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Wacken Open Air 2005

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"Wacken" ist schon seit langem auch außerhalb der Szene ein fester Begriff. Das Dorf in Schleswig Holstein ist seit dem gleichnamigen Open Air unter Metalern eine Kulturstätte, die ihres gleichen sucht.

 

Im letzten Jahr wurde das 15. Jubiläum des traditionsreichen Wacken Open Air mit Größen wie Anthrax, Children of Bodom, Motörhead, Grave Digger und Saxon zelebriert und hat - wie üblich - sehr positive Resonanzen bei Besuchern und Presse hervorgerufen. Neben der einzigartig genialen Stimmung hätte auch das Wetter nicht besser sein können. Trotz eines starken Line Ups, hat die Organisation wahre Arbeit geleistet und es geschafft, das Billing für 2005 noch attraktiver zu gestalten.

 

Dass das Wacken Open Air ein Festival der musikalischen Extremen ist und den Kultstatus inzwischen erreicht hat, dürfte allen Menschen, die sich für diese Art von Musik interessieren, bekannt sein. Vorab sei gesagt, dass auch das diesjährige Wacken Open Air ein Riesenerfolg war.

 

Überschattet wurde es allerdings von einem Todesfall. Ein alkoholisierter 37-jähriger Vater von vier Kindern war nach Zeugenaussagen in der Nacht auf Freitag, den 05.08, vom Straßenwall auf die Straße gefallen und seitlich gegen einen im Schritttempo fahrenden DRK Rettungswagen geprallt. Er erlag seinen lebensgefährlichen Verletzungen wenig später im Kreiskrankenhaus Itzehoe. Auf der offiziellen Festivalhomepage sind die Kontodaten eines Spendenkontos zu finden.

 

Seit dem letzten Jahr weiß man, dass man in dem Zeitraum, in dem sich die Einwohnerzahl des 1840-Seelen-Dorf Wacken um mehr als das Zehnfache erhöht, auch andere Extremwerte vorfinden kann, die mit der Musik nichts zu tun haben. Denn da schlug das Thermometer in ungeahnte Höhen aus. Höchstwerte von bis zu 37°C wurden an diesem Wochenende gemessen.

 

Wo die Metalheads, die aus ganz Europa und sogar Teilen Asiens angereist waren, 2004 unter der Hitze stöhnten, durften sich die ca. 35.000 Besucher diesmal über in die entgegen gesetzte Richtung ausschlagende Extremwerte in Form von milder Temperatur, starkem Regenfall und Sturmböen beschweren. Schlimmer als der Niederschlag waren dessen Folgen: Ab dem zweiten Festivaltag erstreckten sich da, wo eigentlich Rasenflächen sein sollten, ausgedehnte Schlammlöcher. Es gab kaum Stellen, an denen die Besucher nicht knöcheltief in den Morast einsanken. Um die Fläche wenigstens geringfügig begehbar zu machen, räumten die Veranstalter alle Stroh- und Heuvorräte der Umgebung leer und bedeckten damit das Gelände. Die Temperatur wurde jedoch erst gegen Abend unangenehm niedrig.

 

Einen Vorteil hatte das Wetter im Gegensatz zum letzten Jahr allerdings: Die ca. 50 DRK Kräfte, die rund um die Uhr vor Ort waren, hatten mit etwa 1200 Hilfeleistungen aller Art und etwa 80 Transporten in umliegende Krankenhäuser rund ein Drittel weniger Einsätze als im Jahr davor.

 

Eine trotz des Wetters gute Stimmung, im Gegensatz zu letztem Jahr steigende Besucherzahlen und wenige Komplikationen ermöglichten ein friedliches Festival in feucht-fröhlicher Atmosphäre. Es gab keine nennenswerten Ausschreitungen und bis auf ein brennendes Dixi Klo hatte auch die Feuerwehr wenig zu tun, woran das Wetter wohl nicht ganz unschuldig war.

 

Die Künstler traten auf vier Bühnen auf. Die beiden Hauptbühnen (Black Stage und True Metal Stage) standen unmittelbar nebeneinander. Spielte auf der einen eine Band, wurde auf der anderen der Auftritt der folgenden vorbereitet, wodurch lange Umbaupausen ausgeschlossen wurden und man trotzdem jeweils 15 Minuten Zeit hatte, um die Stage zu wechseln. Zeitgleich mit den Bands auf der Black Stage spielten andere auf der etwas kleineren Party Stage. Keinen zeitlicher Zusammenhang gab es mit den Bands, welche auf der W.E.T. Stage / Headbanger’s Ballroom spielten.

 

Als besonders praktisch erwies sich eine Videoleinwand, die zwischen den Hauptbühnen angebracht war und die aktuell performende Band aus verschiedenen Kameraperspektiven zeigte. So konnten die Zuschauer das Geschehen auf der Bühne auch von den zahlreichen Speise- und Getränkewagen im hinteren Teil des Geländes aus beobachten. LED Infosysteme hielten die Besucher immer auf dem neusten Stand.

 

Sanitäre Einrichtungen waren zwar vorhanden, allerdings nicht in zu großer Anzahl und manche durften auch teils nur nach Bezahlung benutzt werden.

 

Die Gothic Metal Band Tristania sollte am Donnerstag, den 04.08, der erste Act auf einer der großen Bühnen sein. Nachdem sich der Einlass um etwas 30 Minuten verzögert hatte, begann der Auftritt doch pünktlich. Gefühlvoll ging die Band ans Werk, kombinierte aggressive Vocals mit harmonischem männlichem und weiblichem Gesang. Schade nur, dass davon bei den ersten paar Liedern des relativ kurzen Auftritts noch nichts zu bemerken war, da die Stimmen doch irgendwie entweder nicht zu hören waren oder nur geringfügig aus der Musik herausstachen. Dafür waren die Tanzeinlagen von Sängerin Vibeke Stene umso eindrucksvoller.

 

Es folgten Candlemass und Oomph!. Gerade die Industrial Rocker, die ganz in weiß und das erste Mal seit 10 Jahren wieder in Wacken auftraten, spielten kaum Stücke ihrer neuen CDs, sondern einen Querschnitt ihrer alten, härteren Alben. Highlights: Mitten ins Herz und Gekreuzigt.

 

Kein Best Of-Programm spielten dagegen die Headliner des Abends. Nightwish legten den Schwerpunkt ihrer Setlist deutlich auf das aktuelle Album Once. Dark Chest of Wonders, die neue Single The Siren, Ghost Love Score oder in der Zugabe ihre zweite Auskopplung Wish I Had An Angel waren nur einige davon. Mit von der Partie waren jedoch auch ein paar ältere Highlights, wie Over The Hills And Far Away, The Kinslayer und natürlich Wishmaster, die Sängerin Tarja Turunen in knallgelbem Outfit zum Besten gab.

 

Dies war der erste Tag des Festivals. Das Wetter war hier noch relativ gut, hatte es doch nur vormittags kurz geregnet. Das nordische Wetter sollte erst am folgenden Tag hereinbrechen.

 

Der Freitag war der erste volle Festivaltag. Gingen die Auftritte am Donnerstag von ca. 18 bis 24 Uhr, gab es am Samstag nun auf allen Bühnen Programm von 12 Uhr mittags bis 03 Uhr nachts. Die erste interessante Band Naglfar begann mit hartem Black Metal gleich um 12 Uhr - (natürlich) auf der Black Stage. Nachdem Sänger Jens im vergangenen Jahr ausgestiegen war, versuchte nun Bassist Kristoffer am Mikrophon zu überzeugen. Leider gingen jedoch Stimme und vor allem Melodien neben den überlauten Bässen völlig unter.

 

Die finnischen Power Metaller von Sonata Arctica hatten ihren Auftritt wenig später auf der True Metal Stage. Mit glasklarer, sehr melodischer Stimme sang Sänger Tony Kakko in ohrenbetäubender Lautstärke größtenteils Songs des aktuellen Albums Reckoning Night. Man war aber innerhalb der Band scheinbar der Zeit nicht wirklich bewusst: "So, let's make party tonight ... today, it's fucking early!". Wenig später: „So tonight…. Fuck it! TODAY!“

 

Die erste Folk Metal Band spielte dann auf der Party Stage: Ensiferum lockte jede Menge Menschen an und die Stimmung schien von Anfang an um einiges besser als vor den beiden Hauptbühnen. Die anwesenden Metaler gaben alles und schon als das relativ lange, ruhige Intro (Ferrum acternum) gerade voll im Gange war, war die Anspannung und Vorfreude deutlich zu erkennen. Gleich beim ersten Song Iron bildeten sich diverse Moshpits. Weiter ging es mit Songs vom älteren Album Ensiferum (z.B. Token of Time, Windrider, Guardians of Fate) und von Iron (z.B. Sword Chant oder Lai Lai Hei). Auch der Sound schien auf der Party Stage (zumindest für den Moment) weitaus besser und klarer gemischt zu sein als auf den großen Bühnen. Nach dem Auftritt war zu beobachten, dass sich der Platz vor der Bühne nun relativ schnell auf das normale Maß an Menschen hinunterregelte. Wäre es vielleicht sinnvoller gewesen, Ensiferum auf einer der großen Bühnen spielen zu lassen?

 

Etwas später verwunderten Within Temptation mit der Bühne, auf der sie auftraten. Dies war nämlich die Black Stage. Gleicht doch die neuste Veröffentlichung The Silent Force mehr einer poppigen Balladensammlung als einem Metal Album, hatte man sich wohl entschieden, einige etwas härtere Stücke des ersten Albums Enter zum Besten zu geben. So bekam Gitarrist Robert Westerholt neben seinem Instrument mal wieder ein Mikrophon in die Hand und durfte ab und zu kräftig reingrunzen. Irgendwie vermisst man da die Zeiten, in denen die fünf Musiker mit Frontsirene Sharon den Adel dem Mainstream weniger verfallen waren als es heute der Fall ist.

 

Schon im Vorfeld heftig diskutiert wurden die Surprise Acts. Von Subway to Sally, Rammstein und sogar Manowar war auf den Zeltplätzen die Rede. Aber mal ganz ehrlich: Wäre es für die Veranstalter nicht geradezu anti-kommerziell gewesen, eine Größe wie Manowar, die Könige des Metals höchstpersönlich, als Surprise Act durchgehen zu lassen?

 

Die wirklichen Überraschungsbands wurden dann im Laufe des Festivals bekannt gegeben. Die Power Metal Band Stratovarius, die Sputniks und Martin Kesici waren die Künstler, um deren Auftritt der graue Schleier lag.

 

Der Auftritt von Potentia Animi auf der W.E.T. – Stage überlappte sich mit dem von Apocalyptica. Trotz einiger soundtechnischer Probleme schafften die skurrilen Mönche eine gewohnt fröhliche und energiegeladene Show zu präsentieren und hatten mal wieder den ein oder anderen Lacher auf ihrer Seite.

 

Immer wieder fragt man sich, wie man es mit solchen Instrumenten fertig bringt, brachialen Metal ebenso wie ruhige Balladen zu performen und sich trotzdem noch so frei auf der Bühne bewegen zu können. Die Rede ist von den Cellisten von Apocalyptica, die seit nun zwei Alben von einem Schlagzeug begleitet werden. Waren die beiden ältesten CDs Apocalyptica Plays Metallica und Inquisition Symphony doch die CDs, bei denen man sich hauptsächlich – wie zumindest der erste Titel auch schon sagt – mit dem Covern von Metallica-Songs beschäftigte, wurde doch überraschend viel davon gespielt. Klar, dass Klassiker wie Enter Sandman oder der eher ruhige Song Nothing Else Matters das Publikum begeisterten. Auch neue Kompositionen wie Bittersweet oder Wie Weit (beide auf dem neuen Album Apocalyptica vertreten) fehlten natürlich nicht. So musste die Band, die live ganz ohne Sänger besticht, diese Position doch nicht vermissen: Sie hatte ja das Publikum des Wacken Open Airs. Als die letzten Klänge von Hall of the Mountain King verklangen, durfte man sich auf etwas ganz besonderes gefasst machen.

 

Corvus Corax traten mit der Welturaufführung ihrer Version der Carmina Burana (Cantus Buranus) auf. 75 Minuten lang bliesen die Könige der Spielleute dem Publikum Dudelsack- und Schalmeienklänge um die Ohren und wurden dabei von einem 50-köpfigen Orchester unterstützt. Es ist doch immer wieder verwunderlich, wie positiv diese mittelalterliche Musik, die ja ohne E-Gitarre oder „richtiges“ Schlagzeug auskommt, von den Metalern angenommen wird und sogar richtige Moshpits hervorrufen kann. Die Entscheidung von Corvus Corax, die Uraufführung im Rahmen des Wacken Open Airs und nicht auf der Museumsinsel in Berlin stattfinden zu lassen hat sich durchweg gelohnt. Selten hat man klassische Musik so laut und gemeinsam mit so vielen anderen Menschen gehört. Ein tolles Feuerwerk markierte den Abschluss der Welturaufführung.

 

Den Abschluss des Festivaltags gestalteten die (Ex-) Black Metaler Samael auf der Black- zeitgleich mit den finnischen Folk Black Metalern von Turisas auf der Party Stage. Die Finnen schafften es, wie Ensiferum, den Platz vor der Party Stage fast gänzlich zu füllen. Und das, obwohl die „Konkurrenz“ auf der Black Stage alles andere als klein war. Mit bizarren Pelz-Outfits und Corpsepaint füllten sie ihre 45 Minuten Spielzeit mit einer humorvollen Show und überzeugten eindrucksvoll mit vielen Songs ihres neuen Albums Battle Metal.

 

Aus folkmetallischer Sicht gesehen begann der letzte Tag des Festivals relativ unspektakulär. Zwar spielten auf der Black Stage einige interessante Bands, wie z.B. die Black Metaller von Zyklon, jedoch musste man auf die folkloristisch angehauchten Klänge noch etwas warten. Um genau zu sein bis 15:20 Uhr. Dann nämlich begannen Tuatha de Danann mit ihrer Show auf der W.E.T. - Stage. Diese fand als Teil des Metal Battles statt, indem einige Bands aus verschiedenen Ländern gegeneinander antraten. Die Brasilianer von Tuatha de Danann konnten die Zuschauer allerdings nicht genügend beeindrucken: Der Gewinner des Metal Battles war Gorilla Monsoon.

 

Die wohl bekanntestes Folk (Black) Metal Band Finntroll, der Party Stage zugeordnet, lockte ebenfalls riesige Menschenmassen vor die Party Stage. Wer schon am Vortag bei Ensiferum den Eindruck hatte, der Platz sei absolut voll gewesen, wurde nun eines Besseren belehrt. Bei mäßigem Sound wurden Songs wie Trollhammaren der neusten Veröffentlichung Nattfödd oder Jaktens Tid vom gleichnamigen Album zum Besten gegeben. Finntroll boten den eindrucksvollen Beweis, dass Moshpits auch im knöcheltiefen Schlamm jede Menge Spaß bringen.

 

Als dann Martin Kesici als weiterer Surprise Act auf der Bühne stand, staunten die Metaler nicht schlecht. Zwar hat der Star Search Gewinner seine Wurzeln unverkennbar im Metal, sang sogar bei Star Search Songs von Metallica und beweist in Interviews immer wieder seine Zugehörigkeit zu der Szene, lässt seine Musik aber dennoch recht poppig klingen. Daher war seine Annahme bei den Metalheads von gemischten Gefühlen und Auffassungen bestimmt, welche auf der einen Seite durch klatschende Hände, auf der anderen Seite aber auch durch auf die Bühne fliegenden Gegenständen zum Ausdruck gebracht wurden. Nachdem er sich dann bei Gott und allen seinen Unterstützern bedankte, ging es auch schon weiter mit der nächsten Band.

 

Das war Equilibrium. Nur 45 Minuten wurden dieser deutschen Folk Metal Formation (übrigens auf Grund der musikalischen Ähnlichkeit gerne als deutsche Variante von Finntroll bezeichnet) trotz relativ später Spielzeit (21:50 Uhr) eingeräumt. Da aber die nächste Band auf der Party Stage erst gegen 00:45 Uhr spielen sollte, zog man den Auftritt zur Freude der Fans dann doch etwas in die Länge. Es sei auch gesagt, dass es den Jungs, die am Anfang dieses Jahres erst ihr Debüt Album veröffentlichten, wohl auch deshalb nicht unbedingt möglich gewesen wäre, viel mehr Songs zu spielen. So dudelten sie in bester Folk Metal Manier – jedoch untypischerweise in deutscher Sprache – einen nach dem anderen Song des Albums Turis Fratyr herunter und spätestens bei der Hymne Met (dessen Refrain aus der 12-maligen Wiederholung des Songtitels besteht) blieb keine Kehle mehr stumm.

 

Zwar ganz ohne folkloristische Elemente, aber dennoch auf jeden Fall erwähnenswert ist der Auftritt der Finnen von Sentenced, die in Wacken ihr letztes Konzert in Deutschland gaben. Die Stimmung schien daher auch etwas bedrückt und schon nach 35 Minuten des einstündigen Auftrittes wurde – wohl um die Stimmung zu verbessern – der letzte Song angekündigt. Ein Ärgernis war der überlaute Sound der Party Stage, der die Zuschauer, die die Band das letzte Mal von weiter hinten genießen wollten, dazu zwang, neben Sentenced auch noch den penetranten Sound von Torfrock hören zu müssen.

 

Die Sputniks, existierend seit über 40 Jahren, spielten am Samstagabend Motörheads The Ace of Spades und weitere bekannte Melodien, wie I was made for loving you von Kiss oder Symphony of Destruction von Megadeth. Onkel Tom und seine Band überzeugten danach bei niedrigen Temperaturen mit dem Orchester der „W:O:A. Firefighters“.

 

Die Veranstalter haben es auch dieses Jahr geschafft, ein Festival auf die Beine zu stellen, welches ohne größere Probleme und Vorfälle über die Bühne lief. Ein Wehmutstropfen war natürlich das Wetter, aber dafür ist wohl allein Petrus verantwortlich zu machen. Im Nachhinein erinnert man sich an geniale Auftritte überragender Größen, die drei Tage lang alle erdenklichen Sparten begeisterten. Wir freuen uns auf nächstes Jahr! Und dann wollen wir Folk Metal auf den großen Bühnen sehen!

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