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Uriah Heep & The Zombies im Konzert (Hamburg, November 2018)

Von wegen alte Säcke!

Uriah Heep sorgen auch im gesetzten Alter noch für beste Stimmung!

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Uriah Heep

Der Umbau dauert fast eine halbe Stunde und während dieser Zeit darf man noch nicht mal raus zum Rauchen, sondern wird gezwungen, sich in die „Raucherlounge“ zu begeben (die sich total clever neben der Bühne befindet, sodass man sich erst durch sämtliche Leute wühlen muss), da es „keinen Wiedereinlass“ gibt. Ob die im Docks schon mal was von Stempeln gehört haben?

Egal, als es endlich soweit ist, enttäuscht der Sound zunächst – Phil Lanzons Orgel knallt alles zu und tönt dabei breiig und Bernie Shaws Gesang ist dagegen viel zu leise. Beim gleich an zweiter Stelle stehenden Klassiker „Return To Fantasy“ (immer wieder ein, ähem, fantastischer Track) mit seinen opulenten Keyboardteppichen wirkt dies sogar noch arger als beim eröffnenden „Grazed By Heaven“ vom aktuellen Album, was angesichts der Großartigkeit jenes unsterblichen Songs von 1975 etwas schade ist. Zum Glück erfährt dieser Zustand im Laufe des Konzerts Besserung und die Stimmung ist ohnehin prächtig.

So sieht es auch Bernie Shaw, der sich völlig angetan zeigt: „Wow – an einem Montagabend!“, stellt er (auf Deutsch!) strahlend fest. In der Tat ist der Laden beinahe ausverkauft und gut gefüllt – größtenteils wie zu erwarten mit Altrockern, aber es sind auch Nasen unter 50, 60 Lenzen zu sehen. Schön jedenfalls, wenn man mit Mitte 30 mal eher einer jüngsten im Publikum ist… Und die Bandmitglieder selbst wirken überhaupt nicht wie alte Säcke. Mick Box, wie immer sonnenbebrillt und mit exzentrischen Verrenkungen der rechten Hand in der Luft nach gefühlt jedem zweiten Anschlag (jetzt wird endlich klar, wo sich Helloweens Michael Weikath sein Herumgefuchtel abgeschaut hat), bewegt sich eher wenig und beschränkt sich auf ein verschmitztes Dauergrinsen, doch Bernie Shaw (allerdings auch acht Jahre jünger als Box) lässt es sich nicht nehmen, auf den Brettern auch mal hin und her zu pesen.

Bassist Davey Rimmer beim Spielen zuzusehen ist eine Wonne, so engagiert, wie der Linkshänder seinen mit coolen blau phosphoreszierenden Lichtern an den Bünden ausgestatteten Tieftöner bearbeitet, dasselbe gilt für Schlagwerker Russell Gilbrook, mit 54 der Benjamin der Band, dem die Spielfreude ins Gesicht geschrieben steht und der die Felle mit voller Wucht malträtiert. Phil Lanzon (der optisch eine gewisse Ähnlichkeit mit Christopher Lloyd in „Zurück in die Zukunft“ aufweist) hingegen thront neben Gilbrooks Drumset hinter seinen Keyboards und spielt seine zahlreichen Soli in ähnlicher Manier wie Mick Box mit der freien linken Hand exaltiert in der Luft mit. Und die Harmoniegesänge sämtlicher Beteiligter sitzen wie eine Eins.   

Was die Setlist betrifft, so steht das neue Werk „Living The Dream“ mit sechs Stücken ganz klar im Vordergrund – zumeist werden abwechselnd ein neuer Song und ein Klassiker abwechselnd gespielt, wobei auch das neue Material bei den Anwesenden gut ankommt. Jede Nummer wird ausgiebig beklatscht und bejubelt und bei bockstarken Tracks der Marke „Take Away My Soul“ oder dem sich bravourös steigernden „Rocks In The Road“ gibt es ja nun auch wahrlich nichts zu meckern.

„Alles gut?“, fragt Bernie zwischendurch (wieder auf Deutsch) und bekommt als Antwort ein hundertfaches „Yeah!“ zurückgebrüllt – damit wäre das wohl klargestellt. Entsprechend froh ist der Kanadier, dass man heute Abend den Weg ins Docks zu Uriah Heep gefunden habe, anstatt sich anderweitig auf dem Kiez zu vergnügen. Und erneut lobt er die Stimmung: „Die letzten Male haben wir in der Großen Freiheit 36 gespielt und das war immer cool – aber heute setzt ihr noch mal einen drauf!“ und auch Mick Box schmeichelt den Fans in der Hansestadt: „Wir freuen uns immer wieder, nach Hamburg zu kommen. It’s always a pleasure!“

Mit dem allerersten Hit ihrer Karriere vom 1970er Debüt „…Very ’Eavy …Very ’Umble“, „Gypsy“, wird dann der letzte Block, der nur noch aus alten Klassikern besteht, eingeläutet. Zunächst steht eine furiose Zehn-Minuten-Version von „Look At Yourself“ an, bei der man sich anhand des Jamcharakters ähnlich wie bei „Hold Your Head Up“ von The Zombies zuvor ein wenig in die seligen Siebziger zurückversetzt fühlt – inklusive eines kleinen Soloduells zwischen Davey Rimmer und Russell Gilbrook – absolut großartig!

Das Epos „July Morning“, bei dem Bernie dann doch ein wenig an seine stimmlichen Grenzen stößt und kämpfen muss, stellt anschließend die nächste Zehn-Minuten-Komposition dar und stößt auf ebensolche Begeisterung wie die nachfolgende Nummer. Denn als wie schon zuvor bei „Waters Flowin’“ eine Akustikgitarre auf der Bühne platziert wird, ist klar, was nun kommt: „Lady In Black“, der unkaputtbare Klassiker, darf bei keiner Show fehlen – so wie „Ace Of Spades“ bei Motörhead, „Smoke On The Water“ bei Deep Purple oder „Stairway To Heaven“ bei Led Zeppelin.

Bernie und Mick beginnen vorerst alleine, erst nach und nach steigen die restlichen Bandmitglieder ein, während das Publikum die ganze Zeit voll dabei ist und bei den „Ahahaha“-Passagen völlig aus sich herausgeht – ist ja auch nicht schwer mitzusingen, Texthänger kann man da schlecht haben. Kleiner Funfact am Rande: Heeps damaliger Sänger David Byron weigerte sich, das Stück einzusingen, weil es ihm mit seinen lediglich zwei Akkorden „zu banal“ war, weswegen der frühere Hauptsongwriter Ken Hensley (und auch Verfasser dieses Songs) die Vocals selbst übernahm. Wenn Byron damals gewusst hätte, was für ein Welthit dieses simple Stück werden sollte…

Danach ist vorerst Schluss, doch schnell kommen die Engländer noch mal zurück auf die Bühne, um die gierige Meute mit „Sunrise“ und „Easy Livin’“ (darf ebenfalls nicht fehlen) in den Feierabend zu schicken und sich noch mal ausgiebig für die tolle Stimmung zu bedanken. Schließlich aber sind 100 Minuten beste Unterhaltung vorüber und auch wenn die Aussage eines Fans („geilstes Konzert aller Zeiten“) dann vielleicht doch leicht übertrieben sein mag – Uriah Heep sind definitiv noch längst nicht am Ende, das haben sie erneut bewiesen und sie versprechen den Leuten sogar, dass sie wiederkommen werden, was naturgemäß ebenfalls ordentlich bejubelt wird.

Setlist:

Grazed By Heaven
Return To Fantasy
Living The Dream
Too Scared To Run
Take Away My Soul
Knocking At My Door
Rainbow Demon
Waters Flowin’
Rocks In The Road
Gypsy
Look At Yourself
July Morning
Lady In Black

Sunrise
Easy Livin’

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