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Wacken Open Air 2006

Zum Thema

15, 16, 17 … und kein Ende in Sicht! Ganz im Gegenteil! Wieder einmal ist das Festival nach 12 Monaten Vorbereitungszeit zu Ende und wieder einmal feiern die Veranstalter einen deutlichen Anstieg der Publikumszahlen. Dieses Jahr war wohl für jeden Festivalbesucher klar ersichtlich, dass das Wacken Open Air seit dem Start mit 800 Besuchern zu einem der größten, europäischen Festivals gehört. Dass es das nach Angaben der Veranstalter größte Metalfestival überhaupt ist, ist dagegen schon seit längerem nichts Neues. 62.500 Pilger sollen es diesmal gewesen sein, die ihren Weg in den Norden Deutschlands gefunden haben. Fast schon gering wirkt die Zahl, holt man sich die Bilder der teils bis zum Einlass gefüllten Fläche vom 03.-05. August 2006 zurück ins Gedächtnis. Eigentlich hatte der Veranstalter schon mit der Besucherzahl letztes Jahr eine Grenze gesehen, die nicht so schnell überschritten wird. Doch nachdem diesmal ca. 11.000 mehr Besucher vor Ort waren, ist man der Meinung, man pendle sich nun langsam bei einem bestimmten Wert ein. Da man weiterhin auf die „ganz großen Headliner“ verzichten möchte, damit z.B. die kleineren Bands nicht darunter leiden müssen, klingt diese Vorstellung auch ganz logisch, denn noch mehr bekannte Bands gleichzeitig zu verpflichten, wirkt bald schon utopisch. Außerdem bliebe immer noch die Frage, ob Maiden, Manowar und Co. wirklich so viele Besucher ziehen würden. Die Veranstalter glauben nicht daran und beharren weiter darauf, dass man lieber Wert auf eine gute Mischung aller Stile legen sollte.

 

 

 

Schon eine Woche vor dem letzten Festivaltag gab es Überraschungen für das Organisationsteam. Man hatte damit gerechnet, dass am Mittwoch, also ein Tag vor Festivalbeginn, die 5.000-Camper-Marke gesprengt würde. Als jedoch schon vier Tage früher 5.000 Metalheads ihre Zelte aufgestellt hatten, sah man sich gezwungen, sieben neue Zeltplätze (30 Hektar) herzurichten. Damit verbunden war die Aufstockung der Einsatzkräfte, der sanitären Einrichtungen, usw. Doch nach drei Tagen sollte dieses Problem gelöst sein. Die meisten Besucher bekamen davon wohl noch nichts mit, sondern waren mit ausgiebigem Feiern bei gutem Wetter beschäftigt. Wo man letztes Mal knöcheltief in den Schlamm versank, konnte man dieses Mal meist trockenen Fußes von A nach B gelangen. Diverse Unwetterwarnungen stellten sich als falsch heraus und auch den angekündigten Tornado, für den die Veranstalter extra die Einsatzkräfte erhöht hatten, zog blitzend in sichtbarer Nähe, an Wacken vorbei.

 

 

 

Bei der „Night to Remember“ glänzten im Jahre 2005 auf der Hauptbühne Nightwish, Candlemass, Oomph! und Tristania. Der Härtegrad wurde dieses Mal etwas zurückgeschraubt und so gibt es mit einem 20minütigen Auftritt von Faster Inferno fest. Tyson Schenker gleich zu Beginn den kürzesten Auftritt des ganzen Festivals zu sehen. Der Boden ist von einem kräftigen Schauer am Nachmittag noch etwas glitschig, doch sollte es zum Glück der letzte, starke Regenfall für die nächsten drei Tage sein. Nicht zu nass, nicht zu heiß: Perfektes Festivalwetter also. Nachdem gleichzeitig Gutlock die W.E.T. – Stage entjungferten und Victory auf der True Metal Stage die 80er wieder aufleben ließen, konnte man beim Transilvanian Beat Club alte bekannte von Eisregen in neuem Gewand treffen. Kitschiger Party Death Metal, der schon auf dem Debütalbum der Band für gespaltene Meinungen sorgte. Songs wie „Wodkavampir“, „Sex, Schnaps und Rock’n’Roll“ oder „Wodkapolka“ geben die Richtung an und werden gnadenlos gefeiert. Etwas später steht auf selbiger Bühne die Rügener Kult Band Cor, deren Stil als undefinierbar gilt. Man zieht wortkarg das Programm durch, sorgt aber dennoch für Stimmung. Zeitgleich beginnen die Scorpions ihren Headliner-Auftritt des Abends. Bereits im Vorfeld hatte die Band große Töne gespuckt. Die Night to Remember“ wurde für ihre Zwecke neu interpretiert. So wolle man sich auf alte Stärken besinnen und in der Geschichte zurückgehen. Der Auftritt in Wacken sei etwas ganz Besonderes, weil man die Metal-Community anspräche und den jungen Leuten mal wieder beibringen wolle „wie man richtig rockt“. Durch ein Internet-Voting war eine nicht ganz gewöhnliche Setlist zustande gekommen, alte Songs wurden wieder ausgegraben und eingeprobt, teilweise Songs, die noch nie oder kaum live performed wurden und somit für Fans eine einmalige Chance bot, eine klasse Show geliefert zu bekommen.

Als die Musik dann ertönt, erscheint auf der Leinwand die Band, wie sie wie bei einem Boxkampf mit Sportmantel umhüllt zum „Ring“ schreitet, wenig später schallt der erste Song mit einem klasse runden Sound über die Bühne. Schon der erste Track kann das Publikum mitreißen, das dann die gesamten 2 ½ Stunden mit aller Kraft bei der Stange bleibt. Songs wie „Blackout“, „Big City Nights“ oder das fürs Publikum zum Mitsingen bestens geeignete „Still Loving You“ rocken ohne Ende und können alle, die sich vor die Bühne gezwängt haben, vollends überzeugen. Klaus Meine ist bestens drauf, sei es die Bühnenperformance oder sein Gesang. Aber auch der Rest der Band ist sehr spielfreudig, vor allem Rudolf Schenker ist einfach ein erstklassiger Gitarrist. Das hinderte die Band allerdings nicht daran, insgesamt noch drei andere auf die Bühne zu holen. Mit Uli Jon Roth, Michael Schenker und dessen Sohn Tyson Schenker, der zuvor mit „Faster Inferno“ aufgetreten war, bekommt man gegen Ende sogar fünf Gitarren um die Ohren gehauen. Jeder Gitarrist hat seinen Stil und alles verschmilzt perfekt. So ist es auch nicht selten, dass dieses Gitarrengefrickel mehrere Minuten in Anspruch nimmt, und so manchem ist das schon etwas zuviel des Guten. Der Sound ist weder matschig noch übersteuert, die fünf Gitarren sind klar abgemischt, mein Lob an den Tonmann. Auch Hermann Rarebell darf den einen oder anderen Song auf den Drums begleiten, sodass die Scorpions eine echte Session mit alten Freunden abliefern, bei der nicht nur sie selbst, sondern auch die Fans ihren Spaß haben. Zu guter Letzt wird es ziemlich ruhig auf der Bühne, die Band geht, jedoch ist die Show noch nicht vorbei. Nebel erscheint, Maschinenlaute ertönen und unter den Drums öffnet sich ein Tor und der angekündigte Skorpion bekommt seinen Auftritt. Ein Metallmonster größer als ein Kleinbus kommt sehr schleppend, aber bestimmt, auf die Bühne gestapft. Als er draußen ist, präsentiert er natürlich seinen Skorpions-Stachel und dann geben die Scorpions mit „Rock You Like A Hurricane“ noch einmal richtig Gas und werden dabei vom Publikum stimmgewaltig unterstützt.

Übertragen im Wacken-Radio und aufgezeichnet für den Rockpalast (im Oktober auf WDR) haben die Scorpions Wacken dann nun tatsächlich gezeigt, wie man richtig rockt.

Allerdings kam der Klassiker „Winds Of Change“ nicht aus den Boxen, denn dieser war beim Voting auf den letzten Platz gekommen. So war gefühlvolles Rocken für Wacken dann wohl doch nicht drin. Auf das Feuerwerk vom letzten Jahr wurde diesmal leider verzichtet und so endete die „Night to Remember“ dann doch mehr oder weniger unspektakulär.

 

 

 

Der Freitag beginnt auf der Black Stage mit Mystic Circle. Man darf ruhigen Gewissens behaupten, dass allein diese Band während ihres Auftritts mehr knüppelt als alle Bands des Vortags zusammen. Obwohl es erst 11 Uhr morgens ist, haben schon beachtlich viele Besucher ihr Zelt verlassen und vor die Bühne finden können. Der Schein trügt allerdings: Denn zu diesem Zeitpunkt kann ahnt noch niemand, wie viele Menschen diesmal wirklich den Weg nach Wacken bestritten haben. Die drei Bandmitglieder, die übrigens auch schon im Rahmen der Knüppelnacht beim With Full Force-Festival überzeugen konnten, geben hier eine sehens- und hörenswerte Show ab. Ob es am Sound liegt, oder gewollt ist, dass die Band viel, viel härter als auf ihren CDs klingt, bleibt unklar. Was jedoch während des Auftritts klar wird, ist, dass man mit der Song-Auswahl durchaus eine gute Entscheidung getroffen hat. So ist das aktuelle Album zwar mit Songs wie z.B. dem gleichnamigen „The Bloody Path of God“ vertreten, bildet aber keinen übermächtigen Schwerpunkt. Der Auftritt wird mit „Open The Gates of Hell“ beendet, es wehen noch ein paar Soundfetzen vom End of Green-Auftritt auf der Blackstage herüber und schon machen sich die Leute drauf und dran, 25 Meter nach links zu wandern, um dann zentral vor der True Metal Stage zu stehen, wo der Aufbau der Backline für Wintersun schon fast abgeschlossen ist…

 

Schon beim Soundcheck vor dem Gig präsentiert sich Frontmann Jari extrem gut gelaunt und post fröhlich in die Fans, die das auch begeistert quittieren. Eben jene sind auch sehr zahlreich erschienen, was doch ziemlich beeindruckend ist. Wintersun sind beliebt, das ist klar, aber sie füllen wirklich einen Großteil des Platzes und das um 12 Uhr mittags! Und als die Band „Winter Madness“ in die Menge feuert, gibt es kein Halten mehr. Urplötzlich stehe ich in einem Meer aus Haaren und textsicher singenden Fans. Angestachelt davon fegt Jari über die Bühne, singt glasklar und spielt technisch perfekt die Leadgitarre. Aber auch seine Begleitmannschaft zeigt sich extrem versiert an ihren Instrumenten, ist aber ansonsten anfangs etwas hüftsteif. Aber okay, es sind halt Finnen, das ist nun einmal ein etwas ruhigeres Volk. Doch auch die tauen irgendwann auf, wenn sie vor so einem euphorischen Publikum spielen. Im Laufe der 45 Minuten spielen Wintersun fast ihr komplettes Debüt, verzichten aber leider auf neues Material vom, auf Anfang 2007 verschobenen, Nachfolger. Der einzige Song, der außen vor bleibt, ist leider mein Favorit „Sadness and Hate“, aber ein 10 Minuten Song passte wohl nicht mehr in die Setlist hinein. Schnelle Songs der Marke „Battle against Time“ oder „Starchild“ wirken an diesem sonnigen Tag aber sogar so gut, dass es eine unglaubliche Anzahl an Fans dazu verleitet, ein wenig Crowdsurfer zu spielen. Wenn man nicht ständig ein Auge nach hinten wirft, kann es gut sein, dass man schnell einen im Genick „sitzen“ hat. Jari ist nach dem Konzert sichtlich überwältigt und findet keine Worte.

 

Nachdem Born From Pain auf der Party- und Legion of the Damned auf der Black Stage parallel ihre Show zum Besten geben, gehen nun wieder auf der True Metal Stage die Lichter an – auch wenn man bei gutem Wetter und hohen Temperaturen davon herzlich wenig sieht. Im Vorfeld gab es natürlich einige engstirnige Fans, die sich darüber aufregen mussten, dass Danko Jones auf einem Metalfestival spielt. „Leider“ hat der Mann aber mehr Ahnung von Rockmusik, als viele seiner Kritiker. Und so ganz nebenbei zieht er auch eine stattliche Anzahl von Fans vor die Bühne, die sich an seiner Kombination aus Rock und Blues erfreuen. Darüber hinaus ist der Frontmann eine ziemliche Laberbacke und haut einen Kracher nach dem anderen heraus. Zu seiner Augenklappe sagt er, dass sein Arzt es ihm wegen seiner Augenverletzung untersagt hatte, zu headbangen. Spricht's und macht den „Zidanko“ d.h. er schlägt seinen Schädel Zidane-like auf das Mikrofon vor ihm. Es sieht schon sehr stark aus, wie die Fans diese eher langsame Kopfbewegung geschlossen nachmachen. „Sleep is the enemy“ ist einer der Songs, der die Masse zum Ausrasten verleitet. Mein Fazit: Danko Jones können mit ihrer mitreißenden Art trotz aller Vorurteile auch auf Metalfestivals bestehen.

 

 

 

Inzwischen ist es schon 15 Uhr und Six Feet Under starten mit ihrem groovigen Death Metal auf der Black Stage an einem immer noch sehr sonnigen Samstag. Anfänglich mit etwas zu leisem Sound legen Six Feet Under auch sofort los, nachdem ein Chris Barnes, dessen Dreads einfach nicht mehr aufhören wollen zu wachsen, jeden Fan mit einem herzlichen „Hello, Motherfuckers“ begrüßt hat. Terry Butler´s Bass grollt wunderbar, Greg Gall´s Bassdrums sind sehr wuchtig, und auch Barnes selbst ist bestens bei Stimme. Er growlt einfach einmalig und die zwischenzeitlichen Screams sind herrlich, live zu erleben. Doch leider hört man die Gitarre von Steve Swanson kaum, man hört zwar die Death Metal-Walze namens Six Feet Under, aber die Gitarre selbst kann sich nicht durchsetzen und versteckt sich hinter Drums und Bass. Das hat zur Folge dass der Gesamtsound, zumindest 30-40m vor der Bühne, eher matschig als gut ist. Allerdings habe ich mir sagen lassen, dass es weiter hinten einen besseren Sound gegeben haben soll. Jedoch hält der Sound die Leute nicht einmal ansatzweise davon ab, total abzugehen. Sofort sind die Crowdsurfer über einem, und spätestens bei dem Kracher „Victim Of The Paranoid“ entstehen um einen herum die Moshpits. Neben den typischen Live-Songs wie „The Day The Dead Walked“, „Feasting On The Blood Of The Insane”, “No Warning Shot” (bei dem Barnes mit dem Finger als Waffe in die Menge „schießt“ und sich dann selbst einen Kopfschuss versetzt), älteren Songs wie „Silent Violence“ und „Revenge Of The Zombie“, gibt es zwei Songs des aktuellen Albums „13“ zu hören („Shadow Of The Reaper“ und „Deathklaat“) und sogar zwei Songs, die sonst eher selten auf der Setlist erscheinen. Zum einen „Burning Blood“ von der „Warpath“ und das Cover „War Machine“, welches gebührend laut mitgegröhlt wird. Mit einem Cover beenden Six Feet Under auch ihren Auftritt, selbstverständlich handelt es sich um „TNT“, das schon vier Songs vor Schluss von den Fans brüllend gefordert worden war. Unterstützt von den lauten „OI“-Rufen der Fans geht eine absolut geniale Band von der Bühne. Mit einer klasse Setlist, einem klasse fratzenziehenden Frontmann, der die Dreads nur so schwingt, und einem klasse Publikum, aber leider nur mit einem eher mäßigen Sound.

 

Ab 18:45 Uhr stehen In Extremo auf der True Metal Stage. Auch den Mittelalter Rockern wurde ein Set von einer Stunde eingeräumt. Wie auch auf der Tour ziert die Bühne – passend zum aktuellen Album „Mein Rasend Herz“ – ein Schiff. Gerade am Beginn ähnelt die gespielte Setlist sehr stark der der im Frühjahr veröffentlichten DVD „Raue Spree 2005“. So starten die Jungs auch in Wacken ihren Auftritt mit „Raus See“, gefolgt vom Klassiker „Spielmannsfluch“, bei dem es in der Menge wie erwartet kein Halten mehr gibt. Und es waren nicht wenige Menschen. Ich wage zu behaupten, dass In Extremo eine größere Menge an Leuten vor die Bühne locken konnten, als die vorherigen Bands. Vielleicht machten sich aber auch viele schon für den Auftritt von Children of Bodom bereit, der auch in nicht allzu ferner Zeit starten sollte. Inzwischen spielen die Musiker „Wind“ und danach „Vollmond“. Das sind neben „Omnia Sol Temperat“ und „Erdbeermund“ die einzigen älteren Songs im Set, denn ansonsten wird fröhlich das neue Album durchgezockt. „Horizont“, „Macht und Dummheit“ und auch die kritisch aufgenommene Single „Nur Ihr Allein“ fehlen nicht. Die Stimmung ist gut, die Pyros knallen und nach einer Stunde ist der Auftritt auch schon zu Ende.

 

 

 

Es ist nun 19:45 Uhr, doch bereits eine halbe Stunde vorher traten Vreid ihren Auftritt auf der W.E.T. – Stage an. Nachdem ich den letzten Longplayer der Band rezensiert hatten, war sofort klar, dass ich mir diese Truppe aus Norwegen mit ihrem Black ´n´ Roll ansehen werde. Das ist schon 20 Minuten vor Beginn proppenvoll. Nicht wenige tragen Shirts der Band, die das Cover der „Pitch Black Brigade“ zeigen. Wie ich es erwartet habe als ich das volle Zelt und die Menge Shirts der Band sah, werden Vreid auch empfangen, als sie auf die Bühne kommen. Man hat den Eindruck, es wäre einer der Hauptacts im Zelt aufgetreten. Mit „Da Draumen Rakna“, dem Opener der aktuellen Platte, geht es auch gleich in Bester Vreid-Manier zur Sache, die Fans gehen ziemlich ab, den ganzen Gig über herrscht eine geniale Stimmung im Zelt, jeder Song wird umjubelt, es wird zusammen zugeprostet und gefeiert. Ein paar Songs ihres Debüt´s „Kraft“ werden ebenfalls bestens empfangen und was mich persönlich sehr gefreut hat war, als die Töne von „Hengebjörki“ erklingen, die einen in den ersten zwei Minuten so an den Akte-X Soundtrack erinnern. Es ist der Anfang eines 9-Minütigen Hammersongs, der ohne Zweifel zu einem der Höhepunkte der aktuellen Platte gehört. Dem folgt ein Tribut Song an den verstorbenen Walfar, mit dem die Band zuvor die Band Windir bildete. Mit dem sehr, sehr rockigen Song „Pitch Black“, der live sogar noch besser rockt als auf Platte, verabschiedet sich eine Band, die nur jubelnde Fans in einem voll gefüllten Zelt hinterlässt. Vreid sind live eine wirkliche Wucht, die Band spielt klasse zusammen und geht bestens ab. Man kann nicht anders als ihrem Beispiel zu folgen.

 

Just in diesem Moment beginnen Korpiklaani und Carnivore gleichzeitig ihren Auftritt. Aber nicht nur das: Weil Children of Bodom wenig später auf der True Metal – Stage, die zwischen den beiden anderen Bühnen liegt, ihren Auftritt starten sollen, stellen sich vielen Leute auch schon vor diese. Man könnte also meinen, die Menschenmassen verteilen sich etwas, so dass der Platz vor den Bühnen nicht ganz so überfüllt ist. Wunschdenken – allein Korpiklaani bekommen den Party-Stage-Vorplatz mehr als voll. Man fühlt sich etwas an Finntroll erinnert, die letztes Jahr mit demselben Ergebnis auf dieser Bühne spielten und nun dieses Jahr wieder eingeladen wurden. – für die Black Stage. Nun gut, so groß sind Korpiklaani aber wohl noch nicht, aber beachtlich sind die Zusprüche von Seiten der Fans dennoch. So verwandeln sich die ersten 30 Reihen sofort nach den ersten Humppa-Metal-Klängen in einen riesigen Moshpit. Bei der Setlist werden die beiden neueren Alben deutlich bevorzugt und Songs wie „Beer Beer“ dürfen sowieso nicht fehlen. Die Leute, die nicht frontal vor der Bühne stehen, haben Pech gehabt, denn von dort aus ist Carnivore von der Black Stage fast schon lauter als die Finnen.

 

Carnivore – jene umstrittene Band, die Pete Steele vor Type O Negative hatte, spielen also auf dem Wacken. Umstritten deshalb, weil viele seinen beißenden Zynismus als Rassismus und Frauenfeindlichkeit auslegten, was bei diesen Texten aber auch schnell passieren kann. Die Musik, das muss ich ja zugeben, ist mir gänzlich unbekannt.

Das Intro ist die Titelmusik aus „Sharks“ (Der weiße Hai) und als Carnivore, komplett in rot, die Bühne betreten und ein wenig auf ihre Instrumente einhämmern, heißt es auch schon wieder „Dankeschön!“ (auf Deutsch) und die Band verschwindet. Natürlich nur für ein paar Minuten, aber das ist eben der Humor der Band. Nach einem Drumsolo wird der Mann hinter der Schießbude auch als „Saxophonist“ betitelt. Für Leute wie mich, die nur Type O Negative kennen, ist es ein wenig erstaunlich, was für eine Musik Mr. Steele einmal gemacht hat. Sicher, ein wenig von (frühen) Type O kann man heraushören, aber größtenteils ist die Musik im positiven Sinne stumpf und geht direkt ins Gehör. Ich hatte aber erwartet, dass die Band mehr Leute vor die Black Stage zieht, aber nun gut. Leer ist es ja auch wieder nicht! Die Fans, die da sind, rocken dafür umso mehr ab, was auch auf mich übergreift. Wie gesagt, die Musik hat irgendwie einen primitiven Charme, dem man sich nur schwer entziehen kann. Dazu passt auch der raue Gesang, der das ganze ein wenig in die Thrash Richtung rückt. Auch die ruhigen Parts können gefallen, während die Gags und die Texte wie gesagt Geschmackssache sind. Einer meiner Jugendträume war es jedenfalls nicht, auf einer Festivalbühne Kotzgeräusche aus den Boxen zu hören. Es kann aber jetzt gut vorkommen, dass ich bei Problemen mit Frauen laut Carnivores „Male supremacy“ höre. Guter Auftritt, der auf die Band neugierig macht, egal, ob es jetzt mit ihr weitergeht, oder nicht.

 

 

 

Children of Bodom ist die nächste Band, die nun auf der True Metal Stage spielen soll. "Twist And Shout" war das Intro, das es auf der letzten Tour zu hören gab. Doch diesmal bedient man sich zum Einlaufen dem Eläkeläiset – Humppa - Cover von „Hate Me!“. Viel gibt es zu der Show eigentlich nicht zu sagen. Professionell zockt man das Set durch, macht relativ wenige Ansagen und lässt es sich nicht nehmen vor der bisher wohl größten Menschenansammlung auf der Bühnendeko ordentlich herumzuposen. Diese ist übrigens immer noch im Industrial-Style gehalten, mit Auto, Metallbrücken, etc. Von „Something Wild“ bis „Are You Dead Yet?“ berücksichtigt man alle Alben, ohne zu starken Schwerpunkt. Auf „Trashed, Lost & Strungout“ muss man aber - wie schon auf der Tour – verzichten. Nicht aber auf eine fette Lichtshow und eine gutgelaunte Band, die hier vor der bisher zweitgrößten Anzahl an Menschen spielten.

 

 

 

Hellfueled ist etwas später eine der wenigen Bands, die ich mir aus dem Grund ansehe, weil ich einen Song total klasse finde. In diesem Fall ist es „Midnight Lady“, der Song rockt fantastisch. Ich denke auch, es ist der Song, den man als ersten von dieser Band zu hören bekommt, da dieser Song bei den Vocals genauso klingt als würde Ozzy Osbourne persönlich am Mikro hängen. Auch hier ist das Zelt sehr voll, wenn auch nicht ganz so voll wie bei meinem letzten Besuch der W.E.T. – Stage bei Vreid. Aber es reichte, um eine klasse Gesamtstimmung hervorzubringen. Schon die ersten Töne bestätigen meine Erwartung, dass Hellfueled noch einige rockige Metalnummern im Stile von „Midnight Lady“ performen würden. Der sehr zufrieden dreinblickende Frontmann Andy (mit Vollbart und Baumfällerhemd) hat sichtlich seinen Spaß und lächelt beinahe durchgehend bei seiner Performance, also ein sehr sympathisch wirkender Mensch. Jedoch klingt er live nicht ganz so stark nach Ozzy, wie es sich auf der Platte anhört, aber eine starke Ähnlichkeit ist nicht von der Hand zu weisen. Der Sound ist allererste Sahne und Hellfueled machen ordentlich Druck. Ein sehr guter Gitarrist, der auch schon mal Zakk Wylde gehört hat (was den Ozzy-Klang nochmals verstärkt) und der auch mehr als einmal dem Frontmann bei den Ansagen ins Wort fällt, plus einer klasse Rhythmus-Sektion machen den Sound perfekt. Auch ist die Band sehr fanbezogen, allein durch das Lächeln zu den Fans baut Sänger Andy eine tolle Beziehung zu ihnen auf. Nicht nur einmal werden die Hände der ersten Reihe genommen, die ihm entgegengestreckt werden. Sogar einen gesamten Song lang darf ein Fan auf die Bühne, um mit der Band zu rocken, eine sehr nette und coole Sache. Mit „Midnight Lady“ (natürlich) geht dann noch mal richtig die Post ab, und die Band verabschiedet sich. Jedoch sind noch 10 Minuten übrig und die Band lässt es sich nicht nehmen, noch zwei weitere Songs zu spielen. Dies wären zum einen „Mindbreaker“ vom ersten Album, mit totalem Ohrwurm-Charakter, und zum anderen „Rock N Roll“, das ebenfalls auf dem Erstling „Volume One“ zu finden ist.

Hellfueled können die Fans eine Dreiviertelstunde lang bestens bei Laune halten und haben (mich eingeschlossen) definitiv ihre Fangemeinde erweitert.

 

Was ab halb 1 bei Ministry abgeht, lässt sich kaum beschreiben! Offensichtlich haben Al Jourgensen und seine Mannen die Soundanlage bis zum Anschlag aufgerissen und feuern aus allen Rohren. Unterstützt von geschickt gewählten Videoeinblendungen und einer starken Lichtshow ergibt das ein beeindruckendes Bild. Ich frage mich allerdings, wie es die Leute in den ersten Reihen überhaupt ausgehalten haben, ohne einen Hörsturz zu erleiden. Selbst auf der Höhe des Soundturms war es stellenweise nicht auszuhalten. Noch dazu wäre die schon angesprochene Lichtshow auch für den einen oder anderen epileptischen Anfall oder eine Massenhypnose gut gewesen. Aber auch musikalisch geht es hier natürlich in die Vollen und als die Zugabe „Psalm 69“ ertönt, sind alle irgendwie froh, das ganze überlebt zu haben, aber auch euphorisch, denn das hier war denkwürdig. Kurz vor ihrem Abtritt (das nächste Album soll das letzte werden), wollen es Ministry offensichtlich noch einmal richtig krachen lassen.

Interessante Randnotiz: An den Drums durfte man einen prominenten Gast begrüßen, denn auf dem Hocker hatte es sich niemand anderes als Joey Jordison bequem gemacht, seines Zeichens hauptberuflicher Kesselflicker bei den Masken-Metallern Slipknot. Wer die Band nur auf ihr Image reduziert, konnte sich bei diesem Gig von den Qualitäten ihres Drummers überzeugen.

 

Leuchtend Orange blickt das Banner von Amon Amarth tief in der Nacht auf die Leute vor der Bühne herab. Obwohl es kurz vor zwei Uhr nachts ist, ist das Gelände sehr voll und die Leute warten gespannt auf das Erscheinen ihrer Wikinger. Als sie die Bühne betreten, ist das Gejubel dementsprechend groß, doch verfliegt er leider schon recht schnell wieder, da der Sound wirklich miserabel ist. Zumindest wenn man weiter rechts vor der Bühne steht. Es ist ein ständiges Hin und Her zwischen laut und leise, dumpf und klar. Wenn man das Organ eines Johann Heggs kaum hören kann, dann ist etwas faul. Das ist kein persönlicher Eindruck, auch rings herum wird anstatt „Amon Amarth“ und Jubel nach den ersten vier bis fünf Songs nur „LAUTER“ gebrüllt. Aber auch hier habe ich mir später von Leuen, die mittig vor der Bühne standen, sagen lassen, dass dort der Sound nicht geschwankt hat. Ich kann also nicht behaupten, dass der Sound im Ganzen schlecht war, Zurück zur Show: Die Bühnenshow ist natürlich einsame Spitze. Die Lichtshow ist sehr gut in Szene gesetzt, sogar Pyrotechnics werden verwendet. Höhepunkt der Show ist natürlich die Kampfszene der Wikinger, wie man sie bereits auf der „Wrath Of The Norsemen“ bewundern kann. Nur muss ich sagen, dass diese Show hier wesentlich besser ist, denn sie ist länger, wirkt zumindest actionreicher (Funken beim Aufeinandertreffen der Klingen) und durch die Leinwand hat man alles perfekt im Blick. Auch dass diese Szene vor dem Fade-In der Gitarre beim Song „Ancient Sign Of Coming Storm“ eingebracht wird, kommt sehr gut. Davon abgesehen liefern Amon Amarth auch auf der Bühne ihre gewohnte Show ab. Propellerbangen ohne Ende, „Rise Your Viking Horns“ – Aufforderungen von Hegg und das Trinken aus den Hörnern, alles wie man er von Amon Amarth erwartet. Die Menge ist gut dabei, in unseren Reihen merkt man zwar die 2-Uhr-Nachts-Ermüdung, aber vor der Bühne ist eine Menge los. Die Songauswahl ist ebenfalls klasse, u.a. „Masters Of War“, „Bastards Of A Lying Breed“, „Fate Of Norns“ und natürlich auch „Pursuit Of Vikings“. Sogar ein Song des kommenden Album „With Oden On Our Side“ wird zur Freude der Wackener performt. Dieser nennt sich „Runes To My Memory“ und kommt anfänglich doch um einiges schneller daher als so mancher anderer Amon Amarth – Song. Allerdings kann ich aufgrund des schlechten Sounds bei uns nicht wirklich viel zum Song sagen, da man nie beide Gitarren zusammen gut abgemischt zu hören bekommt. Das verärgert etwas, da Amon Amarth einfach durch ihre Melodien so besonders sind. Gegen Ende wird der Sound allerdings auch bei uns ein wenig besser.

Zu guter Letzt bekommt man dann natürlich DIE Songs der Band schlechthin zu hören, und zwar „Victorious March“ und „Death In Fire“. Und trotz des Sounds ist die Stimmung klasse, denn diese Songs klingen selbst bei diesem Sound einfach super. Dass es bei den beiden letzten Songs auch noch zwei oder drei sehr laute und lange Rückkopplungen gibt, bestätigt meine Meinung, dass mit der PA nicht alles in Ordnung sein kann. Das zweite Mal sah ich eine große Band auf der Black Stage, die eine 1A Show hinlegte, mit einer tollen Setlist, die aber durch den nicht gerade tollen Sound keinesfalls unterstützt wurde. Schade für die, die zu weit rechts standen.

 

 

 

Der letzte Tag ist gekommen. Während Aborted gleich zu Anfang wieder mächtig Gas geben und wenig später mit Caliban die Emos bedient werden, ist Arch Enemy die erste Band, die richtig viel Publikum vor die Bühne lockt.

 

Die Band erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit, was man auch gut an der Menschenmasse vor der Black Stage ablesen kann. Leider schlägt hier mal wieder das Problem dieser Bühne zu, denn auch die deutsch-schwedische Allianz startet mit einem eher dürftigen Sound. Ich hab keine Ahnung, was da los ist, denn bei der True Metal Stage war der Sound fast immer klasse. Davon lässt sich die motivierte Band aber nicht abbringen, ihren Fans das zu geben, was sie wollen. Die Live Erfahrung macht sich bemerkbar und auch Frau Gossow ist gut bei Stimme. Durch den Soundmatsch kommt sie aber dennoch kaum hindurch. Erst als die aktuelle Single „My apocalypse“ gespielt wird, bessern sich auch die Klangverhältnisse. Überhaupt ist der Song eines der Highlights des Gigs, denn die heute gespielte Version ist einfach erstklassig, was nicht zuletzt an den wieder einmal Ehrfurcht gebietenden Gitarren liegt. Auch ohne seinen Bruder kann Michael Amott also den Standard halten, den man mittlerweile von Arch Enemy erwartet. Hits gibt es natürlich auch am laufenden Band, denn davon hat die Band ja mittlerweile genug geschrieben. Ältere Kracher wechseln sich mit neuerem Material wie „We will rise“ ab. Als absolutes Highlight geht heute aber der Track „Dead bury their dead“ durch, der von Angela schon beängstigend aggressiv herausgerotzt wird. „Mann, hat die ne Röhre!“, meint Ole dann schließlich neben mir. Und wer wäre ich, wenn ich ihm da widerspreche. Ein toller Auftritt einer Band, die schon lange nicht mehr von dem Exotenbonus ihrer Sängerin lebt/leben muss und eine klare Steigerung zu ihrem „nur“ guten Gig beim Wacken 2004. Gleich danach geht es dann weiter zur True Metal Stage, wo es keine geringere Formation als Fear Factory anzuschauen gilt.

 

 

 

Trotz des über 10-jährigen Bestehens der Band aus den USA war dieses Wacken ihr erstes. Und wenn man gesehen hat, wie viele Menschen sich vor die Bühne drängen, um Fear Factory die Wacken-Jungfräulichkeit zu nehmen, fragt man sich, warum sie es nicht eher geschafft haben, hier zu landen. An fehlender Resonanz kann es keinesfalls liegen, denn Fear Factory füllen das Gelände vor der Bühne mehr als ordentlich. Was sofort auffällt, ist der sehr fette Sound, vor allem der des Basses. Die Drums, vor allem die Doublebass, drücken so wie es sich für einen Drummer von Fear Factory gehört. Auch die Gitarre passt sehr gut und vollendet den Industrial-Sound der Amerikaner. Besonders Burton C. Bell ist bestens bei Stimme, obwohl das nicht auf die cleanen Passagen zutrifft. Schon bei den Ansagen merkt man, dass der gute Mann recht heiser ist und ihm sogar ein- oder zweimal die Stimme wegklappt. Beim Gesang fällt das allerdings auch nur gelegentlich bei den Clean-Passagen auf. Sonst singt er so gut wie auf den Alben. Bei der Heiserkeit eine echte Leistung!

Songs wie „Edgecrusher“, „Cyberwaste“ und der Titeltrack des vorletzten Albums „Archetype“ knallen sie den Fans um die Ohren, und diese nehmen das dankend an und gehen dementsprechend in die Vollen. Auch „Linchpin“ vom „Digimortal“-Album wird gespielt, was laut Fronter Bell lange Zeit nicht der Fall gewesen sein soll. Und hier nun für Fans, die sich den Geburtstag von Christian, dem Gitarristen in ihren Kalender anstreichen wollen. Er hat am Tag des Auftritts, dem 05.08., Geburtstag, was natürlich einen „Happy Birthday“- Gesang der Fans zur Folge hat. Als kleines Dankeschön stimmt Christian mit „Walk“ von Pantera ein, und sofort ist die Band mit am Start. Zwar wird es nur bis zum ersten Refrain gespielt, aber das reicht auch schon, um selbst die letzten aus der Reserve zu locken, dieser Song zieht eigentlich immer und kann auch hier positiv überraschen. Da die Stimmung auf ihrem Höhepunkt angekommen ist, spielen Fear Factory auch gleich ihren Klassiker „Replica“, der lauthals von allen mitgesungen wird. Den ersten Gig in Wacken perfekt durchgezogen, hoffen wir, dass es nicht der letzte war.

Als ich die Band vor fünf Jahren das letzte Mal sah, noch mit Dino Cazares an der Gitarre, haben sie mich wirklich beeindruckt. Doch auch in dieser Besetzung haben Fear Factory nichts von ihrer Anziehungskraft eingebüßt.

 

Weiter geht’s mit Morbid Angel auf der Black- und Orphaned Land auf der Party-Stage. Während Morbid Angel den meisten Leuten ein Begriff sein sollte, haben Orphaned Land diesen Status noch nicht ganz erreicht. Die stark traditionell beeinflusste Musik der Israelis lockt dementsprechend auch nicht allzu viele Besucher vor die Bühne, was aber natürlich auch an dem starken „Konkurrenten“ Morbid Angel liegen kann, der just in dem Moment die Bühne entert.

 

Doch: Oh nein, nicht auch noch hier! Auch Morbid Angel hat die Black Stage Krankheit erwischt und speziell Treys Gitarre erinnert heute frappierend an einen Zahnarztbohrer. Und der Rest seiner Mannschaft ist viel zu leise, was es für einen Nicht-“Die Hard“ Fan wie mich schwer macht, überhaupt Songs zu erkennen. Das macht die Band mit ihrem Einsatz aber wieder wett, denn vor allem Dave Vincent (in der Vergangenheit nicht ganz unumstritten, für viele aber der wahre Morbid Angel Sänger) haut eine Schote nach der anderen raus und überrascht durch lockere und lustige Ansagen. Bei „Maze of torment“ gibt es sogar eine Pause, damit die Fans auch mitsingen können. Vielleicht ist das ja immer so, aber das ist für mich das erste Morbid Angel Konzert und deswegen verblüfft mich das ein wenig. Als dann mein heimlicher Favorit der „Altairs..-Platte „Lord of all fever and plague“ ertönt, bessert sich endlich der Sound und Treys Soli können sich unaufhaltsam ins Gehirn des Hörers fressen. Überhaupt steht heute eine „Old School“ Setlist an, d.h. man konzentriert sich auf die Alben mit Dave Vincent. Schade, denn ich hätte z.B. gerne mal „Enshrined by Grace“ mit anderem Gesang gehört. Vermissen tue ich den Song aber nicht, denn wenn vor so einer Kulisse „Chapel of gouls“, immerhin einer DER Hits der Death Metal, ertönt und die Masse kollektiv durchdreht, kann einem eigentlich alles egal sein. Das Genick visiert aber auch „Dawn of the angry“ an, der zweitbeste Song des „Domination“-Albums. Den Besten gibt es aber natürlich auch noch und „Where the slime live“ walzt heute die Menge nieder, wie es auch Bolt Thrower nicht besser hinkriegen könnten. Hier steht eine Stunde lang eine wahre Legende unserer Musik auf der Bühne und klatscht alle Plagiate mit Nachdruck an die Wand. Als letzten Song präsentiert man dann „God of Eemptiness“, die „Ballade“ von Morbid Angel. Angesichts dieser Darbietung wäre ein kollektives Niederknien wohl angebracht, aber ich denke, ausrasten und mitsingen tut’s auch, und ist von der Band auch lieber gesehen. Wohl mit das beste Konzert auf dem Wacken '06!

 

 

 

Das mittlerweile extrem warme Wetter (inzwischen wünscht man sich die Schauer vom Mittwoch und Donnerstag fast schon zurück) könnte ein Grund dafür sein, dass sich der Platz bei Gamma Ray zuerst langsam füllt. Kurz vor Beginn kann ich aber auf der Videoleinwand erkennen, dass sich doch eine sehr große Menge eingefunden hat, um sich eine Stunde lang am Power Metal der Hamburger zu erfreuen. Als Intro dient natürlich „Welcome“ vom Debüt, bevor es mit „Gardens of the Sinner“ richtig losgeht. Kai Hansen & Co. sind sichtlich gut gelaunt, was speziell beim Frontmann mit einem Dauergrinsen belegt wird. Die Soundqualität schwankt zwischen „okay“ bis „sehr gut“, so dass man die gute Instrumentalarbeit auch entsprechend würdigen kann. Als optische Unterstützung bewegen sich die Lichttraversen über der Band hin und her und auch ein paar Lichteffekte werden schon genutzt. Das ist allerdings am frühen Abend, wenn die Sonne einen gerade brät, relativ nutzlos, da es noch viel zu hell ist. Macht nichts, denn Highlights wie das schön fix gespielte „Man on a mission“ oder die beste Nummer vom neuen Album „Majestic“ namens „Fight“ zünden auch so. Bei „Blood religion“ will Kai einen Mitsingteil bringen, wird aber in der relativen Ruhe immer wieder vom Soundcheck-Mann von Soulfly unterbrochen, der in die Mikros der Black Stage röhrt und baut ihn kurzerhand mit ein, indem er zurückbrüllt. Ob der gute Mann das allerdings mitbekommen hat, darf bezweifelt werden. Schon hier wird klar, dass die Setlist eine Mischung der „Best of“ und der „Skeletons...“ Live Scheibe ist. Der Manowar/True Metal Seitenhieb „Heavy Metal Universe“ ist mal wieder DIE Live Nummer schlechthin und auch das übliche „Wir brüllen „Heavy Metal Universe“, bis wir heiser sind“-Spielchen kommt immer wieder an. Diesmal auch ohne Unterstützung von der Black Stage. Danach kündigt die Band ihr nächstes Album namens „Land of the free II“ an, was ich trotz Homepage-Meldung ein paar Tage später, immer noch für einen Seitenhieb auf Hansens ehemalige Band Helloween halte. Denn momentan scheint es Mode zu sein, seine Erfolgsalben fortzusetzen wie z.B. Helloweens „Keeper III“ oder „Mindcrime II“ von Queensryche. Aber wir werden sehen. Das große Finale kommt dann in Form des Helloween Klassikers „I want out“, „Rebellion in dreamland“ und „Somewhere out in space“ (was quasi in „Rebellion...“ eingebaut wurde). Die Fans verlangen aber noch vehement eine Zugabe, weswegen Gamma Ray noch einmal für „Send me a sign“ und gemeinsames Verbeugen & Bedanken vor und bei den Fans (was ein Satz!) zurückkommen. Wieder einmal ein fantastisches Konzert! Ich freue mich auf die DVD.

 

Soulfly war schon im Vorfeld eine der Bands, auf die man wirklich sehr gespannt sein konnte. Denn besonders auf Platten wie der „Prophecy“ zeigen sich Max und seine Band, die damals natürlich anders war, als die, die auf der Bühne stand, sehr experimentierfreudig und brachten viele Akustikklänge und andere Sounds mit ein. Ich war gespannt darauf, inwiefern sie diesen Teil live präsentieren würden, oder auch können. Und ich darf mit Fug und Recht behaupten, dass Soulfly zu einer der Überraschungen auf dem Wacken gehörten. Das, was Max Cavalera da mit seiner Band abgezogen hat, ist einfach nur einsame Spitze.

Los geht’s direkt mit „Babylon“ von der aktuellen Scheibe „The Dark Ages“ und sofort geht es unter den Fans richtig zur Sache, selbst in den hinteren Reihen. Denn der Sound ist (trotz der Black Stage, Gott sei Dank) einfach nur der Hammer. Die Drums klingen perfekt, auch der Drummer selbst ist sehr beeindruckend. Max röhrte aus vollem Hals und kann die Menge richtig antreiben. Was mich dann verwundert, ist die Tatsache, dass „Roots, Bloody Roots“ schon als vierter Song ertönt. Doch er wird nicht ganz gespielt, denn auf einmal höre ich „Jump Da Fuck Up“ aus den Boxen trällern, obwohl die Band noch eigentlich mitten im anderen Song steckt. Soulfly lassen ein so komplexes Medley hören, indem sie ihre Songs so perfekt zu einem Song verschmelzen lassen, dass es fast schwierig ist, allem zu folgen. Es folgt ein ausgiebiges Gitarrensolo, dem folgt ein „Mars“ von der „Prophecy“, inklusive eines Konzertgitarrensolos. Die Band schafft es auf wunderbare Weise, die Atmosphäre und die Abwechslung der Platten auf die Bühne zu holen. Keinmal verspielt man sich, sie alle spielen in einem perfekten Guss und mit sehr viel Gefühl zusammen, was ich wirklich sehr bewundernswert finde, besonders bei diesen vielen Breaks und den Tempiwechsel. Bei „Refuse/Resist“, das auch ganz gespielt wird und kein Teil des ersten Medleys ist, macht Max nur eine große kreisende Fingerbewegung und fordert alle auf, einen riesigen Moshpit vor der Bühne zu starten. Und es klappte bestens, denn auf der Leinwand sieht man die komplette Ausmaße dieses einheitlichen Riesen-Moshpits. So als wären alle kleinen Moshpits zu einem Monster zusammengeflossen, ein sehr beeindruckendes Bild. Wie auch Fear Factory, lassen es sich Soulfly nicht nehmen, Parts aus anderen Songs mit einzubeziehen, allerdings auch nur instrumental. So hört man zwischenzeitlich mal „Electric Funeral“ von Black Sabbath, ein „Angel Of Death“ von Slayer, was in ein klasse Drumsolo mündet, bei dem später sogar die restlichen Bandmitglieder ebenfalls auf Trommeln eindreschen. Allerdings werden diese nicht abgenommen, sodass man sie leider nicht hört. Sogar noch einen anderen alten Sepultura Klassiker bekommt man zu hören. „Troops Of Doom“ wird genauso energiereich gespielt als würde Max mit Sepultura auf der Bühne stehen, die Band hat wirklich etwas auf dem Kasten. Nach dem auch sehr Sepultura-lastigen „Frontlines“ bekommt man mit „Eye For An Eye“ dann auch den letzten Song um die Ohren gehauen, den die Band wiederum mit einem Cover abschließt, und zwar dem Endriff aus „Creeping Death“ von Metallica.

Soulfly haben wirklich soviel mehr geliefert, als ich erwartet hätte. Sie haben eine Magie auf der Bühne versprüht, die genauso packen kann wie auf den Alben, so professionell und gekonnt haben sie sich präsentieren können. Dieses Verschmelzen der verschiedenen Songs und die Stimmung: Soulfly waren für mich die Überraschung des diesjährigen Wacken.

 

Auf großen Festivals mit mehreren Bühnen, muss man auf manche Bands verzichten. In meinen Augen ist dies die wohl fieseste Bandüberschneidung des gesamten Festivals: Eine exzellente Liveband, die wohl auch nach dem 100. Mal nicht langweillig wird auf der Party- und eine auferstandene Legende auf der Black-Stage. Eine metallische Mischung vieler Musikstile gegen erhabenen Black Metal. Es heißt also: Die Apokalyptischen Reiter gegen Emperor. Und ohne mir den Zorn der dunklen Vertreter zuziehen zu wollen: Ich wollte zu den Reitern, da ich nicht unbedingt DER große Emperor Fan bin (auch wenn ich Ihsahns Solo Debüt 9,5 Punkte gab, wozu ich immer noch stehe). Diesen Plan hatten aber auch sehr, sehr viele andere Reitermaniacs, weswegen der Platz vor der Party Stage bei weitem nicht mehr ausreicht. So gesehen spielen die Reiter definitiv auf einer zu kleinen Bühne. Als ich ankomme legen sie gerade mit ihrer Single „Friede sei mit dir“ bei einem Sound los, den ich noch NIE auf der Party Stage gehört habe (und ich fahre seit 2001 nach Wacken). Da es aber nahezu unerträglich voll ist, wechsle ich herüber zu Emperor, die gerade bei einem ebenfalls bombastischen Sound die Black Stage zerlegen. Das Bühnenbild ist ebenso majestätisch wie die Musik der Band selbst.

Extra für the-pit.de Leser schreibe ich aber ein kleines „Double Feature“, weswegen ich nach 10 Minuten mal wieder zu den Reitern wechsele, die gerade „Du kleiner Wicht“ zocken und ich bin wirklich erstaunt, wie laut sie sind, denn ich habe sie sogar drüben bei Emperor gehört. Und da stand ich wirklich weit vorne! Hier vor der Party Stage ist die Besagte auch in vollem Gange und die Band ist wie immer motiviert bis in die Haarspitzen. Auch wenn die bei Sänger Fuchs recht schnell erreicht sind. Als das anfangs ruhige „Metal will never die“ erklingt, wird es von einem Orkan von der Black Stage fast zerschossen und das darauf folgende öde „Sehnsucht“ treibt mich zurück in das Auge des Sturms, sprich: zu Emperor. Ruhig geht es hier aber keinesfalls zu, denn zu „With strength I burn“ schießen die Pyros hoch und auch sonst ist dieser Song wirklich perfekt. Wie schon bei Morbid Angel wäre niederknien wohl angebracht, aber Respekt zollen, kann man auch so. Bei den Reitern heißt es danach „We will never die“, was mir mal wieder bestätigt, dass die Band keine schlechten Konzerte geben kann. Bei „Reitermania“ gibt es noch viele große, rote Hüpfbälle für das Publikum und ich verabschiede mich für dieses Mal. Tschüss Reiter, beim nächsten Mal wieder länger!

Einen besseren Zeitpunk,t um zu Emperor zu gehen, hätte ich nicht wählen können, denn die Reiter spielen ihren (meiner Meinung nach) völlig überbewerteten Song „Die Sonne scheint“, den Emperor dankenswerterweise mit „The cure and loss of reverance“ niederknüppeln. Danach gibt es erstmals einen Song vom Abschiedsalbum „Prometheus....“ zu hören und „In the wordless chamber“ fügt sich nahtlos ein. Ihsahn streift sich nun Shoulderpads über und die Bühne wird in dämonisch rotes Licht getaucht. In diesem Ambiente wirkt „I am the black wizards“ auf eine Weise, die ich mit Worten nicht beschreiben kann. Getoppt wird das eigentlich nur noch vom Abschluss „Inno a satana“, was nun vollends nicht mehr von dieser Welt ist. Die Verabschiedung fällt danach recht kurz aus, was mir Gelegenheit gibt, doch noch „Dschingis Kahn“ bei den Reitern mitzubekommen.

Was macht man also nach so einer Darbietung?! Richtig, auf die absoluten Headliner und Legenden des Wacken '06 warten – auf Motörhead!

 

“We are Motörhead, and we are playing Rock ´N´ Roll!”, krächzt Lemmy zur Begrüßung ins Mikro und genau das tun sie verdammt noch mal auch. Nach einer Schweigeminute vor dem Auftritt aufgrund des tragischen Tods eines Wacken-Besuchers im letzten Jahr und einer Ansprache des Bauern, der jedes Jahr seine Felder für die Metaller bereitstellt („Kommt nächstes Jahr wieder, wir brauchen das Geld!“) kann es dann endlich losgehen mit Rock ´N´ Roll á la Motörhead.

Der Sound der True Stage ist immer allererste Sahne, aber was diesmal aus der PA herausschießt, ist wirklich Wahnsinn. Es ist verdammt laut (wenn vielleicht auch nicht so laut wie es bei Ministry der Fall gewesen war), es ist verdammt dreckig und verdammt druckvoll. Trotz Lemmys röhrendem Bass, kann man Phil Campbells Gitarre bestens hören und über allem thronte Mikkey Dee mit sehr druckvollen Drums. Die Ansagen macht selbstverständlich Lemmy, mit sehr viel Witz natürlich („Der nächste Song ist von ´83, wo die meisten von euch noch nicht geboren waren“, z.B.) und Phil Campbell, den man aufgrund eines Kaugummis, einer Kippe und dazu noch seinem sehr englischen Akzent so gut wie nie versteht, der aber trotzdem sein Feedback haben will, was er aber auch jedes Mal wirklich laut brüllend von den Fans bekommt.

Die Setlist ähnelt der der „Stagefright“ DVD wirklich sehr, obwohl es natürlich kleine Unterschiede gibt. Und so gut jede Band war, die ich zuvor gesehen hatte, Motörhead haben live einfach alles weggeschmettert. „No Class“, „Over The Top“, melodische Nummern wie „Metropolis“ und „Dancing On Your Grave“ von der „Another Perfect Day“, oder bluesige Nummern wie „Going To Brazil“ und “Just ´Cos You Got The Power” rocken einfach perfekt. Mit “Killers” und dem Knaller “In The Name Of Tragedy” bekommt man auch zwei Songs der (noch) aktuellen “Inferno” zu hören. Das am 25.08. erscheinende Album „Kiss Of Death“ wird zwar erwähnt, allerdings kein Song davon gespielt, was zwar schön gewesen wäre, aber auch nicht weiter tragisch ist, denn Motörhead spielen genug Hits.

Bei „Sacrifice“ kann Mikkey Dee bei einem Drumsolo wieder zeigen, was für ein talentierter Drummer er ist. Das Solo ist schnell, ausgiebig lang und wirklich klasse. Kurz darauf erscheint bei „Killed By Death“ eine Gastsängerin auf der Bühne, die eine Augenklappe trägt und Lemmy beim Gesang unterstützt. Es handelt sich um die schwedische Sängerin Moa Holmsten aus der Band „Meldrum“, mit der Lemmy seit Jahren befreundet ist. Im aktuellen Nuclear Blast gibt Lemmy sogar zu, ihr den Song „Christine“ gewidmet zu haben. Durch sie wird der Song nicht nur für die Ohren ein wahrer Hingucker, man kann Lemmy und Phil sogar richtig ihren Spaß an der Sache anmerken. Wenig späte,r nach ein oder zwei weiteren Songs, verschwinden Motörhead von der Bühne, doch es weiß jeder, dass es noch nicht vorbei sein kann..

„Wenn ihr laut genug seid, kommen wir wieder!“ - Tja, und sie kommen natürlich wieder, denn die Stimmung vor der Bühne ist klasse. Es weiß sowieso so ziemlich jeder, dass Motörhead den Fans noch zwei Klassiker bringen müssen. Natürlich sind es „Ace Of Spades“ und „Overkill“, beide Songs schlagen nach all den Jahren immer noch ein wie eine Bombe. „Overkill“ wird gegen Ende richtig in die Länge gezogen, insgesamt drei Mal greifen Lemmy und Co. das Riff wieder auf und schreddeln sich die Finger wund. Dann verabschieden sie sich schließlich und lassen kräftig laut ihre Instrumente fiepend auf der Bühne zurück.

Motörhead sind eine perfekte Liveband, die nach all den Jahren nicht einmal ansatzweise ihre Power verloren hat. Sie sind so wuchtig live und rocken alles weg, was sich Ihnen in den Weg stellt.

 

 

 

Doch noch ist das Festival nicht zu Ende. Nachdem Finntroll die Menschen auf der Black Stage ordentlich eingeheizt haben, sind nun als allerletzte Band des Festivals Subway to Sally an der Reihe. Schon im Vorfeld hieß es, dass man sich sehr auf den Auftritt freue, weil Wacken – wie für fast alle Bands – etwas Besonderes darstellt. 2003 war man das letzte Mal geladen und schaffte es, sowohl unter die Top 5 der beliebtesten als auch unter die Top 5 der meist gehassten Bands in Wacken zu kommen. Los geht es mit „Sarbande de Noir“, das auch als Intro der aktuellen Platte „Nord Nord Ost“ herhalten muss. Als dann die ersten Klänge von „Schneekönigin“ erklingen, die Schneekanonen warm laufen und die Band gewohnt professionell und energiegeladen ihre Show durchzieht, ist die Stimmung im Publikum recht gut. Von Müdigkeit zu dieser späten Stunde am letzten Festivaltag keine Spur. „Feuerland“ und „Knochenschiff“ sind die nächsten Songs. Sänger Eric Fish gibt von der Bühne aus zu verstehen, dass das Wacken Open Air auch in der Bandgeschichte eine wichtige Veranstaltung gewesen ist, durch die die Band immens unterstützt worden sei. „Kleid aus Rosen“ ist einer der Songs, der eigentlich auf keinem Gig der Potsdamer fehlen darf, und so muss auch hier niemand darauf verzichten. Die beiden Songs „Minne“ und „Henkersbraut“ vom Album „Herzblut“ markieren (natürlich abgesehen von „Julia und die Räuber“) die ältesten, heute gespielten Songs. Auf Klassiker à la „Grabrede“, „Liebeszauber“ oder „Mephisto“ wartet man vergebens. Klar, in Wacken müssen die harten Nummern ausgepackt werden, doch sieht man den Fans deutlich an, dass dies ihretwegen nicht zugunsten der älteren Tracks geschehen soll. „Wir spielen hier auf der True Metal Stage… Ihr glaubt nicht, wie egal uns das ist!“, gibt Eric Fish, der wirklich gut bei Laune ist, zu verstehen, und stimmt den nächsten Song an. Doch deutlich vor offiziellem Ende der Show verzieht sich die Band, um wenig später mit dem absoluten Publikumsliebling „Julia und die Räuber“ noch einmal zurückzukehren. Als die letzten Klänge verklungen sind und die Band endgültig die Bühne verlässt, will niemand so wirklich glaube, dass das schon alles war. Schließlich geht die Spielzeit, die den Jungs und der Dame eingeräumt wurde, noch 5-10 Minuten länger. Nichtsdestotrotz bleiben die „Blut Blut, Räuber saufen Blut…“ – Chöre noch eine Weile auch außerhalb des Festivalgeländes bestehen und lassen so doch gute Laune zurück.

 

Wieder kein Feuerwerk, das Wacken Open Air 2006 geht somit nach zig hochkarätigen Acts auch am Sonntag Abend etwas unspektakulär, aber mit einem sehr guten Eindruck zu Ende. Keine großartigen Verzögerungen und relativ ausgelassene, aber friedliche Stimmung. Über die hohen Essens- und Getränke-Preise sehen wir großzügig hinweg, hoffen, dass nächstes Mal nicht ganz so viele Menschen vor den Bühnen stehen und freuen uns aufs nächste Jahr!

 

Copyright für alle Fotos: Rolf Klatt / metaltix.com

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