr schon dachte, die absolute Obergrenze der Besucherauslastung sei erreicht, dürfte dieses Jahr eines besseren belehrt woden sein. Der Veranstalter versichert zwar, die Obergrenze an Besuchern sei mit den offiziell 72.000 Menschen auf dem Festivalplatz erreicht, doch lässt allein die Verpflichtung von Iron Maiden für 2008 erwarten, dass das Interesse noch größer sein wird als in diesem Jahr. Man sollte sich also auf einen noch früheren Ausverkauf einstellen.

 

Rückblickend darf auf ein riesiges Festival mit guten Bands und tollen Performances geschaut werden, das aber durch das ein oder andere Ärgernis dafür sorgte, dass das Statement "Das war mein letztes Mal Wacken." vor allem von alteingesessenen Wacken-Besuchern nicht selten zu hören war. Doch neue Fans kommen bestimmt.

 

 

 

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